Nachdem wir von unseren gestrigen Auftritten sehr spät zurück in unsere Unterkunft kamen, geht es dafür heute Morgen besonders früh los.
Auf den Bildern ist Violetta heute in neuer Pracht zu sehen. Die Materialermüdung des Kostümes hat uns gestern Abend noch länger beschäftigt – aber nun erstrahlt sie in einem neuen lila Jumpsuit ohne Löcher. Wir wollen ja besonders schick sein für unsere Zuschauer!

Schon von Weitem sehen wir die Schlechtwetterfront, die die Karpaten umweht. Weit in die Täler hinein hat es über Nacht geschneit. Gut, dass unser Guide Adrian die Winterreifen noch nicht abmontiert hatte, denn wir wollen in einem entlegeneren Dorf namens Soars spielen. Hier warten 21 Zuschauer des Diakonia Daycare Centers auf uns. Ein von der Agape Kinderhilfsorganisation gefördertes Tageszentrum, das sich um Menschen mit Behinderung kümmert. In einem alten Landhaus engagiert sich ein Familienunterstützender Dienst um die Bewohner des Dorfes, aber auch um Familien der schlecht zugänglichen Bergdörfer der Region. Besucher ist beispielsweise ein junger Mann mit einer kognitiven Behinderung, der in einem abgelegenen Dorf zusammen mit seinem alkoholkranken Vater lebt. Bei der Betreuung stieß die Familie an ihre Grenzen. Nun erhält er Förderung und pflegerische Versorgung in der heilpädagogischen Einrichtung und kann so unterstützt in der Familie verbleiben.  
Wärme und Behaglichkeit strahlt das Haus aus und wir werden sehr herzlich empfangen. Unsere deutschsprachige Kontaktperson meldet sich krank, was uns wieder vor Augen führt, wie wunderbar es ist Adrian als Begleiter zu haben. Er übersetzte die Informationen der Einrichtungsleitung über die Zusammensetzung unseres heutigen Publikums. Diesen Angaben folgen wir und so wird die Show kurzerhand etwas angepasst. Ein paar Nummern werden gekürzt, laute Geräusche weichen leiseren Tönen, theatralische Elemente werden etwas entschärft und ein paar Momente zum Staunen hinzugefügt. Unsere Vorahnung bestätigt sich, dass die Zuschauer besonders bei der Liebesgeschichte mitfiebern und Verde mit seinen Zaubereien alle noch mehr in den Bann zieht als sonst schon. Seifenblasen die heute unsere Show abrunden, werden mit strahlenden Blicken belohnt.
Wunderschön zu sehen, wie hier seit 2015 ein Ort geschaffen wurde, der die Menschen so unterstützt, fördert und ihnen eine Perspektive bietet.
Mit diesen zauberschönen Momenten im Gepäck sind wir sehr gespannt, was uns in der 50 Kilometer entfernten Partnereinrichtung erwarten wird. Angekommen in Sercaia sind wir begeistert. Das Therapiezentrum bietet ebenfalls umfassende Förderung und zudem ein Zuhause für Weisen mit Behinderung. Überwiegend Jugendliche und junge Erwachsene mit verschiedensten Formen von Behinderung werden hier betreut.
Schell verwandeln wir zusammen mit den Mitarbeitenden einen großen, hellen Therapieraum in unsere Bühne. Gastfreundlich werden wir mit einem leckeren Mittagessen bewirtet. Hier besprechen wir noch letzte Details für den Auftritt. Umziehen, schminken, Nase auf und schon geht es los. 39 gespannte Zuschauer erwarteten uns. Die Herzlichkeit und Begeisterungsfähigkeit ist wirklich wunderbar. Es wird mitgeklatscht, mitgezaubert, mitgesungen, mitgefiebert und mitgetanzt. Welch wertvolles Mittel der Clown hier ist. Er spiegelt den Alltag der Betreuten wieder – auch beim Clown klappt nicht immer alles aufs erste Mal, manchmal geht etwas sogar richtig schief – aber zusammen mit dem hilfsbereiten Publikum können alle Fettnäpfchen interaktiv gelöst werden. Endlich wird Rosu mal richtig demonstriert – wie das mit dem Luftballonaufblasen geht und Albastru hat schnell verstanden wo Violetta sich schon wieder versteckt hat.
Bei einem Sprung ins Bällebad des Therapieraumes können wir uns wundervoll entspannen. „Kommt wieder!“ So übersetzte Adrian die Abschiedsworte der Einrichtungsleiterin.
Was für ein lebensfroher, lebensbejahender Tag den wir heute mit diesen Menschen teilen dürfen!
Auf dem Heimweg belohnt uns ein Regenbogen, der an die Seifenblasen erinnert – die heute so viele bezaubernde Begegnungen begleitet hatten.
Herzlichst, Mia