Heute starten wir zu unserer ersten Tour auf´s Land. Unser Ziel ist zwei Stunden nördlich von Sibiu (Hermannstadt) gelegen und wir sind alle gespannt noch mehr Eindrücke von Rumänien zu erhalten. Die Landschaft ist wunderschön! Wir fahren an sanften Hügeln, blühenden Bäume, imposanten Burgen, schönen Kirchen und vielen kleinen Dörfer mit bunten Häusern, welche sich wie an einer Perlenkette aneinander anschließen, vorbei… zumindest deren Mauern, mit den großen Toren davor. Auf dem Wegbegegnen uns einige Pferdefuhrwerke, die Unterschiede zur Stadt sind sofort erkennbar, es gibt viele leerstehende und reparaturbedürftige Häuser, die Armut ist spürbar.. Sobald wir die Bundesstraße verlassen, landen wir ziemlich schnell auf unbefestigten Straßen, das Ende der Ausbaustrecke.


Als erster Programmpunkt steht die Schule von Seleus auf dem Plan. Schon bei der Ankunft ist zu sehen, dass wir mehrheitlich für Romakinder spielen werden. Wir wurden sofort von den Kindern umarmt, herzlichst begrüßt und umlagert. Die komplette Schule –174 Zuschauer der 1. bis 8. Klasse schauten uns draußen, geduldig stehend, auf dem Sportplatz zu. Wir werden mit so großen Augen angesehen, staunend, fast ungläubig. Wir Clowns sind für die Mehrheit unbekannte Wesen und Abwechslung bzw. kulturelles Angebot in der Umgebung ist Mangelware. Doch das Eis bricht schnell und die Kinder begleiten uns voller Begeisterung durch das Programm. Nach unzähligen Fotos – die meisten Selfies machte die Direktorin mit uns – verabschieden wir uns, denn die nächste Show ruft. Entgegengebracht wurde uns ein großes Dankeschön und die Einladung jederzeit wieder zu kommen. 


So steigen wir wieder in unseren Bus und fahren zur nächste Schule nach Saros. Diese ist deutlich kleiner. Es ist die alte Schule der ehemals deutschen Sachsen des Ortes und sie ist noch nahezu im Originalzustand. Auch hier spielen wir draußen, dieses mal in einem sehr idyllischen Innenhof. Das Publikum besteht fast ausschließlich aus Romakindern. 


Die Situation ist dieselbe wie zuvor. Clowns sind unbekannt, unbekannt ist auch was sie machen… Die Stimmung ist schnell fantastisch und die Kinder, Eltern und Lehrer haben eine Menge Spaß mit uns und machen sofort mit – die Menschen öffnen sich uns schnell und empfangen uns voller Herzlichkeit. Es geht sehr nah, zu beobachten, wie dankbar die Kinder, Eltern und Lehrer sind. Auch hier werden wir eingeladen jederzeit wiederzukommen.



Equipment zusammengepackt, Auto beladen und schon geht’s weiter nach Roades zur Peter Maffay Stiftung. Peter Maffay hat dort vor 6 Jahren ein Pfarrhaus und ein Bauernhof erworben, die er restauriert und umgebaut hat. Sie hat zum Zweck, durch schulische, medizinische und infrastrukturtechnische Maßnahmen die Familien aus dem Dorf zu unterstützen. Die Show wird von den Kindern und Eltern sowie von Großeltern und Mitarbeiter der Tabaluga Stiftung besucht. Es ist eine Premiere: Wir dürfen als erste Ausländer in dem schönen und frisch renovierten Theatersaal auftreten. 

Es ist wieder eine sehr berührende Show, da auch hier unseren Zuschauern wieder nicht klar ist, was die komischen Clowns eigentlich wollen. Doch auch hier weicht der Skepsis schnell Enthusiasmus. Restlos alle lassen sich zum Schluss rote Nasen von uns malen. Die Leiterin der Einrichtung stellt klar, dass die Kinder von so einer Show ein Jahr lang zehren und dass das vermutlich lange ihr Highlight bleiben wird.

Abschließen möchte ich mit dem Kompliment von zwei älteren Romadamen: „So etwas Schönes haben wir noch nie gesehen. Endlich mal wieder Kind sein, fröhlich sein, lachen und die Sorgen vergessen“.

Herzlich, Uta