Wie unterschiedlich Kinder aufwachsen können und doch so nah bei einander leben!

In den letzten beiden Tagen spielten wir in einfach eingerichteten Schulräumen, sahen Klassenräume auf Sandboden und mit Wellblech gedeckt. Heute nun die „CIA First“ und die „Northbridge International School of Cambodia“- zwei Schulen, in denen Kinder aus der Mittelklasse unterrichtet werden. Und die sind bestens ausgestattet! In der CIA First lernen ca. 2400 Kinder vom Kindergarten bis zum Abitur. Es gibt hier schattige (weil überdachte) Sportplätze, schattige (weil überdachte) Wege, gepflegte Rasenflächen, eine großzügige Mensa und saubere Toiletten. Der Unterricht entspricht westlichem Standard. Alle Kinder lernen und sprechen englisch. Ich fühlte mich an die Schulen in der Schweiz erinnert.

Aber um in diese Oasen in der Stadt zu gelangen, mussten wir uns wieder mal in das Phnom Penher Verkehrsabenteuer stürzen. Der bestellte Tuk Tuk-driver hatte uns heute morgen versetzt – schnell war ein neuer gefunden. Der staunte nicht schlecht über unsere Bagage. Viel mehr hätte nun wirklich nicht reingepasst. Wobei – wir haben schon so manch exotisch beladene (und überladene) Fahrzeug beobachtet. Und wirklich mussten Heiko und ich an einer Straßensteigung aussteigen und schieben helfen.

Die Straßen morgens um sieben: voller Mopeds, Autos, Tuk Tuks, Lkw. Ok. Das ist nicht ungewöhnlich für eine Großstadt. Aber die Art und Weise, wie man hier von einer Nebenstraße auf die Hauptstraße einbiegt, ist tatsächlich Oskar-verdächtig. Es scheint das Recht der Mutigen zu gelten, die sich wie von Zauberhand geleitet zu einem Pulk von Gleichgesinnten zusammenschließen. Nennen wir sie das „Nebenstraßenteam“ (NST). Das schiebt sich vorsichtig Zentimeter um Zentimeter voran. Bald kommt der entscheidende Moment. Den darf niemand verpassen. Wenn nämlich der erste Fahrer des „Hauptstraßenteams“ schwach wird und bremst, beeindruckt vor Übermacht der Gegenspieler, startet das NST zum befreienden Sturm auf die angestrebte Fahrbahn. Und dieses Schauspiel wiederholt sich an so ziemlich jeder Kreuzung oder Einmündung!

Spätestens in diesem Abgas-Getümmel mussten wir uns die Nase zuhalten. Noch schlimmer wurde es dann beim Vorbeifahren an dem stinkenden, mit Müll verseuchten Fluss!

Auch heute wartete wieder einmal die Herausforderung auf uns, die Show zu kürzen. Schließlich sollten wir in relativ engem Zeitrahmen gleich dreimal spielen. Die Kinder waren zudem noch ziemlich jung. Wir haben zwar, wie besprochen, jeweils zwei bis drei Nummern weggelassen – gebracht hat das aber höchstens 10 Minuten. Die Bühne wird scheinbar immer mehr unser zu Hause, von dem wir uns einfach nicht trennen wollen!

In der Mittagspause hatten wir ein interessantes Gespräch mit André, dem Schuldirektor von CIA First. Wir haben in einem Gespräch mit ihm erfahren, dass der Aufbau des staatlichen Schulsystem nach der kompletten Zerstörung durch die Rote Khmer in den 70ern über viele Jahre vernachlässigt wurde, was dazu führte, dass auch heute noch die staatlichen Schulen nicht in der Lage sind Kinder zu freidenkenden und kritischen Staatsbürgern zu erziehen. Inwiefern das der Regierung des Landes zum Vorteil reicht, zum Beispiel um die Privilegien für Wenige zu erhalten, mag dahingestellt bleiben

So, jetzt beginnen mich die Moskitos hier oben auf dem Dach an meinem Blog-Schreibe-Platz zu piesacken! Ist ja auch schon fast zwölf. Ab ins Bett! Morgen geht’s wieder früh raus und auf/in unser neues Bühnen-Zuhause.

Gute Nacht! Dieses Mal von Andreas