2018 Bolivien


06.08.2018 - 28.08.2018

Katrin Rohlfs, Milly Morales Frez, Maximilian Meier


„Nachhaltig Kinder stärken“ war die Devise des Projekts 2016. Das Clownsteam hat 50 Kinder in zirzensischen Künsten und Clownerie unterrichtet und außerdem 12 Shows gespielt. Das Projekt endete mit zwei Aufführungen der Show, die die Kinder mit unserer Hilfe entwickelt haben. Auch die Mamas bekamen Clown-Workshops und nach einer anfänglichen Hemmschwelle begeisterten sie sich im szenischen Spiel. Sie bereicherten die Show der Kinder mit clownesken Zwischenszenen, die sie sehr selbständig erarbeitet hatten.

Aus dieser Erfahrung heraus hat sich das SOS-Team in Cochabamba eine Fortführung des Clownsprojekts gewünscht.

2018 soll es um die Stärkung der „Mamas“, der Pädagoginnen, gehen. Diese durchlaufen, bevor sie in einem Dorf zunächst als Helferinnen („Tias“), dann als „Mamas“ eingesetzt werden, eine dreimonatige Schulung. Im Rahmen dieser Schulung hat sich SOS Cochabamba für die „Clowns ohne Grenzen“ interessiert. Durch tägliche Workshops von 2-3 Stunden über einen Zeitraum von 3 Wochen sollen die zukünftigen Erzieherinnen gestärkt werden.

Tag 10 & Tag 11

17.08.2018

Heute haben wir den Intensivworkshop zu einem schönen Ende gebracht. Wir endeten mit kleinen Szenen, die die Teilnehmer*innen sich gegenseitig vorzeigten. Jede Szene beinhaltete eine Emotion.
Die Arbeit vorweg war intensiv und dicht.

Wir haben ein fulminantes Feedback erhalten, in dem sie uns mitteilten, dass wir jede Erwartung übertroffen hatten. Wir wurden eingeladen, in all die drei Städte zu kommen, um die Arbeit fortzusetzen. Sie fühlten sich reicht beschenkt und dass es sehr wertvoll für sie war, den Raum zu erhalten, in dem sie sich öffnen können.

Sie beschrieben Bolivien in einer Reflexionsrunde als Kultur, in der die Menschen sich mit dem Zeigen ihrer Gefühle sehr zurückhalten. Es stellte sich heraus, dass es schon der Übung bedarf, überhaupt Gefühle zu erkennen, bevor man mit Mitgefühl darauf reagieren kann. Ganz besonders Mütter haben in der Gesellschaft die Rolle, ausgeglichen und stark zu wirken, um sich um die Kinder und die Familie kümmern zu können. Die Teilnehmer*innen erkannten selbst, dass wir ihnen Werkzeug in die Hand gegeben haben, damit sie die wichtige Arbeit weiter führen können und fanden genug Übungen und Spiele, die sie in ihrer Arbeit anwenden können. In einer Schlagwortrunde nannte jede*r etwas anderes, was er/sie aus dem Kurs mitnimmt. Das zeigte uns, dass sowohl Jonglage, Clownsarbeit als auch der Theorieteil gut angenommen wurden. Zum Ende wurden Kontakte ausgetauscht, um sich untereinander weiterhin zu unterstützen und auszutauschen.

Heute Vormittag waren wir in der Behinderteneinrichtung Puntiti, von der wir bereits berichtet hatten. Heute war unser Clownseinsatz. Leider ist das eingetroffen, was wir befürchtet hatten: Alle Kinder warteten auf der Cancha auf uns, in einem riesigen Viereck, in ihren Rollstühlen, teilweise festgebunden. Wir hatten darum gebeten, dass sie in ihren Räumen bleiben und wir von Raum zu Raum gehen. So aber waren alle versammelt und das stellte uns vor eine besondere Herausforderung. Es gab einige sehr mobile Kinder mit Beeinträchtigung, die mit großem Interesse alles verfolgten und vor allem alles haben wollten, was wir hatten. Zwar war die Erwartung da, dass wir eine „Show“ spielen, das haben wir aber schnell gelassen bzw. gar nicht erst begonnen. So haben wir vor allem die vielen individuellen Bedürfnisse nach Kontakt versucht zu erfüllen. Besonders wirksam war Musik. Sie begannen zu klatschen, zu tanzen oder auch zu singen. Schließlich konnten wir auch eine Runde drehen, um alle im Rollstuhl liegenden Kinder zu begrüßen. Manche waren komplett in ihrer Welt. Es würde viel Zeit brauchen, bis sie auf uns reagieren könnten. So sind wir vor allem über sanfte Berührung mit ihnen in Kontakt getreten. Mit drei Jongliertüchern konnte ich einige Jungen begeistern, indem sie sie antippten und ich sie dann zu Boden fallen ließ. Das konnte ich etwa tausendmal machen (bloß nicht verändern) und sie haben sich kaputt gelacht. Eine Akrobatikfigur wurde gleich von einem Kind nachgemacht, legte sich auf den Boden und Max setzte sich drauf. Das sorgte für viel Gelächter. Trotz der extrem schwierigen Bedingungen haben wir viel Eindruck und Glücksmomente hinterlassen.

Katrin

(Bilder folgen noch :o) )

Tag 9

15.08.2018

Heute und in den nächsten zwei Tagen haben unsere Mamas keinen Workshop, da wir einen Intensiv-Workshop für weitere Psychologen, Familienberater, Sozialarbeiter und Mamas des SOS-Dorfes aus den Städten Potosí, Oruro und Sucre geben werden. Wir fühlen uns alle sehr geehrt, da sie den langen Weg auf sich genommen haben und teilweise die Nacht durchgefahren sind, um bei uns den Kurs machen zu können. Insgesamt waren es 12 Teilnehmer*innen und ein kleiner Junge, der bei unserer letzten Reise auch einen Clowns-Workshop mitgemacht hat.

Nach vielen Spielen und Theoriestunden später bin ich einfach nur glücklich. Die Gespräche mit unseren Teilnehmern zeigen uns, dass wir hier richtig sind, dass für sie der Clown nur eine Figur ist, die immer lustig ist und Quatsch macht, aber sie hätten nie gedacht, dass man mit der Clownsfigur einen ganz anderen Weg gehen kann und dass diese in der Pädagogik auch seinen Platz einnehmen kann. Wir haben entschieden, den morgigen Kurs früher zu beginnen, weil es ein Wunsch unserer Teilnehmer*innen war, da sie so viel wie möglich mitnehmen wollen und sie die Zeit etwas knapp finden.

Nach dem Kurs sind wir schlagartig völlig ausgehungert nach Hause gegangen. Kochen wollten und konnten wir nicht – zu erschöpft – ins Zentrum von Tiquipaya wollten wir nicht, weil zu weit. Also fragte ich Jenny, ob sie was in der Nähe kennt, wo wir schnell was zu essen bekommen. Ja klar! Hier um die Ecke gibt es was und ich bringe euch gerne hin ….. Ok! Wir freuen uns …. aber warum fahren wir mit dem Auto? 15 Minuten später waren wir in der Stadt Cochabamba … Tiquipaya wäre näher gewesen. Nichtsdestotrotz freuen wir uns endlich was zu essen und Max haben wir fast eine Stunde nicht mehr reden hören, weil er so in sein Essen vertieft war und glücklich vor sich hin kaute.

Wir stellten Jenny viele Fragen über die Kinder, Familien und SOS Strukturen. Wir bekommen ein paar tiefe Einblicke in das Leben der Kinder und mit welchen Problemen sie hier im Dorf ankommen. Manche werden einfach verlassen, weil die Mutter einen neuen Partner hat und durchbrennt… Ein anderer tragischer Fall ist, dass die Mutter zweier Töchter während eines Einbruches umgebracht wird. Der Vater steht unter Verdacht und so lange nicht geklärt wird, ob er schuldig ist oder nicht, bleiben die Kinder hier. Alle Kinder werden hier psychologisch betreut, erhalten Therapien, die individuell auf sie abgestimmt sind und wie ich letztens selbst beim Mittagessen miterlebt habe, freuen sie sich auf diese besonderen Stunden.

Generell stellte sich uns die Frage, warum es keine männlichen Betreuer gibt oder zumindest das Modell Mutter UND Vater. Jenny erzählte, dass leider  die Statistik zeigt, dass sie eher bereit zu Gewalt sind als Frauen und mehr Probleme mit Drogen und Alkohol haben. Dennoch sind sie gerade dabei, ein System von Pflegefamilien auszubauen.

Milly

Tag 8

14.08.2018

Auch die „talleres“ mit den Mamas und Mitarbeiter*innen sind tiefgehend. Es hat sich unglaublich viel Präsenz entwickelt. Das Team ist zusammengewachsen, sie arbeiten gut miteinander. Die Blicke sind offen, die Körper zugewandt. Nach dem Einführen von „Gromolo“ (Fantasiesprache) haben wir eine einfache Übung zum Auftritt gemacht. Auftreten, Publikum anschauen, einen nach dem anderen, Bühne verlassen. Wie schwer ist es, nichts zu tun! Augenkontakt mit allen, Kontakt zum Publikum suchen, das sind intensive Begegnungen und jeder ist auf sich gestellt, alleine, beobachtet, exponiert … hier konnten wir sehen, wer gerne im Mittelpunkt steht. Manchen aber kostete das viel und es waren berührende Momente. Auch die „wahren“ Clowns haben sich gezeigt, und sie sind verletzlich.

Bolivianer feiern die Feste, wie sie fallen. Für die Pause wurden Popcorn und Gelatinepudding mitgebracht und schließlich hatten wir ein mampfendes Publikum bei der sensiblen Übung … wie im Kino … Geduld, gleich können wir essen, gleich ist der Workshop vorbei.

Heute war auch Wäsche waschen angesagt. Die Nachbarin versprach, dass wir bei ihr waschen können und als wir mit unserem Wäscheberg kamen, zeigte sie uns ihre zwei Waschbecken, die Bürste und das Seifenstück … ähhh, so hatten wir uns das nicht vorgestellt – ähm, wir dachten, Du hättest eine Waschmaschine? Schock, ich habe uns schon die Wäsche rubbeln gesehen. Ja, die gibt es auch, sagte Mamá und zog eine Schutzdecke von der Maschine runter.

Wir fügen Fotos vom Flussbett hinzu, durch das in der vergangenen Regenzeit die Bergrücken runtergespült wurden und das die Überschwemmungen gebracht hat.

Katrin

 

Als ich von unserem „Info Point“, dem einzigen Fleckchen, wo man eine halbwegs funktionierende Internetverbindung hat, zurückschlenderte, passte mich eine Meute Kinder auf der „cancha“ ab und sofort war ich hilflos umringt! Milly hatte auch keine Chance zu entkommen…

Ja Basketball auf 2500 Metern ist anstrengend kann ich nur sagen…hihihi…

Es ist so wundervoll mit den Kindern…

Als Katrin und Milly später mit der fertigen Wäsche vom Nachbarhaus hereinkamen, hatten sie eine leckere Überraschung mit im Gepäck… „Api“ (ein heißes süßes Maisgetränk) und die bolivianische Version von „Auszogne“ (Schmalzgebäck). Nach dem ersten Schluck stellte sich aber komischerweise sofort ein Weihnachtsgefühl ein und auf einen Schlag sind wir pappsatt.

Und wegen unserem Zuckerbedarf mach ich mir in den nächsten Tagen auch keine Sorgen!

Wir werden immer und überall aus tiefstem Herzen versorgt, gepflegt und gehegt … gehören einfach dazu. Wir sind Teil des Dorfes! Unglaublich, diese Liebe und Anerkennung, die uns entgegengebracht wird. Einfach umwerfend!

Max

Tag 7

13.08.2018

Nach 1 1/2  spannenden und aufschlussreichen „freien“ Tagen, an denen wir natürlich mit den Kindern aus dem SOS Dorf gespielt und trainiert haben, ging es heute Morgen wieder weiter mit unserem Workshop. Heute waren wirklich alle da und wir hatten eine wunderbare Gruppe von 15 Teilnehmer*innen.

Das macht uns wirklich sehr glücklich, da sich die „Neuen“ sofort in die Gruppe integriert haben und gleich genauso motiviert loslegen.

Unser Thema waren vor allem die verschiedenen Emotionen. Am Ende des Workshops hatten wir die ersten Solo- und Gruppen-Improvisationen und trotz der Schwierigkeit vor Publikum aufzutreten, tolle Ergebnisse und alle einen riesen Spaß!

Am Nachmittag fuhren wir dann mit unserem Fahrer Don Herman (der Mann für alles und die  gute Seele des Dorfes) und einer Psychologin in die“ Zona Sur“ wo wir 2 Auftritte hatten.

Dieses Gebiet im Districto 9 ist halb so groß wie ganz Cochabamba und ist eines der ärmsten Viertel, eigentlich eine eigene Stadt.

Landflucht hat die meisten Menschen hierhergebracht. Auf der Suche nach dem Glück findet die Mehrheit aber leider eher große Armut und die Realität hat nichts mit den Wünschen und Hoffnungen gemeinsam. Trotzdem ist es oft die einzige Möglichkeit, da die Menschen zwar Land haben und Gemüse anbauen können, gleichzeitig aber so abgeschnitten sind, dass sie es nicht verkaufen können. Auch die weiten Distanzen z.B. in die Schule treiben sie in die nächste Stadt. Viele sind Analphabeten und die Familien haben 5- 9 Kinder. Die Hälfte der Mütter ist alleinerziehend. Auch hier spielen Alkohol und Drogen eine große Rolle und sind Ursache für das Auseinanderbrechen der Familien. Die Familien leben oft in einem einzigen Zimmer zusammen. Wasser und Strom sind eine Seltenheit. Wasser müssen sie oft von weit her holen und teuer bezahlen. Es gibt viele unterernährte Kinder. Ähnlich wie in den anderen “Centros Sociales“ bekommen die Eltern durch SOS Mitarbeiter Hilfe in ökonomischen Fragen, lernen mit Geld umzugehen und durch Schulungen erlernen sie praktische Berufe und können somit den Start in eine Selbständigkeit schaffen.

Die 1. Show spielten wir für 3-5 jährige Kinder. Besonders lustig und süß war, wie uns die kleinen am Ende auf den verteilten Postkarten wiederentdeckten und ganz aufgeregt auf uns losstürmten.

Bei dem 2. Auftritt waren die Kinder zwischen 6-12 Jahren. Die Stimmung war bombastisch und auch fantastisch. Was uns hier auffiel, war, dass die Kinder die Geschichte viel besser verfolgen konnten und selbst auf die klitzekleinen Feinheiten reagierten.

Bei der Rückfahrt tränten und juckten uns allen die Augen durch die extrem-starke Luftverschmutzung. Unglaublich, was für Stinkeautos hier herumbrausen.

Wir kehren wieder zurück in unser sauberes Zuhause – viele 10 000 Menschen leben täglich in diesem Smog und in bitterer Armut.

Max

 

Milly und ich sind am Sonntag nach Quillacollo gefahren, den Entradas von Urcupiña zuzuschauen. Aus ganz Bolivien kamen hier indigene Tanz- und Musikgruppen zusammen und zogen tanzend und musizierend durch die Straßen. Die schönen bunten, meist handgewebten Kostüme begeisterten uns. Auch die Instrumente waren toll, eine große Vielfalt an Tarcas, Pututus, Zampoñas … zog vorbei. Besonders waren „klingende Holzschuhe“, sehr beeindruckend! Das Fest geht nun die ganze Woche weiter, allerdings mit „folkloristischen Tänzen“, das sind modernere Formen mit eher europäischen Instrumenten. Tagelang ziehen sie durch die mit Tribünen bestückten Straßen und ringsherum ist ein wildes Marktleben mit jeder Menge kulinarischer Stände.

Katrin

Tag 4

10.08.2018

Der dritte Workshoptag gestern zeichnete sich durch große Pünktlichkeit aus. Zum Ankommen gibt es Jonglageunterricht. Jetzt ist definitiv der Einsatz der Nasen angesagt. Nach einem Warm-up und Spielen zur Präsenz kommt der magische Moment … und 12 bolivianische Clowns stehen um uns herum! Es klingt viel Gekicher, Unsicherheit … doch dann entsteht viel Freude am Entdecken komischer Bewegungen, kurioser Fantasiegebilde und ganz besonders viel Gelächter bringt wieder das „The stupid game“, dieses Mal mit roten Nasen. Tolle Gruppe! In der Reflexion bekommen wir die Rückmeldung, dass  es Überwindung kostet, komisch zu sein, doch dann zeigt sich das innere Kind, das verdeckt und auch ein Stück weit verloren war. Mit der roten Nase ist man eine andere Person, eine andere Persönlichkeit kommt zu Tage. Die rote Nase ist eine Erlaubnis, Regeln und Normen zu überschreiten.

Auch wenn wir keine Workshops für die Kinder anbieten, sind wir für sie sehr präsent. Sie grüßen uns freudig, und an unserem Hotspot mit Internetverbindung ist es immer sehr kommunikativ. Die Kinder scharen sich um uns, um Kontakt zu haben, plaudern und stellen viele Fragen. Auch an diesem Tag waren wir wieder zum Mittagessen in Familien, jedeR in einer anderen. Oft zeigen sie uns die Postkarte, die sie vor zwei Jahren von uns bekommen haben. Sie hängt an den Wänden ihrer Zimmer mit 20 Klebestreifen festgemacht. In der Begegnung mit den Kindern gibt es immer wieder kleine Clownsimprovisationen, und oft imitieren sie unsere „bromas“. Ich finde, dass dieser spontane Kontakt mindestens genauso wertvolle ist, wie ein Workshop, den wir den Kindern geben könnten. Ich merke, dass der Clown ihnen vertraut ist und empfinde die Begegnungen als sehr vertiefend. Auf jeden Fall gibt es viel miteinander zu lachen.

Auch seitens der Leitung des Dorfes wird uns viel Vertrauen entgegen gebracht. Wir bekommen mit, wir schwer sich das Leben immer wieder gestaltet, welche Probleme es gibt, was auf den ersten Blick nicht zu sehen ist. Drogen und Alkohol sind in Bolivien ein großes Problem, lassen Familien auseinanderbrechen und bringen Kinder in schwierige Situationen. Vorgestern gab es eine Demonstration gegen sexuelle Gewalt an Frauen. Die offiziellen Zahlen zur Arbeitslosigkeit (30 %) klaffen auseinander mit der Realität. Nur 40% haben einen sicheren Arbeitsplatz mit einer guten Krankenversicherung. Nur mit einem sicheren Arbeitsplatz gibt es überhaupt eine Krankenversicherung. Alle, die am Rand der Straße an provisorischen Ständen ein paar Sachen verkaufen, können sich eine ärztliche Behandlung nicht leisten. Geld gibt es viel im Land, leider ist die Verteilung sehr ungerecht. Wer hier im Dorf arbeitet, ist gut abgesichert, allerdings sind die Arbeitsbedingungen weit entfernt von unseren Standards. 7-Tage-Wochen, 20 Tage Urlaub und 24 Stunden Bereitschaftsdienst sind die Anforderung  selbst an Leitende.

Gestern wurde uns auch der Fluss gezeigt, wo das Wasser nach tagelangem Regen in einem reißenden Strom im März dieses Jahres den Berg hinunter kam. 10 Menschen starben, Häuser wurden mitgerissen und jetzt noch sieht man an den Wänden, wie hoch das Wasser stand. Viele Häuser standen komplett unter Wasser. Die „Aldea“(SOS Dorf) hat gebangt, doch schließlich kam das Wasser nicht herein, sondern floss rechts und links am Dorf vorbei. SOS hat ein Notfallprogramm aufgestellt, das erst vor kurzem beendet wurde. Die zerstörten Häuser sind erst teilweise wieder aufgebaut und die staatliche Hilfe ist allenfalls ein Kompromiss. Es wurden den betroffenen Familien Grundstücke von viel geringerem Wert angeboten. Nachdem ein ganzes Jahr der Trockenheit das Land vor Herausforderungen gestellt hat (2016 waren wir Zeugen von brennenden Berghängen), kam dann das Wasser und hat ganze Bergrücken herunter gespült.

Am Nachmittag hatten wir eine wunderschöne Show im Centro Social „Santa Teresa“ im Zentrum von Cochabamba. Das ist eine äquivalente Einrichtung, wie am Tag vorher. Unser Publikum war wieder sehr jung (ab 2 Jahren), aber sehr begeistert und voller Freude. Schön ist es, unsere Workshopteilnehmer/-innen am Arbeitsplatz zu erleben. So trafen wir dort Paola an.  Ein Moment voller clownesker Energie ihrerseits war voller Freude für uns alle.

Nach der Show hatten wir Zeit durch die Stadt zu schlendern, auf den Markt zu gehen und dem bolivianischen Leben zuzuschauen. Leider endete der Tag nicht gut. Milly hatte plötzlich große Schwindelgefühle und es ging ihr sehr schlecht. Zum Glück waren wir gerade mit Jenni im Auto unterwegs, so konnten wir eine Notfallstation aufsuchen, wo sie mit Sauerstoff und Medikamenten versorgt wurde. Vermutlich hat ihr die Höhe zu schaffen gemacht. Bei mir kam die Frage auf: Gibt es eigentlich einen Notruf, ambulante Notärzte, ambulante Sanitätsdienste? Gibt es schon, aber längst nicht so schnell zur Stelle wie bei uns und längst nicht flächendeckend.

Vor uns liegt ein freies Wochenende. So können wir – neben den Vor- und Nachbereitungen – unsere Freunde treffen und zum Fest nach Quillacollo fahren, das ab Sonntag tagelang das Leben hier bestimmen wird.

Katrin

Tag 3 Geburtstag

09.08.2018

Als ich in der Früh erwachte und in die Küche ging, war Katrin schon am Café machen und bedauerte, dass wir nicht mal Blumen für den Max haben….ahhhh stimmt ja!! Max hat heute Geburtstag! Schnell packte sie ihr Akkordeon aus, als Max in die Küche eintrudelte, sangen wir gemeinsam ein Geburtstagsständchen.

Eigentlich wollten wir heute um 9.30 Uhr mit unserem Workshop beginnen, aber es verzögerte sich, weil entweder ein paar noch im Morgenstau steckten oder weil das Telefon klingelte und die Mamas ran mussten oder weil zwei Teilnehmer*innen schnell weg mussten, um eine Überraschung für Max zu organisieren. Letztendlich begann der Unterricht mit einer halben Stunde Verzögerung, aber dafür mit viel Spaß und Freude und man merkte, dass die Teilnehmer immer mehr auftauten und nicht mehr so schüchtern waren wie gestern. Während einer Übung wurden wir unterbrochen, als plötzlich die Tür aufging und eine kleine Dame mit einer Geburtstagstorte den Raum betrat. Wir sangen alle ganz laut Cumpleaños feliz te deseamos a tí….Max war sehr überrascht und geschmeichelt. Eine Schülerin forderte Max auf einfach in die Torte zu beißen, weil noch keine Teller und Gabeln da waren und Max fiel tatsächlich drauf rein, denn als er ansetzte drückte sie sein Gesicht in die Torte! Wie schöööön. Nach dieser schönen Verköstigung machten wir weiter mit unserem Unterricht und beendeten diese mit einer Hausaufgabe. Die Teilnehmer*innen sollen beobachten, welche unterschiedlichen Arten des Lachens ihnen begegnen. Mit diesen Hausaufgaben versuchen wir, die Inhalte des Workshops in den Alltag zu transferieren.

Am Nachmittag hatten wir dann endlich unsere erste Show im Sozialzentrum Tiquipaya vom SOS-Dorf. Dort werden viele Kinder betreut und man versucht deren Eltern in allen Lebenslagen zu helfen. Als wir dort eintrafen, hörten wir die Kinder schon von weiten rufen: Hola Payasitos! Hallo Clowns! Die Kinder wurden in Gruppen nach und nach auf die Wiese gebracht und dort hin platziert, wo alle Bänke schön aufgereiht waren. 50-60 Kinder von 2 Jahre bis 9 Jahre waren von Anfang an mit dabei und fieberten mit den Clowns Churri, Papita und Cafesita. Es war eine riesen Freude für alle. Nach der Show wurden unsere Postkarten mit ganz viel Enthusiasmus aus den Händen gerissen. Glücklich und zufrieden sitzen wir jetzt in unserem Häuschen und bereiten uns auf den morgigen Tag vor.  Ein schöner Tag mit viel Freude und lachenden kleinen und großen Menschen.

Buenas Noches

Milly

Tag 2

08.08.2018

Wie wir schon geahnt hatten, war natürlich um 08:30 Uhr nur ein kleiner Teil der eingeschriebenen Kursteilnehmer*innen anwesend! Langsam aber trudelten immer mehr ein und so konnten wir mit einer kleinen Verspätung endlich loslegen. Trotzdem sind wir alle total überrascht und begeistert, wie sich die Planung und Organisation im Vergleich zu unserer letzten Clog-Reise in Bolivien 2016 positiv geändert hat! Es scheint viel klarer zu sein, was wir brauchen um sofort effektiv mit unserer Arbeit beginnen zu können. Einfach klasse!
Nachdem wir mit einem Kennenlern- und Aufwärmspiel begonnen haben, sprachen wir ganz offen über unsere Vorstellungen, Ziele und was wir mit ihnen vorhaben. Da wir uns dieses Mal dazu entschieden haben, als Multiplikatoren zu fungieren, um noch nachhaltiger arbeiten zu können, handelt es sich bei den Teilnehmer*innen ausschließlich um Mamas (so werden im SOS-Kinderdorf weltweit die Erzieherinnen genannt), werdende Mamas in ihrer Ausbildung und Pädagogen. Nachdem uns jeder von unseren „Schülern“ seine Wünsche, Hoffnungen und Erwartungen an unseren Workshop mitgeteilt hatte, erarbeiteten wir gemeinsam die Bedeutung des Themas Humor. Mit anschaulichen Beispielen zeigten wir die Fähigkeit des Clowns auf, auch alltägliche Probleme lösen zu können und schlugen damit die Brücke zu seiner Anwendung in der Pädagogik.

Nach vielen Übungen und ca. 3 Stunden später waren die Antworten in der Abschlussrunde auf die Frage wie es ihnen denn nun ergangen ist und wie sie sich jetzt fühlen: “entspannt, ausgeglichen und neugierig auf alles was noch kommt…“

Dass sich alle so auf uns und die Übungen eingelassen haben, motiviert mitgemacht, Spaß hatten, lachen konnten und sich getraut haben, auf neues Terrain zu begeben, macht uns sehr glücklich! Es zeigt uns wie wichtig es ist, hier zu sein und wieviel Vertrauen uns entgegen gebracht wird.
Mittag durften wir alle bei einer der SOS-Familien zu Gast sein und wurden herzlich von den Kindern empfangen. Natürlich wurden wir wieder mit Fragen durchlöchert… wie zum Beispiel „wachsen bei euch in Deutschland eigentlich auch Papayas?“ oder “wie sagt man – ich liebe dich- auf Deutsch?“ Und das Spielen kam natürlich auch nicht zu kurz!

Dann gab es eine erfreulich Nachricht für uns… nachmittags fuhren wir mit einer der Hauptverantwortlichen des SOS Dorfes, Jenny, an das andere Ende der Stadt um uns 2 weitere mögliche Spielorte anzuschauen. Die 1. Einrichtung heißt „Puntiti“ und ist eine Einrichtung für Kinder und Jugendliche mit Behinderung, die von Schwestern geleitet wird. Die Direktorin hat uns durch die Räumlichkeiten geführt und wir waren alle etwas geschockt und betroffen über die dortigen Zustände. Viel zu wenig Personal für viel zu viele Kinder, die dadurch nicht fachgerecht betreut und gepflegt werden können. An individuelle Förderung einzelner Kinder ist nicht zu denken. Es fehlte an allen Enden, was uns auch ein Raum zeigte, in dem sie selber aus alten Stoffresten, die sie geschenkt bekommen, Windeln und Lätzchen nähen müssen, um Geld zu sparen. Fachpersonal ist nicht zu finden und freiwillige Helfer halten häufig nicht lange durch. Nichtsdestotrotz waren wir sehr gerührt davon wie das liebevolle Personal wirklich alles versucht, das Beste für die Kinder zu geben. Nachdem wir eine wundervolle Zeit mit den Kindern hatten und sie kennenlerne durften, haben wir einen gemeinsamen Termin gefunden haben um sie nochmal zu besuchen und für sie und mit ihnen spielen zu können!

Die 2. Einrichtung ist ein von 2 norwegischen Brüdern gegründetes Waisenhaus nach dem Vorbild von SOS-Kinderdörfern. Dieses liegt in einer sozial schwachen Gegend geprägt von Gewalt und Drogenhandel. Auch dort freuen sich schon alle auf unsere Show und während des Gesprächs kam das große Interesse an unseren Workshops heraus, so dass wir nächste Woche hoffentlich 2 neue Teilnehmerinnen begrüßen dürfen!

Ein Tag der Überraschungen

07.08.2018

Unser erster Tag in Bolivien war ein Tag der Überraschungen. Es ging schon morgens im Flugzeug los: Nach den endlos vielen Stunden landeten wir in Bolivien, stiegen aus dem Flugzeug und wollten umsteigen in das nächste, das dritte Flugzeug von Santa Cruz nach Cochabamba. Man schickte uns zur Gepäckausgabe. Aha, also müssen wir unsere Koffer umladen. Komisch, dass es so kalt war, in Santa Cruz, sonst immer tropisch-feucht. Wir suchten nach dem Transitausgang. Wir fragten nach dem Flug nach Cocha. Dann sagten sie: Hier ist Cochabamba. Ihr seid in Cochabamba. Sie hatten den Flug wegen Nebel umgeleitet! Wie praktisch! Und die 1,5 Stunden Verspätung ab Madrid hatten wir auch aufgeholt, so dass wir lange vor der Ankunftszeit da waren. Kein Problem, dass Zoll ewig dauerte und es war auch Zeit für einen Kaffee am Flughafen. Ein Blick nach draußen: Verschneite Berge ringsum – Überraschung! Und nach den 40 Grad in Madrid gestern ein Kälteschock. Dann endlich stand Fernando da, der Gesandte vom SOS-Kinderdorf. Wir fuhren nach Tiquipaya, wurden in unser superschnuckeliges Gästehaus gebracht, voller Überraschungen: Sie hatten für uns eingekauft, alles hergerichtet, wow! Noch war Ruhe im Dorf, am Nachmittag kamen immer mehr Kinder, die uns mit großem Hallo begrüßten. Oh, wie schön ist es, nach Hause zu kommen!

Nächste Überraschung war das große Willkommen im Saal mit allen Familien aus dem Dorf. Die Mamas und ein paar Mädchen hatten eine kleine Show vorbereitet, mit Clownsnasen, Tanz, Tücherjonglage und herzlichen Willkommensworten. Wir teilten von den Mamas gebackene Empanadas und versprachen Übungs- und Spieleinheiten für die Kinder. Sie erinnerten sich noch an Details unserer Show vor zwei Jahren und fragten, wann wir für sie spielen.

Am Vormittag schon hatten wir die Planung der nächsten Tage geklärt. Morgen geht es gleich mit zwei Workshopgruppen los und übermorgen kommt die erste Show. Der Plan ist dicht, an den meisten Tagen haben wir sowohl Workshops als auch Shows.

Gepostet am

06.08.2018