Endlich Wochenende und genug Zeit, um zwei Shows für Kinder in einem Waisenhaus sowie die Bewohner einer Romasiedlung in Sibiu/Hermannstadt zu spielen. Derzeit unsere liebste und schönste Freizeitbeschäftigung.

Die erste Show führte uns in eines der größten staatlichen Waisenhäuser in Sibiu/Hermannstadt – dem Centru Orlat, zu dem zufälligerweise auch Adrian, der Vermieter unseres Appartements, einen guten Kontakt hat. Er und seine Familie haben regelmäßig eines der Mädchen aus der Einrichtung bei sich zu Besuch – für gemeinsame Unternehmungen, Abwechslung und ein bisschen Familienleben. Adrian war somit ganz begeistert von unserem Vorhaben und hat sich zusammen mit seinem Vater und dem Mädchen unseren Auftritt vor Ort angeschaut. Das Centru Orlat beherbergt momentan 103 Kinder zwischen 3 und 18 Jahren. Bei einem offiziellen Platzangebot von 100 Kindern ist schnell klar, dass die Einrichtung aus allen Nähten platzt. Und die Zahl der Kinder ohne  Eltern oder aus Familien, die mit dem eigenen Nachwuchs überfordert sind, ist groß und unüberschaubar. Sieben Kinder und mehr sind keine Seltenheit – vor allem bei den Roma-Familien, denen oft das Wissen und das Geld für eine sinnvolle Familienplanung fehlen. Kurios, dass uns der Weg zum Centru Orlat durch eine Straße führte, an der auf nahezu jedem Strommast ein Storchennest zu sehen war. Sogar auf dem Dach des   Waisenhauses baute gerade ein Storchenpärchen ein Nest.Die beiden haben sicherlich mitbekommen, wie die Kinder zu uns gelaufen kamen, als wir auf den Hof fuhren. Die Vorfreude auf die Clowns war schon groß und somit wollten wir keine Zeit verlieren, den Speisesaal in ein Clowns-Theater zu verwandeln. Mit tatkräftiger Unterstützung der Kinder wurden die Stühle und Tische umgestellt, der Vorhang aufgehängt und unser roter Showkoffer in Position gebracht. Es war schon beeindruckend, wie hier 103 ganz individuelle Schicksale, die zu einem Leben ohne regelmäßiges Familienleben führten, beisammen saßen. Und wie Rosu, Violetta, Verde und Albastru es geschafft haben, mit Humor und Leichtigkeit eine ausgelassene Stimmung in den einfachst ausgestatteten Raum zu zaubern und gemeinsam fröhliche und herzliche Momente zu erleben.

Die Clowns wurden leidenschaftlich angefeuert, bejubelt und getröstet. Nach der Vorstellung ließen es sich die roten Nasen nicht nehmen, sich von den Kindern deren Spielplatz zeigen zu lassen. Verde stieg in eine rasante Karussellfahrt ein, Albastru versuchte sich auf einer Wippe ohne Sitze zu halten, Violetta verwandelte mit roter Farbe die Kinder in Clowns und Rosu sinnierte auf einer Schaukel mit ein paar Mädchen über die Liebe. Bei so vielen schönen Momenten fiel der Abschied schwer. Doch die Reise sollte bald weitergehen – aber nicht ohne die Hoffnung, die Kinder vielleicht nächstes Jahr wiederzusehen.
Den Auftritt am heutigen Nachmittag organisierte uns Jenny Rasche von der „Kinderhilfe für Siebenbürgen e.V.“ Sie hat vor etwa zehn Jahren nach einer für sie eindrücklichen Reise nach Rumänien beschlossen, nicht untätig zu bleiben und vor allem den Familien in der Romasiedlung von Sura Mare, einem Vorort von Sibiu/Hermannstadt, zu helfen. Wir wurden auf Jenny durch einen Fernsehbeitrag über ihre engagierte Arbeit aufmerksam, haben sie noch nach dem Beginn unserer Reise kontaktiert und innerhalb von einem Tag eine Auftrittsmöglichkeit von ihr zugesagt bekommen. Geplant war es, direkt in der Romasiedlung zu spielen, doch der anhaltende Regen ließ das nicht zu. Es wäre zu nass, kalt und matschig für alle Beteiligten geworden. Auf beeindruckende Art und Weise sowie einem unglaublich zielführenden Durchsetzungsvermögen gegenüber des Schulleiters und des Bürgermeisters der Stadt organisierte sie für die Kinder aus ihrem Kinderhaus, die Familien der Siedlung sowie unsere Show die örtliche Turnhalle. 
Jung und Alt haben sich auf den Weg gemacht und schnell die Turnhalle gefüllt. Über 100 Kinder, Jugendliche und Erwachsene verfolgten einen Auftritt, den wir mit viel Spielfreude, zahlreichen Publikumsinteraktionen und ausgelassenen Tänzen würzen konnten. Der große Freudentanz von Rosu und Albastru wurde spontan von einer Tänzerin aus dem Publikum bereichert, die zusammen mit Verde die Hüften schwang. Als sie allerdings auch Albastru zum Tanz aufforderte, musste Rosu stark sein – konnte aber schnell akzeptieren, dass Albastru ZWEI große Herzen zu verschenken hat.

Während die vielen fröhlichen Gesichter sich auf den Weg zurück in ihr Zuhause machten, erzählte uns Jenny noch etwas über ihre Arbeit und die Menschen, um die sie sich kümmert. Sie betont, wie wichtig die Ausdauer sozialer Projekte ist und wie sehr es sich lohnt für die positiven Veränderungen in der Gesellschaft zu kämpfen. Sie hat sehr viel erreicht in den letzten zehn Jahren – und viel gelernt. Heute zum Beispiel – so hat sie uns wissen lassen – hat sie gelernt, dass es oft gar nicht vieler Worte Bedarf, um die Menschen zu erreichen – manchmal reicht einfach eine rote Nase und eine große Portion Leichtigkeit.
Michi
Michi, Mia, Jenny Rasch, Uta, Zuschauerin, Peter