Wir haben jetzt stramm eine Woche ein, zwei oder drei Shows am Tag gespielt, wobei dazu pro Show noch zwischen ein und drei Stunden Hin- und Rückfahrt kamen, das Ganze bei äußeren Bedingungen, die einer Dampfsauna zur Ehre gereichen würden, was alles in allem zur Folge hatte, dass wir abends todmüde sind. Heute ist alles ein bisschen entspannter.
Nur eine Show und die abends um 19 Uhr bei Lichterketten, weil es hier um 18:30 bereits stockduster ist… Abfahrt halb sechs – das bedeutet: AUSSCHLAFEN!
Nach ausgedehntem Frühstück kurze Beratschlagung für einen Ausflug zu einem kleinen Tempelberg – na ja, Hügel – mitten in der Stadt. Rund um den, sowie auf dem Hügel herrscht reges Treiben und – wie fast überall hier in der Stadt – Müllnotstand! Anscheinend fehlt es hier an jeglichem Bewusstsein und auch Bedürfnis für eine halbwegs saubere Umwelt. Ist etwas ausgebraucht, wird es, wo man gerade geht und steht, fallen gelassen. Auch in eben jener Parkanlage, in der wir nun stehen, Plastikmüll überall… Wir beschließen uns zu trennen und machen einen Treffpunkt aus. Ich hänge mich gerne mal wieder an Heiko. Er hat so ein ausgewogenes Verhältnis zwischen wildem Aktionismus und „sitting around and look stupid“ 😉 … Da die Mittagshitze heute einen schweren Angriff auf mein Wohlbefinden zu planen scheint, gehen wir geradewegs in den Tempel. Gleich neben dem Eingang an der Rückwand des Innenraums finden wir, wie bestellt, unseren besten Freund (neben dem Taxifahrer des Vertrauens) – Hatari! So heißen hier die meisten Ventilatoren. Die zwei freien Plätze sind also für die nächsten anderthalb Stunden belegt. Zeit zum Beobachten des Tempeltreibens. Insbesondere das touristische Treiben ruft bei uns ein ums andere Mal Kopfschütteln und leicht sarkastische Kommentare hervor. Die Zeit reicht auch für van Beethovens dritte Sinfonie sowie dem kompletten „Band of brothers“-Soundtrack. Gerade letzterer ist super geeignet, nebenbei ein bisschen in sich zu gehen, das Erlebte zu reflektieren: über sich und seine Rolle im Team, über die Aufgabe hier und deren Auswirkung und Nachhaltigkeit und natürlich immer wieder die vielen Begegnungen mit armen aber freundlichen Menschen und Kindern, engagierten Mitarbeitern der vielen NGOs vor Ort und auch ganz normalen Kambodschanern – Taxi und Tuk Tuk Fahrern z.B.
In den Reaktionen von zu Hause lesen wir manchmal, wir könnten stolz auf uns sein und das, was wir hier tun… Stolz??? Ja und nein – wir machen das, was wir gut können und das hilft Menschen – das halten wir alle für völlig normal und selbstverständlich – wir haben ja absolut auch Spaß an dem Ganzen. Worauf ich und ich glaube auch wir ein kleines bisschen stolz sein können (wenn man das überhaupt so sagen kann) sind die schon mehrfach geäußerten Kommentare unserer Gastgeber. Viele haben „ihre“ Kids noch nie so ausgelassen, fröhlich und offen erlebt…
Und DAS fühlt sich gut an und erfüllt mich zumindest mit großer Zufriedenheit…
Teil 2 – abends 21:15
Mittlerweile sind wir von der Abendshow zurück im Hotel. Carola und Andreas schlagen sich wie immer mit Orga-Fragen herum, Heiko beantwortet Mails und ich sortiere die Bilderflut…
meistens sind es zwischen 400 und 600. Aussortieren der miesen und der guten Fotos kostet Zeit und Konzentration. Heute waren es nur 230 aber auch heute brauchen wir eine Auswahl von 20-30 Bildern, aus denen wir wiederum die 10-15 aussuchen, die zum Blog passen. Wenn mir dabei nicht gerade einmal wieder die Augen zufallen, eine gute Gelegenheit, den Tag noch einmal Revue passieren zu lassen. Heute abend waren die „Kids“ schon etwas größer und die „Crowd“ kleiner als sonst. Deshalb beschlossen die Clowns spontan, direkt nach der Show noch einen kleinen Jonglier- und Zauberworkshop zu geben. Es entwickelte sich sofort ein reges Treiben. Einige Jungs und Mädels haben heute mal eben mit 3 Bällen oder Tellern jonglieren gelernt! Dazu noch ein paar Zauberkunststücke mit ganz einfachen Gummibändern und !!! Die, die es gerade eben konnten, haben es sofort an den Kumpel weitergegeben… Auch das ist Nachhaltigkeit. Wieder mal ein toller Tag mit schönen Erlebnissen – für uns, die Kids und die Betreuer. Die Verabschiedung und Präsentübergabe erfolgte dann allerdings bei Handylicht, weil seit Mittag der Strom im Viertel ausgefallen war und der Generator keinen Diesel mehr im Tank hatte – auch irgendwie skuril…
Gute Nacht nach Deutschland
Ollie