Heute ist Sonntag und der Stadtverkehr um halb neun flüssig. Heiko und Olli konnten es gar nicht erwarten und waren schon eine Stunde früher abfahrbereit. Halb neun erst?? Na gut, dann eben noch ein kleines Nachfrühstücksschläfchen. Andreas und ich hatten mal Zeit, am Morgen auf dem Dach ins Wasser zu tauchen und mit Blick über PP unter freiem Himmel einen Tee zu trinken, sonntagsangemessen eben. Das belgisch-kambodschanische Hauscafé hatte heute noch geschlossen und da habe ich mir mal kambodschanischen Kaffee aufgebrüht — brrr – das ist eher so Kaffeeschrot und im Geschmack Getreidekaffee ähnlich. Unbefriedigend, muss man wahrscheinlich auch kochen.
Es geht mit Tuck Tuck zu einer Schule, die gehörlose Menschen unterrichtet. Deep Development Program. Freundlich lächelnd mit vielen Verbeugungen werden wir empfangen. In unserem großen Umkleideraum wird wieder mit den Mitarbeiterinnen gescherzt und nebenbei kümmern wir uns um die Übersetzung unserer Gemüsenamen in kambodschanische Gebärdensprache. Sehr lustig. Was heißt „Ich heiße“? Aha – rechte Hand auf’s Herz, mit dem Handrücken in die offene linke Hand geschlagen, die vor der Brust wartet, so dass beide Handflächen nach oben zeigen. Ich heiße heute nur Chili – eigentlich auch voll angemessen, so wie ich meinen beiden Männern einheize. Vielleicht bleib ich dabei? Mr. Karot – es wird angedeutet, dass man in die Stange reinbeißt und dann noch das Möhrengrün am Kopf als Puschel mit den gespreizten Fingern gezeigt. Ähnlich Mr. Tomate -hineinbeißen und das Rund an die Wange verschieben.
Wir freuen uns sehr über die neuen Elemente unserer Show.
Das Publikum scheint nur aus Erwachsenen zu bestehen. Keine Kinder? Na dann ran an die neuen Erfahrungen. Welche Version der Show spielen wir überhaupt? Merken wir schon. Aha. Die Moskitonummer geht ja wohl nicht, bssss – summen, hm – kennen die Kambodschaner Fliegenklatschen? Noch nie in Asien gesehen.
Auf und los – mit Musik rein in den bestuhlten Raum, aber die hören ja nichts, das Cajón jawohl schon, wir brauchen die Musik jedoch zum Bewegen. Unglaublich – wir tanzen rein, die Leute schunkeln mit und fangen sofort an zu klatschen. Chili braucht heute keine Klatschanimatörin zu sein 😉 Ich will jetzt das Ö (bei FrsÖr gibt es das schließlich auch.)
Wir spielen die kürzere Show, ganz konzentriert, denn unser PUBLIKUM ist es auch. Manche können laut lachen, andere drehen die aufgerichteten Hände – lautlos lachen – ich kenne das Zeichen als lautlose Zustimmung.
Nachmittags mit dem hauseigenen TuckTuck-Fahrer raus aus der Stadt, wahrscheinlich in Richtung Süden… auf einmal keine Häuser mehr, Grünflächen und wieder jede Menge Müll. Da zieht das Tempo schön an, nichts für schwache Nerven, wenn man sieht, was auf den Mopeds alles transportiert wird, heute ist Sonntag und deshalb meistens Familie zwei drei vier Personen, Kinder, Babys, einmal sogar fünf. Sonntag heißt aber nur für die Schüler frei und die Angestellten vielleicht, ansonsten hat alles geöffnet, auch Baustellen und Kfz-Werkstätten. Die Familie wohnt ja eh im selben Haus. Dann wieder Häuser und endlich die Brücke, nach der es nicht mehr weit sein soll. Kurz vor dem Ziel werden wir dann doch noch begleitet und aus den engen Straßen mit Häusern, die Armut vermuten lassen, dem Müll, den Hühnern…pellt sich plötzlich eine kleine Oase – grün, gepflegt, sauber.
Krousar Thmey – eine einheimische Organisation für die Unterstützung von benachteiligten Kindern und Jugendlichen betreibt hier ein Kinderheim mit ca. 35 Kindern und Jugendlichen. Dem Logo zur Folge könnte es übersetzt „Schmetterling“ heißen. Ja – fliegen lernen und aus Raupen durch Verwandlung Schmetterlinge werden lassen – ein poetisches und kraftvolles Bild. Die Kinder und Jugendlichen empfangen uns freudig.
Ja, da nehmen wir die Fliegenklatsche doch wieder rein, da gibt es ein wenig Schlägerei mit Luftkeule und Klatsche auf der Bühne.
Bei Kindern, die mit Gewalt aufgewachsen sind, fühle ich mich nicht so wohl mit diesen Nummern, auch wenn wir uns immer lieben und versöhnen. In den Gesichtern sehe ich eher Verwunderung als Amüsement. Immer wieder Thema für mich.
Natürlich hatten die Kids auch viel Freude und habe sich ebenso gefürchtet vor platzenden Luftballons wie übrigens unser gehörloses Publikum auch. Mehrere Runden mit Abschlussmusik durch und um das Publikum und Abschlussfoto.
Schluss jetzt. Liebe Grüße Carola

Schluss jetzt. Liebe Grüße Carola