2018 Namibia


12.09.2018 - 29.09.2018

Sonja Zeyfang, Barbara Duss, Toni Toss, Fabia Mendoza (Fotografin)


Von Windhuk nach Omaruru: Xamma mabaha, ein Tag für 2700 Kinder

17.09.2018

Wir verabschiedeten uns in Windhuk mit zwei Shows in zwei Grundschulen wieder im Stadtteil Katatura. Nachdem wir den Wagen für die Fahrt am Nachmittag schon frühmorgens gepackt haben und um 830 an der ersten Schule ankamen, hieß es übers Telefon von Ingrid, die den Kontakt hergestellt hatte: oh ihr steht an der falschen Schule, Ihr beginnt in der Anderen, die Kinder warten schon.

Wir hatten es schon fast vermutet, da die Lehrer der Khomasdal Primary School sagten, ja hier seid ihr um zwölf Uhr oder?

Also auf zur anderen Schule, die als Zweite auf dem Plan stand. In der Aula waren schon mindestens 600 Kinder als wir ankamen und bis zur Aufführung in zehn Minuten, also so schnell wie möglich, sollten es 1300 plus 43 Lehrer werden.

Wir zogen uns hinter der Steinmauerhinterbühne um und hörten die Kinder ein Lied nach dem anderen singen. Bevor wir anfingen gab es noch eine Ansage und als wir dann endlich starteten war es mucks Mäuschen still, bis Ibi als Autofahrer mit dem Popupzelt als Steuer erschien und der ganze Saal explodierte vor Lachen. Das wird eine Show werden, dachten wir uns. Bis ins hinterste Eck bekamen die Kinder, dank der guten Akustik, alles mit. Es war wunderbar mit 1300 Kindern den Nam Ibi Ia Rap zusammen zu machen.

Glücklich fuhren wir zur nächsten Schule, nachdem Toni nach der Show noch Fingerspiele machte, und ich noch ein bisschen gegen die Wand lief. Ebenfalls sprachen mich fünf 12-Jährige an, denen die Show super gefallen hat. Sie wünschen sich, dass wir nächstes Jahr wiederkommen.

Die Lehrer waren sehr erstaunt, dass wir erst um 12 Uhr zu spielen hätten, da um 12 Uhr die Kinder nach hause gingen. Sie schlugen uns vor, dass wir in einer halben Stunde um 11 Uhr spielen sollten, Sie würden die zwei Parkplätze räumen, damit die Kinder im Schatten sitzen konnten. Ja und jetzt hätten wir das Zeichen für Silence- Ruhe brauchen können. So aufgeregt waren die Kinder, dass wir während der halben Show einen ziemlich lauten Lärmpegel zu händeln hatten. Trotzdem gingen die Kindern begeistert mit. Gisela Renate, die uns als Leiterin der ersten Primaryschulsektion ihr Büro zur Verfügung stellte, bestätigte uns das.

Wir waren froh, mit ihr nach der Show noch über die Schule, reden zu können, die 1987 gegründet wurde. Ihre Mutter hatte bereits mit der Schule und dem damals deutschen Schulleiter zusammengearbeitet und von daher rühren auch ihre zwei deutschen Vornamen.

Gisela erzählte uns, dass Ingrid  in der Schule eine Suppenküche initiierte, die von Deutschen, vom Staat mit Maismehl, und von Ehrenamtlichen aus der Elternschaft am Leben gehalten wird.  Rund 200 Schüler profitieren von der Suppenküche, die wieder einmal meist die einzige Mahlzeit im Tag liefert.

Dann tauschten wir noch einen Ersatzcampingstuhl, als Requisit gebraucht, um, kauften das Nötigste ein und endlich, ging es aus der Stadt heraus Richtung Omaruru.

Links und rechts der Straße gibt es geordnete Zäune, der ganzen Straße entlang, Namibia scheint das Land der Zäune über Kilometer zu sein, Kilometerweise „ Haag“ und keine Häuser, manchmal in der Ferne eine Lodge. Und warum, ……, warum gibt es in diesem Land hungernde Kinder, Kinder, die nicht zur Schule gehen, keine Ausbildung genießen, eine große Jugendarbeitslosigkeit?

Vielleicht wird uns Amelia eine Antwort aus ihrer Sicht geben, Amelia die uns in Omaruru an der Tankstelle abholt, und ein paar Lehrerinnen, bei denen wir spielen werden morgen und übermorgen, organisiert hat, uns einen Empfang zu geben.  Wir werden in die zwei Zimmer mit frischbezogenen Betten geführt, aufgefordert zuerst noch zu duschen und zu einem wunderbaren namibischen Essen, mit Kartoffelsalat, Hähnchen und Burenwurscht eingeladen. Am Tisch wurde herzlich gelacht und wir erzählten von unseren bisherigen Erfahrungen.

Ich profitiere davon, wieder einige Wörter in Klicksprache hier die Sprache der Damara zu lernen. Es gibt in Namibia noch die Nama die ebenfalls  Klicksprache haben und einige Völker in Südafrika. Die Damaras kennen 4 verschiedene Klicks. Drei klingen wie Schnalzer und einer wie ein Plopp N –klick wie ein Plopper im Mund, no wird mir beigebracht, für Lehrer sehr wichtig, was soviel heißt wie: Ruhe.

Und natürlich mein Standartsatz: Where is the Lion= xamma mabaha wobei  das x wie Ch in der Schweiz gesprochen wird.  Und morgen geht’s weiter mit drei Aufführungen, die wir laut Amelia, der Powerwoman, die alles organisiert hat, auch auf zwei zusammenschrumpfen lassen könnten. Doch  wir sind bereit dreimal am Tag zu sagen:

Xamma mabaha!!!!!! Barbara

 

Aunt Rosa

16.09.2018

Heute Mittag ging es los zu unserer Show im Dolam Children’s Home.
Wir wurden vorab darauf hingewiesen, dass das Township rund um das Sam Nujoma Stadion, wo wir abgeholt werden sollten, ein recht problematischer Bezirk ist.
So kreisten wir eine Weile schüchtern um das Stadion herum. Rosa, die uns abholen wollte, war nicht da und leider auch nicht erreichbar.
Nach einer Weile kam ein junger Mann zu uns an das Auto und fragte, ob wir auf der Suche nach ‘Mama Rosa’ seien?
Total freundlich rannte der junge Mann unserem Auto voraus und navigierte uns durch das Township bis zum Kinderheim.
‘Aunt Rosa‘ wie sie hier von vielen genannt wird, hat in den 90er Jahren begonnen Waisenkinder und Kinder, die in ihrer Familie nicht bleiben konnten oder Gewalt erfahren hatten bei sich auf zu nehmen. Zunächst bei sich zu Hause, bis durch verschiedene Hilfe und genug finanzielle Förderungen auch durch ausländische Organisationen ein Kinderheim gebaut werden konnte, das von ihr und ihren 15 Kindern im März 2018 bezogen wurde.
Rosa Namises hat mittlerweile auch schon eine gewisse Bekanntheit in den Townships erlangt. Sie engagiert sich über die Arbeit mit ihren Kindern auch politisch,
um Lösungen im Konflikt der eigentlich ‘illegal‘ gebauten Townships auf dem Land der Regierung zu finden.
Wir werden von ihren zwei deutschen Praktikantinnen begrüßt und die Kinder werden losgeschickt ihre Freunde aus der Nachbarschaft zur Show einzuladen.
Eine Mitarbeiterin aus unserem Hostel überrascht uns. Wir hatten ihr nebenbei im Hostel von unserer Arbeit und der Show im Kinderheim erzählt und sie war so neugierig es selbst zu sehen.
Sie gibt mir eine kleine Einführung in die Stammesgeschichte:
Es gibt elf große Volksstämme in Namibia.  Sie selbst entstammt dem Stamm der Herero. Diese waren ursprünglich Hirten. Die Traditionen spielen hier in jedem Volksstamm eine sehr große Rolle, obwohl auch stammesübergreifende Ehen in den meisten Familien akzeptiert werden.
Auch an kleidungstechnischen Merkmalen sind die unterschiedlichen Stämme erkennbar.
Die meisten Kinder im Heim sind vom Stamm der Damara, wie auch Rosa, was man auch relativ schnell an ihrer Sprache erkennt, die eine Vielzahl  verschiedener ‘Klick-Laute‘ beinhaltet.
Die Kinder der verschieden Stämme in Namibia unterhalten sich untereinander auf Englisch, was mir das hohe Niveau der englischen Sprache bei den meisten Kindern erklärt.
Die Sonne brennt heiß und die Temperatur auf dem Sandplatz vor dem Kinderheim ist fast unerträglich.
Tapfer lassen sich unsere Clowns davon nicht einschüchtern und beginnen ihre Show vor etwa 60 Kindern, die teilweise auch von ihren Eltern begleitet aus den umliegenden Hütten dazu gekommen sind.
Es ist schön zu beobachten, dass sich die Kinder schnell auf unsere Show einlassen und von Anfang an mitsingen und klatschen.
Unsere 3 Clowns halten die Show in voller Länge in der prallen Sonne durch. Es sammeln sich auch einige neugierige Zuschauer aus der Nachbarschaft an den Zäunen, um das Spektakel mit zu verfolgen.
Am Schluss bekommt Rosa die rote Nase überreicht. Als sie sich lachend aufsetzt ruft sie in die Gruppe ihrer Kinder ‘Where is our Clown?‘, die Kinder zeigen sogleich alle auf einen kleinen, etwa 6 Jahre alten Jungen in der Menge. Ich frage das Mädchen neben mir, wer das sei. Sie antwortet: ‘Das ist unser kleiner Clown‘.
Eine weitere sehr schöne Erfahrung, die unsere Vorfreude auf die kommenden Shows in den nächsten Tagen schürt. Morgen geht es nach zwei weiteren Shows in den Townships Richtung Norden nach Omaruru.
Fabia

Erster Clowns Workshop in Windhuk

15.09.2018

Hier in Namibia sind an Wochenenden ab Samstag oft schon ab Mittag die Läden bis Montag morgen geschlossen: Supermärkte, Banken, Einkaufszentren, die es nur hier in Windhuk gibt, einfach alles.

Ich erinnere mich noch sehr gut daran, dass dies bei uns vor ca 30/40 Jahren auch so war. Die Innenstädte waren wie ausgestorben gewesen. Spätestens Samstags vormittags wurden die letzten Einkäufe fürs Wochenende getätigt. Es bedurfte damals immer einer guten Planung, um für den „Sonntagsbraten“ auch alles in der Küche zu haben.

Hier in Namibia ist dies oft immer noch so: alles hat geschlossen. Die Straßen sind dann wie ausgestorben. Viele Supermärkte haben vielleicht bis 19:00 Samstags geöffnet, die alkoholischen Getränke sind aber bereits ab 14:00 hinter Gittern verschlossen, auch in Supermärkten.

Alkoholkonsum ist eines der großen Probleme in Namibia. Deshalb versucht man zu vermeiden, dass man am Wochenende alkoholischen Getränke kaufen kann.

Sonntag Vormittags geht man hier in die Kirche. Die Messe dauert mindestens 3 Stunden. Man trifft sich, unterhält sich über „Gott und die Welt“, singt und tanzt zusammen. Es ist ein gesellschaftliches Ereignis. Diesem hätten wir gerne auch einmal beigewohnt. Wir wurden auch dazu eingeladen. Aber es scheiterte leider an unserer zur Verfügung stehenden Garderobe und die Geschäfte hatten auch schon alle geschlossen. Man holt den „Sonntagsstaat“ aus dem Schrank und kleidet sich fein. Leider haben wir nichts dergleichen im Koffer mit. Vielleicht hätten wir 3 Frauen noch etwas gefunden, aber dann wäre es am Schuhwerk gescheitert: Sandalen, Flip-Flops, Turnschuhe sind einfach nicht passend.

Dass bereits am Samstag Vormittags die Vorbereitungen fürs Wochenende beginnen, haben wir festgestellt als wir uns auf den Weg machten zum Independence Stadium. Jana hatte dort auf einem Playground einen Raum zur Verfügung gestellt bekommen, in dem wir einen Clowns-workshop geben sollten. Der Playground war wie ausgestorben. Die Wasserrutschen und Wasserfontänen plätscherten einsam vor sich hin, die Spielplatzgeräte standen einsam in der Gegend, der Kiosk war allerdings geöffnet …

Jana kommt aus Deutschland und hat dort als Klinik-Clownin gearbeitet. Seit 2 Jahren ist sie in Windhuk verheiratet und sie versucht hier eine Gruppe von Clowns aufzubauen. Ich traf sie erstmals im Februar und sie fragte mich, ob wir uns vorstellten könnten einen Clowns-workshop hier anzubieten während unseres Aufenthalts in Windhuk.

Sie würde Clowns Arbeit hier im Land gerne etablieren. Warum sollten wir dies nicht auch unterstützen? Barbara arbeitet seit vielen Jahren nicht nur als Clownin, sondern gibt auch oft Workshops. Sie hatte große Lust Basics der Clownsarbeit interessierten Menschen hier in Namibia nahe zu bringen.

Also rührte Jana die Werbetrommel. Sie wies allerdings darauf hin, dass es gut sein könnte, dass die Workshop-Teilnehmer vielleicht nicht unbedingt pünktlich eintreffen werden. Die Uhren ticken in Namibia einfach manchmal ein bisschen anders. So trafen wir zur verabredeten Zeit grade mal eine Workshop-teilnehmerin im Spielezelt vor, das uns zur Verfügung gestellt worden war. . …. Sie ist Lehrerin und kommt aus Südafrika. Nun, die Schule beginnt auch in Namibia pünktlich. Deshalb auch nicht verwunderlich, dass sie zur rechten Zeit erschien.

 

Nach und nach kamen dann noch 3 Teilnehmer und Barbara begann mit einem warm-up.

Letztlich hatten sich nach und nach noch 4 weitere Interessenten eingefunden.

Barbara begann mit ganz einfachen Grundelementen, wie z.B., dass wir alle, natürlich nahmen Toni und ich auch teil, erst einmal durch den Raum gehen sollten. Nach einer Weile, tippte sie einer Person auf die Schulter, klatschte dann in die Hände und alle sollten stehen bleiben bis auf die eine Person, auf deren Schulter sie getippt hatte. Diese sollte normal weitergehen. Wir anderen beobachteten diese Person und versuchten deren Gang zu imitieren.

Alle hatten den größten Spaß an den Anderen zu sehen, wie diese den eigenen Gang zu imitieren versuchten. Nach einer Weile begann Barbara Partnerübungen anzuleiten.

Wir waren erstaunt, mit wieviel Freude und Eifer sich alle an die Arbeit machten. Auffallend war für uns, dass alle anderen Teilnehmer ein wahnsinnig gutes Körpergefühl hatten. Wir lachten viel und ausgiebig.

Auch Matthew, der im Family of Hope Service Center in Katatura, das wir gestern besucht hatten, aufgewachsen war und nun dort selbst als Erzieher mit den Kindern arbeitet, war dabei und neugierig die Clownerie aus zu probieren.

Es war wunderschön beobachten zu können, dass seine ‘Ernsthaftigkeit‘, wie er selbst bemerkte, gleichwohl eine gewisse Komik hatte. Am Ende des Kurses überraschte er uns, gemeinsam mit seiner Spielpartnerin Simonne, der Lehrerin aus Südafrika, mit einer runden und urkomischen, 5 minütigen Clownshow.

Jana hatte für jeden Teilnehmer ein Clowns-Diplom mitgebracht, das am Ende an Alle verteilt wurde. Mit einem lachenden und weinenden Auge verabschiedeten wir uns dann nach mehreren Stunden Arbeit voneinander. Alle versprachen mit Jana weiter zu arbeiten und wir hoffen und würden uns wahnsinnig freuen, wenn es vielleicht bis spätestens in 1 Jahr eine Clownsgruppe in Windhuk geben würde.

Sonja

 

Turning the Silvertown into a Goldtown

14.09.2018

Bei unserem Frühstück um 7.30 stellten wir uns die ersten Fragen: Wie werden die Kinder auf unsere Show reagieren? Wie wird es sein im Township zu spielen und das gleich zweimal.

Wir fuhren in den Norden von Windhuk ins Township Katatura. Fast alle Häuser sind aus Wellblech, auch die Seitenwände, und ich stellte mir die unvorstellbare Hitze bei 45 grad Außentemperatur vor, die der Dezember, der Sommer in Namibia auch mal hergibt. Als wir an der Havana Soup Kitchen ankamen, warteten in zwei Reihen 40 Kinder diszipliniert auf uns.

Die Havana Soup Kitchen versorgt täglich circa 40 Kinder zwischen 1-6 Jahren mit warmen Mahlzeiten. Hunger ist in Namibia leider immer noch ein großes Thema.

Frieda sollte mit uns zur Havana Primary School, unseren ersten Spielort, fahren.

Sie ist die Initiatorin und gute Seele der Suppenküche, und ihre zwei Praktikantinnen aus Deutschland wurden uns vorgestellt und los sollte es gehen. Frieda meinte, die knapp 40 Kinder packe sie alle in ihren roten 4×4 Pick up.

Zu unserem Erstaunen passten da wirklich alle rein und die beiden Kids Rebecca, die sich an der Hand verletzt hatte und Nestory durften stolz mit uns fahren. Die Havana Soup Kitchen ist auch, neben anderen Projekten wie Erwachsenenbildung der Eltern, eine Pre Primary School und wir staunten nochmals über das brave Verhalten der 1 -6 Jährigen, als sie sich alle in das Auto quetschten.

Wir sollten dann zuerst an der Schule den Principal und Pre-Principal begrüßen. Es sollten 145 Kinder zu unserer Show kommen.

Die Gegensätze, die mir hier in Windhuk begegnen sind gigantisch.

Die Wellblech Stadt Katatura, der Bezirk Havana liegt circa 11 Kilometer vom modernen Stadtzentrum entfernt. Viele der dort ansässigen, ausschließlich schwarzen Bevölkerung läuft diese Strecke täglich, da die Kosten für Taxi oder Busse von ihrem Lohn nicht bezahlbar ist.

Trotz der Armut, fällt uns auf, dass die Bewohner versuchen, ihren Bezirk sauber zu halten und vergleichsweise wenig Müll auf den Straßen zu sehen ist. Trotzdem gibt es keine Kanalisation, keine Elektrizität oder keine festen Bauten.

Jetzt aber zur ersten Show: Nein bevor es losgehen konnte, durften wir die XWama Cultural Group der Schule bewundern, die uns mit einer Ondilimani Show mit Tanz und Musik in traditionellen Odedela Kostümen begrüßten.

Jetzt aber, 190 Kinder die mit der Zeit wegen der Nahen Mittagspause immer mehr wurden, so gegen 250, gingen zuerst schüchtern und dann immer begeisterter mit. Einschließlich die Schulleitung, die aus vollen Herzen mitsang, gingen alle in der Show auf, vor allem als Toni alias Clown IBI seine Slapstickseite zum Besten gab und wir uns wie doof zu zweit in das Tuch verwickelten, das einfach nicht zusammenfaltbar war, bis dann plötzlich eine Tuchantilope daraus entstand, unser erstes Tier der Show, das natürlich gleich von Sonja alias NAM fotografiert wurde. Alle sprangen am Schluss aufgeregt beim Auszug hinter den Seifenblasen her. Das war wie eine Befreiung, nachdem sie 40 Minuten wie gebannt zugeguckt hatten, unterbrochen nur von immer mehr Lachern. Die Schulleitung war so begeistert, dass sie Nam, Ibi und Ia herzlichst bedankte und wieder, nachdem sie sich eine Nase hatte aufsetzen lassen, zum nam Ibi Ia- Namibia Song anstimmte.

Wir fuhren wieder zur Soup Kitchen zurück, verabschiedeten uns herzlich von Frieda, die sich von Sonjas traditionellem Odedela Clowns Kleid  so willkommen geheißen gefühlt hatte, genau den Effekt, den wir uns erhofft hatten.. Ihre 40 Kinder wurden, nachdem sie noch ein Mittagessen wie jeden Tag bekommen hatten, mit uns „entlassen“.

Es blieben uns 45 Minuten Pause zu Hause in der Unterkunft, mein Birchermüsli wurde herzlichst begrüßt und nach kurzer Verschnaufpause ging es weiter in die Familiy of Hope Services Einrichtung, die uns die deutsche Clownin und Lehrerin Jana organisiert hat.  Wir fuhren wieder in das Township zurück und wurden von Matthew, dem Mitarbeiter der Einrichtung, sicher zur Einrichtung gelotst.  40 gespannte Kinder erwarteten uns dort. Foibe, die dort arbeitet, erklärte uns, dass die Kinder aus ganz verschiedenen Gründen im Zentrum sind. Ihre Einrichtung hat ein Programm für Kinder bis 14, die nie eine Schule besucht haben, eine Hilfsprogramm für HIV positive Kinder, ein Programm für traumatisierte, missbrauchte Kinder, und es bekommen 270 Kinder ein warmes Essen, welches oft die einzige Mahlzeit am Tag bleibt.

Rund 50.000 namibische Kinder haben, laut Unicef, einen oder beide Eltern durch Aids verloren. Bis heute ist Aids in Namibia die Todesursache Nummer eins. Die Infektionsrate liegt bei der namibischen Bevölkerung bei etwa 17 %.

Wir durften vor 40 Kindern spielen, die alle auf farbig angemalten und mit einem Brett versehenen Autoreifen unter einem Dach mit vielen kleinen Eisensäulen saßen.

Irgendwie waren wir im wahrsten Sinne des Wortes warmgelaufen und alles was am Morgen noch nicht so geklappt hatte, lief in der Nachmittagsshow einwandfrei. Die 3-14 jährigen Kinder quietschten vor Lachen.  Es war ein wunderbares Gefühl, dass unsere Show so gut funktioniert und seinen Zweck erfüllt.  Uns gelang es, das Gestänge in die Show zum Vergnügen der Kinder miteinzubauen und wir profitierten von der Erfahrung am Morgen, welche Szenen wir eher kurzhalten sollten und welche einfach funktionieren und wir gegebenenfalls noch einen draufsetzen konnten.

Das schönste Kompliment bekamen wir von Foibe. Ihre größtenteils stark traumatisierten und misshandelten Kinder seinen oft am streiten und haben nie gelernt ihre Emotionen ausdrücken. Foibe sagt, bei uns hat sie ihre Kinder so erlebt, wie sie sie haben möchte, glücklich, positiv und lachend.

Ein erfolgreicher erster Clowns ohne Grenzen Spieltag für mich. Und um es mit den Worten von Foibe zu sagen: Hunger is a problem, but it should not stop you from dreaming.

You turned the ‘Silvertown‘ (wie die Bewöhner ihre Wellblech-Stadt nennen) into a ‘Goldtown‘ today‘. Und das vermittelt sie als Devise auch den Kindern. Schööön, oder? Barbara­­

Ankunft in Windhoek

13.09.2018

Wir sind gut in Windhoek, Namibia gelandet. Die 5 Stunden Aufenthalt in Köln gingen recht zügig vorbei. Ein paar deutsche Mitwartende haben fröhlich am Flughafen getanzt und uns die Wartezeit etwas versüßt. Der 10 stündige Flug war vor allem für unseren großen Toni eine Herausforderung, so dass er sehr froh war, endlich in Namibia zu landen.

Am Flughafen in Namibia wurden wir freudig von Luan, dem Besitzer der Autovermietung empfangen. Luan stellt uns für die 14 Tage einen großen Toyota 4×4 off Road Geländewagen umsonst zur Verfügung (DANKE LUAN!!!).

Der Flughafen von Windhoek liegt eine gute halb stündige Fahrt von Windhoek entfernt, da sich die Hauptstadt in einer Gebirgspfanne befindet. Sonja, unsere erprobte Namibia Reisende ist zum Glück schon ganz routiniert beim Linksverkehr.

Die ordentlich geteerte B-Straße zieht sich hügelig an kilometerweiten, ordentlich konstruierten Zäunen vorbei.

Die Wüstenlandschaft ist ganz zauberhaft und ich bekomme automatisch ein Safari- Gefühl, so dass wir uns schon mal thematisch auf unsere Show einstimmen können: „3 Europäische Clowns, auf Safari in Namibia, suchen den Löwen.

Unsere namibische Freundin Quinn, die uns auch bei der Organisation unterstützt, schmunzelt bei meiner Bemerkung über die weitläufige Ordnung hier. Namibia sei ‘Africa light‘ lacht sie. Perfekt also zum Einstieg für die ersten Reisen nach Afrika, da das Land so unglaublich gut auf den Tourismus eingestellt ist.

Quinn erwähnt jedoch auch gleich, als wir mit ihr unseren Plan für die nächsten Tage durchsprechen, dass Katutura, das Namibische ‘Soweto’, wo hauptsächlich unsere Shows hier in der Hauptstadt stattfinden werden, schon sehr anders sein wird.

Windhoek-Katutura ist in den 1950 Jahren während der Rassentrennung und unter der Apartheid entstanden. Das Ziel der Stadtverwaltung von damals war aus Windhoek eine ‘weiße Stadt‘ zu machen, so dass die schwarze Bevölkerung zwangsumgesiedelt wurde.

Katutura bedeutet in der Sprache der Herero soviel wie ‘Der Ort an dem wir nicht leben möchten‘.

Ich bin schon sehr gespannt, Katutura kennen zu lernen, da sich der Bezirk von Windhoek, in dem wir untergebracht sind (im Chameleon Hostel, einer netten Backpacker Oase) so radikal von den Erzählungen unterscheidet. Die Häuser sind gepflegt, groß und erinnern oftmals an Holländische Reihenhäuser.

Wir hatten nur eine kurze Verschnaufpause, bis Isabel, eine Praktikantin aus Hannover, von ‘Hit Radio Namibia‘ uns für ein Interview besuchte.

Als Barbara ihr Akkordeon anstimmt, um für den Radiobeitrag zu musizieren, kommen gleich ein paar interessierte Mitarbeiter aus dem Hostel und scheinen ganz begeistert von unserem Projekt.

Nun fallen wir alle ganz müde in unsere Betten und freuen uns auf die ersten Begegnungen mit den Kindern morgen Vormittag.

 

 

Wir sind abflugbereit

12.09.2018

Die Vorbereitungen laufen auf Hochtouren

07.09.2018

Gestern haben wir final ermittelt, wieviel Konzentrat für Seifenblasen mit ins Gepäck müssen für unsere „Bubble“ – Maschine, die jeweils am Ende der Show zum Einsatz kommt. Es hat ein paar Tage gedauert bis klar wurde, dass eine Mischung von 1 : 3 den besten Effekt hat. Letztlich müssen 1,2 L an Konzentrat ausreichend sein für alle 30 Shows, die geplant sind.

Nächste Hürde ist unser Wurfzelt, das als Bühnenrequisit eine tragende Rolle als „Lion“ spielt. Das Teil passt in keinen Koffer, da es rund verpackt ist und einen Durchmesser von 78 cm hat. Es wiegt grad mal 1,6 Kg. Nach mehrmaligen Rückfragen müssten wir es als Extra-Gepäck aufgeben und dafür zusätzlich € 250.- bezahlen. Nun, Ideen sind jetzt gefragt… Das Zelt muss mit, das ist klar. Bei dem Try-Out hat sich gezeigt, dass es ein Highlight für die Kinder ist. Ich bin sicher, dass wir eine Lösung finden werden.

Unsere erste Show wird am Freitag vormittag, den 14. September bei der „Havana Soup Kitchen“ sein:

Ich hoffe, ich habe Euch neugierig gemacht. Wir würden uns freuen, wenn Ihr uns hier auf diesem BLOG „begleitet“. Sonja

Meine erste Reise für CLOG - Impressionen der Vorbereitung

05.09.2018

Einige betrachten mich schon als alten „Hasen“, da ich seit zwei Jahren erfolgreich Projekte mit Clowns ohne Grenzen Deutschland e.V., gefördert vom Berliner Projektfonds Kultureller Bildung,  in Flüchtlingsheimen anleite; in Zusammenarbeit mit 10 weiteren Clowns, Pädagogen und Künstlern aus Berlin.

Aber nein, es ist meine erste Reise und ich wurde gefragt mitzureisen und mit zu proben. Jetzt fiebere ich dem Abflug entgegen, helfe, die richtige Seifenblasenmischung fürs Schlussbild zu finden, kaufe noch Ersatz-Zehensocken und freue mich auf 30 Vorführungen mit unserem extra für Namibia konzipierten Stück „ SAFARI“. Die Ideen dazu enstanden bereits 2017 in den ersten Skype-konferenzen, in denen wir die Idee wälzten das Mietauto mit Dachzelt als Dekoration zu nutzen und den Zeltaufbau zum Thema des Stückes zu machen. Damals brachte ich schon meinen Satz ein: „Where is the Lion? „Ich stellte mir vor, das meine Figur immer auf der Suche nach dem Löwen ist (ich hatte das wunderschöne Lied von Myriam Makeba im Kopf: „In the Village, the little Village, the Lion sleeps tonight“ als Titelsong, wobei hier the Lion auch Symbol sein kann für einen Sanft entschlafenen Stammeshäuptling)

Leider wurden unsere Vorbereitungen unterbrochen von einem fast tödlichen Unfall unserer Reiseleitung zwei Monate vor der Reise. Wir beschlossen als Team die Reise zu verschieben bis Sie wieder soweit hergestellt ist, dass sie reisefähig ist.

Wie das Schicksal so will, brach sich ein halbes Jahr später meine Tochter einen Rückenwirbel an und wir begegneten Sonja immer wieder in der Physiotherapie. Der einzige Unterscheid: wir kamen für eine Stunde, Sonja war schon drei Stunden am eisernen trainieren.

Ihr Aufwand hat sich gelohnt und wir konnten am 27. August 2018 beim Try-out in der Unterkunft auf dem Tempelhof Feld, Berlin ein wunderschönes Stück mit dem Titel „Safari, Safari, Namibia – we are coming“ mit Wurfzelt präsentieren, also ohne Dachzelt, da zu kompliziert.

Erarbeitet haben wir es auf dem Flugplatz in Altes Lager 70 km südlich von Berlin. Trotz gespenstigen Waldbränden in der Nähe, die zum Glück in die andere Richtung zogen, nutzten wir die Klausur, ein neues Reiseteam zu bilden. Sonja und ich hatten bereits Erfahrungen in gemeinsamen Arbeiten, Toni und Sonja hatten Erfahrungen darin gemeinsam zu reisen.

Susie, unser Auge von aussen, wie immer unermüdlich, und ich hatten schon ein CLOG-stück für Berlin und eine freie Clowns-Produktion zusammen erarbeitet. Susie war mit Toni und Sonja schon auf Reisen und sie hat zusammen mit Sonja in jungen Jahren getanzt. Also was bitte sollte da noch schiefgehen?

Ich war so glücklich auf so erfahrene Leute zu treffen.

Meine Ängste als Bühnenclownin draussen auf der Strasse nicht bestehen zu können wurden von Toni und der Crew vom Wind verblasen und wir bändigten nach 3 intensiven Probentagen 60 aufgeregte Kinder und 40 Erwachsene im Hof der Gemeinschaftsunterkunft TAMAJA auf dem Tempelhof Feld. Eine deutsch und arabisch sprechende Erzieherin, die ebenfalls in Mahlsdorf Berlin arbeitet und uns nach der Vorstellung einlud auch diese Einrichtung zu besuchen, meinte begeistert, dass sie die Kinder so fasziniert und konzentriert noch nie erlebt hätte. Welch ein schöner Start.

Etwas, was mir im Vorfeld noch so durch den Kopf geht, ist die Begegnung mit der Schulleiterin aus Omaruru / Namibia in Berlin im letzten Jahr noch vor dem Unfall. Mir als erfahrene Westafrikareisende wurde erst während der Gespräche mit Amelia Goses klar, dass Namibia genauso unter Apartheid litt wie Südafrika, dass der schwarzen Bevölkerung jeweils untersagt wurden ihre Stammesspachen zu sprechen und alle Afrikaans lernen mussten. Die Bildungsangebote, die medizinische Versorgung und was die Apartheid sonst noch für Auswirkungen hatte, waren, bis 1989 die ersten freien Wahlen in Namiba stattfanden, sehr schlecht.

Wir werden Kinderheime besuchen mit 99% „schwarzen“ Kindern. Wie werden wir als „Weisse“ aufgenommen werden? Vor allen von den Schulleitern, Erziehern und Betreibern, die noch ihr junges Leben in Apartheid verbracht haben? Wird es uns gelingen, eine Brücke zu schlagen über das Lachen? Werden die Kinder sich trauen über uns „Weisse“ zu lachen? Ich bezweifle das nicht, aber irgendwer stellte mir letztlich die Frage. Werde ich es schaffen einen Satz in der Klicksprache für die Kinder zu sprechen und mich nicht „verklicken“?

Ich bin gespannt und freue mich auf die „ SAFARI“ – Reise ohne eine echte Safari zu machen. Ich glaube den Löwen werde ich dieses Mal nicht sehen, aber viel viel anderes, was schon die Bilder von Sonja versprachen aus der Vorbereitungsreise Anfang 2017. Ich hoffe, ich habe Euch neugierig gemacht. Bis bald.

Barbara

Namibia - we are coming

04.09.2018

Bald ist es soweit und zwei ClownInnen aus unserer Berliner Regiogruppe gehen im Auftrag von Clowns ohne Grenzen e.V. Deutschland auf Reisen.

Vom 12. – 30. September 2018 reisen Barbara Duss und Sonja Zeyfang mit Toni Toss aus München und der Berliner Künstlerin Fabia Mendoza als Fotografin und Bloggerin von Windhuk in den Norden Namibias.

Am WE 24. – 26.09.2018 haben wir uns mit der Clownin und Regisseurinn Susie Wimmer in Altes Lager getroffen und unsere Show zusammen gestellt. Es waren 3 intensive und produktive Tage, in denen wir unsere Show mit dem Titel „Safari, Safari“ erprobt haben .
Am Montag, den 27.09.2018, hatten wir in der TAMAJA Gemeinschaftsunterkunft Tempelhofer Feld, Berlin die Möglichkeit diese Show erstmals einem Publikum zu präsentieren.
Ca. 60 Kinder und 40 Erwachsene verfolgten unsere „Safari-Tour“ mit grossem Spaß. Voller Vorfreude erwarten wir nun die Reaktionen der Kinder und Erwachsenen in Namibia.

Wie werden über unsere Namibia-Tour hier auf der www.clownsohnegrenzen.org -Internetseite und auf dem Facebook-Account der Clowns ohne Grenzen möglichst tagesaktuell berichten und würden uns freuen wenn Ihr uns dabei virtuell begleitet.

Sonja

 

Gepostet am

05.09.2018