Die Reise soll im Kern ein Versuch sein, vergessene Konflikte (Abchasien und SĂŒdossetien in Georgien) und „ignorierte Krisen“ wie den Krieg zwischen Aserbaidschan und Armenien um Berg-Karabach zu adressieren.
Itinerary Date :18.04.2024Clowns ohne Grenzen in Armenien und Georgienâ Barev Yerevan!
09.04.2024
Wir sind angekommen und bereit fĂŒr die nĂ€chsten 14 Tage. Wir, das sind Georgia (Varung/Gurke), Alex (Tnoren/Chef), Andi (Sokh/Zwiebel) und Stefan (Khndzor/Apfel) und LinnĂ©a hinter der Kamera.
Ein vermisster Koffer sorgt gleich zu Beginn unserer Reise fĂŒr groĂe Aufregung. Georgia ohne KostĂŒm, wie soll das gehen? Alex kramt kurzerhand in seinem Koffer und wird fĂŒndig: Passt, sitzt und sieht gut aus! Die Hoffnung, dass der vermisste Koffer doch noch rechtzeitig auftaucht, ist natĂŒrlich trotzdem groĂ.
Der erste Tag wird neben der KostĂŒmsuche auch zum Proben genutzt und das Wohnzimmer wird kurzerhand zur ShowbĂŒhne umfunktioniert.
Die KostĂŒme liegen bereit, Instrumente sind gestimmt und die roten Clownsnasen warten auf ihren Einsatz. Wir freuen uns auf eine spannende Zeit mit bunten Begegnungen und strahlenden (Kinder)lachen.
Die verlorenen Orte des Lake Sevan đż
10.04.2024
Juhu, was ein GlĂŒck!! Der vermisste Koffer von Georgia kommt tatsĂ€chlich in letzter Minute an. Da heiĂt es nur noch schnell KostĂŒm raussuchen und schon sitzen wir im Auto auf dem Weg zu unserer ersten Show. Wir fahren nach Vardenis, das liegt im SĂŒd-Osten des Landes, nah an der Grenze zu Aserbaidschan. Der Weg fĂŒhrt gröĂtenteils entlang des zweitgröĂten Gebirgssees der Welt, dem Lake Sevan, der auf 1900 Meter liegt. Die Landschaft hier ist sehr karg und trist, die zahlreichen Bauruinen als Ăberbleibsel der Soviet-Ăra machen das Bild komplett.
Wir spielen bei der Astghavard NGO for disabled children. Dort werden wir mit offenen Armen empfangen und auf Kaffee und Tee eingeladen. Die VerstĂ€ndigung ist nicht ganz leicht da kaum englisch gesprochen wird aber mit HĂ€nden und FĂŒĂen und der ein oder anderen Ăbersetzungsapp gelingt auch das irgendwie. Die etwas angespannte Stimmung ist hier schon gut zu spĂŒren, ĂŒberall findet man Plakate, wie man sich verhĂ€lt, sollte man eine Landmine finden. An den WĂ€nden hĂ€ngen gemalte Kriegsbilder von den Kindern und auch auf den StraĂen sieht man vermehrt uniformierte Personen.
Die Leitung der Einrichtung, Melanya, erzĂ€hlt uns, dass die Kinder aus 26 umliegenden Dörfern zu ihnen kommen, mit einem LĂ€cheln im Gesicht fĂŒgt sie hinzu, dass sie sich als âdie GroĂmutterâ aller sieht đ In der Einrichtung haben die Kinder ein breites Angebot an Kreativ- aber auch Therapieangeboten wie z.B. nĂ€hen, malen, Teppiche weben oder auch kleine Puppen herstellen. Eine solche bekommen wir zum Abschied geschenkt â unser Tour-Maskottchen.
Die Show findet in einem der kleinen RĂ€ume statt, zum Beginn der AuffĂŒhrung werden hier auch noch letzte BĂŒroarbeiten durchgefĂŒhrt. Es sind gut 100 Kinder und Erwachsene da, die Stimmung ist gut und am Ende gibt es eine groĂe Fotoaktion, jeder möchte ein Foto mit uns und die Aufregung ist groĂ. Man merkt, ein solches Event ist hier wirklich was sehr Besonderes fĂŒr alle Beteiligten.
Die tanzenden Kinder von Berg-Karabach
11.04.2024
Heute geht es in den Norden des Landes, nach Spitak. Die Landschaft ist karg wie gestern, wenn auch nicht ganz so trist. Was besonders auffĂ€llt ist, dass es kaum WĂ€lder gibt. SpĂ€ter wird man uns erzĂ€hlen, dass nach der Auflösung der Sowjetunion die Menschen in den 1990er Jahren weder Strom noch Heizöl hatten und im Zuge dessen die meisten WĂ€lder ringsum abgeholzt wurden, um daraus Brennholz zu gewinnen. Nur langsam gibt es wieder Aufforstungsprogramme, die das Gleichgewicht zurĂŒckbringen sollen.
Wir spielen im YMCA Spitak. Dort werden wir von der Leitung Alvard und einer Mitarbeiterin, die ins Englische ĂŒbersetzt, begrĂŒĂt. Als wir unseren Kaffee trinken, werden wir vom Nachbartisch schon von 15 neugierigen Kinderaugen ganz genau beobachtet. Wir erfahren, dass nach dem Konflikt mit Aserbaidschan viele Familien aus Berg-Karabach nach Spitak gekommen sind. Die Aufteilung und Integration in der Gemeinde verlief sehr schnell und viele der Kinder werden hier im YMCA betreut, sei es im Kindergarten oder bei der Nachmittagsbetreuung im Anschluss an die Schule.
Schon wĂ€hrend wir uns fĂŒr die Show umziehen, geht immer wieder die TĂŒre auf und ein neugieriger Kinderkopf kommt zum Vorschein, die Vorfreude ist deutlich spĂŒrbar und steckt an. Bei der AuffĂŒhrung sind ca. 70 Kinder und Betreuer da. Darunter auch sehr viele sehr junge Kinder. Die Luft tanzt vor Aufregung und Neugierde und als die Clowns die BĂŒhne betreten gibt es fĂŒr einige kein Halten mehr. Da wird mitgetanzt, mitgefiebert, laut gelacht und gekreischt.
Kaum ist die Show zu Ende, wird kurzerhand eine Musikbox reingeschoben und aus der Anlage tönt ein uns sehr bekanntes âheid is so a scheena dogâ. In kĂŒrzester Zeit entwickelt sich eine ausgelassene Tanzparty, alle sind auf den Beinen und schwingen das Tanzbein. Als dann noch âYMCAâ ertönt hĂ€lt es auch die Leitung nicht mehr aus und tanzt fröhlich mit.
Beim anschlieĂenden AbschlussgesprĂ€ch bekommen wir von der Leitung eines der schönsten Feedbacks: âDanke fĂŒr eure so wertvolle Arbeit! Bei jeder anderen Show, die wir hier hatten, haben viele der Kinder zum Weinen angefangen, heute haben sie gelacht und getanzt!â
Andere TrĂ€nen âš
12.04.2024
FĂŒr den heutigen Spieltag bleiben wir in Yerevan. Die erste AuffĂŒhrung ist im House of Hope geplant, einem Haus fĂŒr alte und arme Menschen, das auch fĂŒr geflĂŒchtete Kinder und Familien geöffnet wurde. Im September wurde Berg-Karabach nach einer zehnmonatigen Blockade von Aserbaidschan angegriffen, nach tagelanger Tour waren auch hier im House of Hope viele Familien angekommen; manche Frauen haben im Haus eine Möglichkeit gefunden, gegen Entgelt mit zu arbeiten.
Wir werden von Lena begrĂŒĂt, sie ist die DeutschĂŒbersetzerin in der Einrichtung und begleitet uns durch den Vormittag. Der Leiter der Einrichtung, Movses, ist ein sehr herzlicher, offener Mensch, der viele Geschichten zu erzĂ€hlen weiĂ.
Bei der Vorstellung sind 111 Kinder und Erwachsene da. Lautes Lachen von Klein und GroĂ hallt durch die RĂ€ume und erfĂŒllt uns mit einem GefĂŒhl von Freude und auch Dankbarkeit. Im Anschluss werden wir zum Mittagessen eingeladen. Eine reichlich gedeckte Tafel mit allerlei armenischen Leckereien erwartet uns. Wir sind sprachlos, damit haben wir nicht gerechnet. Aber es zeigt uns auch noch mal deutlich, wie gastfreundlich und dankbar die Menschen hier sind und dass immer alles geteilt werden will. In einer der Ansprachen, die Movses hĂ€lt, bleibt uns ein Satz ganz besonders im GedĂ€chtnis: âEine Sache hat mich heute ganz besonders gefreut. Die Frauen, die heute zugeschaut haben, vergieĂen oft TrĂ€nen der Trauer um ihre verlorenen MĂ€nner, heute haben sie aus Freude ĂŒber ihre lachenden Kinder geweintâ.
Die zweite Show spielen wir im Kinderkrankenhaus in Yerevan. Auch hier werden wir mit offenen Armen von der Leitung der Krankenhausschule in Empfang genommen. Hasmik erzĂ€hlt uns etwas ĂŒber die Geschichte ihrer Einrichtung, welche Kinder hier behandelt werden und welche Angebote es gibt. Wir spielen in einem Hörsaal. Der Platz ist begrenzt, die Tische sind festverbaut. Wir werden kreativ und nutzen diese als BĂŒhne. Es sind 77 Kinder, Eltern und Ărzte aus verschiedenen Stationen da und das Lachen lĂ€sst den Hörsaal bunt erklingen.
Ein langer und sehr bewegender Tag geht zu Ende, und wir freuen uns auf den morgigen Tag, der schon unser letzter hier in Armenien sein wird.
Vibrierende VerhÀltnisse
13.04.2024
Auch unseren letzten Spieltag in Armenien haben wir in Yerevan. Ăber die Kollegen aus Spanien Payasos Sin Fronteras / Pallassos Sense Fronteres / Clowns Without Borders haben wir den Kontakt zu einem der Reception Center in Yerevan bekommen, das vom UNHCR Armenia betreut wird. Etwas auĂerhalb der Stadt in einer Hochhaussiedlung werden wir in Empfang genommen. Im Gang hĂ€ngt ein Aushang in 6 verschiedenen Sprachen der uns bereits ankĂŒndigt, auch die ersten Kinder treiben sich schon auf den GĂ€ngen herum und sind sichtlich aufgeregt und sehr neugierig, wer wir sind. In dieser Einrichtung leben GeflĂŒchtete aus verschiedenen LĂ€ndern, darunter Afghanistan, Syrien, Kuba und weiteren 20 Nationen, teilweise sind die Menschen erst vor kurzem in Armenien angekommen, manche jedoch haben bereits eine Aufenthalts-Duldung zugesprochen bekommen. FĂŒr die GeflĂŒchteten aus Berg-Karabach ist die Einrichtung nicht zustĂ€ndig, da diese einen armenischen Pass haben und direkt von staatlichen Stellen unterstĂŒtzt werden.
Wir spielen auf dem kleinen Vorplatz der Einrichtung; gegenĂŒber wird unter mehr oder weniger ohrenbetĂ€ubendem Dröhnen und Vibrieren eines der umstehenden HochhĂ€user neu erbaut, wahrlich eine besondere Herausforderung. Jedoch: vor der Einrichtung stehen ein paar alte BĂ€ume. Einer der GeflĂŒchteten, ein Ă€lterer Herr, der vor 30 Jahren aus Baku gekommen war, hat in diese Baumgesichter geritzt, diese geben dem sonst sehr trist wirkenden Ort etwas Freundliches, Belebtes.
Zur Show kommen ca. 70 Leute, Klein sowie GroĂ, ein paar schauen aus ihren Fenstern zu, andere bleiben beim Vorbeigehen stehen. Die Kinder sind sichtlich aufgeregt, einige können kaum an sich halten. Anfangs ist es noch etwas unruhig, man hat das GefĂŒhl, der eine oder andere weiĂ nicht wohin mit seiner Energie, manche sehen Clowns vielleicht zum ersten Mal. Am Ende sind aber alle in den Bann gezogen, fiebern mit und interagieren mit den Clowns.
Unser letzter Tag in Armenien geht langsam zu Ende, morgen frĂŒh geht es weiter nach Georgien. Eine Aufregende Woche liegt hinter uns mit vielen bunten, herzlichen und vor allem bewegenden Begegnungen und Momenten. Jetzt freuen wir uns auf die Zeit in Georgien und sind gespannt, was wir dort erleben.
Reise in die Vergangenheit đŁ
14.04.2024
Gamarjoba aus Tiflis! unser erster Tag in Georgien
Mit einem kleinen Bus absolvieren wir die kurvenreich-rasante Walter Röhrl GedĂ€chtnisfahrt von Yerevan nach Tbilissi. Schon bei der Pause sind wir alle etwas grĂŒn im Gesicht, als wir jedoch erfahren, dass unser Fahrer Jeside ist, wissen wir, wir sind in besten HĂ€nden und nichts kann uns passieren.
Wir hatten beschlossen, in Georgien Orte zu besuchen, an denen wir vor 14 Jahren schon gespielt hatten, um besser zu verstehen, wie sich geflĂŒchtete Menschen in ihr neues Leben finden – oder ob sie das ĂŒberhaupt wollen, geĂ€nderte UmstĂ€nde annehmen, neue Perspektiven entwickeln.
Die erste Ăberraschung kommt prompt, das damals eilig an einen kargen HĂŒgel neben der Autobahn gebaute Lager Tserovani ist zwischen den gewachsenen (und gerade blĂŒhenden) BĂ€umen auf den ersten Blick kaum in seinen Konturen zu erkennen, jedoch leben immer noch etwa 3000 Menschen hier die 2008 aus SĂŒdosetien geflohen waren. Die zweite Ăberraschung: nach der Show meint eine der fĂŒr den Kindergarten ZustĂ€ndigen, dass tatsĂ€chlich einige der MĂŒtter ĂŒber uns meinten: „Wir können uns an diese Menschen erinnern – schade dass es damals noch keine Handys gab, sonst könnten wir das zeigen.“
SpĂ€ter am Tag spielen wir fĂŒr die Biliki Society in Gori; eine Organisation, ursprĂŒnglich fĂŒr StraĂenkinder gegrĂŒndet, die mit verschiedensten Programmen und AktivitĂ€ten die im Ort lebenden Menschen unterstĂŒtzt. Unteranderem fĂ€llt darunter Kinderpflege und UnterstĂŒtzung von Waisenkindern sowie die StĂ€rkung der Gemeinde, allen voran denen, die unter der Armutsgrenze leben.
Festliche Stimmung kommt auf, obwohl das derzeit im Parlament behandelte „Agenten-Gesetz“ fĂŒr MissverstĂ€ndnisse sorgt – und auf der Tour noch sorgen wird. Wir finden uns schon am ersten Tag in einer sehr komplexen Gemengelage mit der Frage, wer uns einladen wird. Der Wiedersehensfreude und dem SpaĂ bei den beiden Shows mit insgesamt 300 Zuschauern tut das jedoch keinen Abbruch.
đŹđȘ 007 in der Pufferzone
15.04.2024
Das Agentengesetz sieht vor, dass alle NGOâs, die mehr als 20% ihrer Finanzierung aus dem Ausland bekommen, ihre Finanzquellen offenlegen mĂŒssen und potentiell als âAgent auslĂ€ndischer Interessenâ gekennzeichnet werden; dies soll laut Parlament fĂŒr mehr Transparenz sorgen. Pro-europĂ€ische und pro-russische Interessen sind verwoben; warum sollte der weltweite Kampf um Deutungshoheit und Narrative ausgerechnet vor Georgien Halt machen. Das bekommen prompt auch wir zu spĂŒren, in dem tatsĂ€chlich Einrichtungen unseren Besuch absagen. Immerhin – andere wiederum wollen unbedingt.
Heute finden wir uns in der Pufferzone wieder, Odzisi ist das letzte georgische Dorf, 2008 rollten auch hier die Panzer, heute stehen 1 km weiter die russischen und ossetischen Soldaten. Holz zum Heizen auf den HĂŒgeln sammeln ist keine gute Idee, bei Verhaftung drohen hohe Geldstrafen. Die Kinder leben in stĂ€ndiger Angst, da bei militĂ€rischen Ăbungen scharf geschossen wird. Akhalgori, das nĂ€chste Dorf, wo Verwandte leben, ist unerreichbar, die Grenzen sind dicht. Niemand will hier bleiben, im Dorf wurde letztes Jahr ein einziges Kind geboren, buchstĂ€blich alle Kinder, die noch hier leben, sind heute bei der Show. FĂŒr die Dorfbewohner ist es schlicht nicht zu glauben, dass wir heute wirklich hier sind. Schon sehr lange kommt niemand mehr hierher. Die Freude und Begeisterung ist riesig!
SpĂ€ter am Tag besuchen wir Preseti, ein Lager an einen Berghang gebaut. Wir zeigen der Erzieherin im Kindergarten Bilder, auch hier waren wir vor 14 Jahren schon. Sie ist ĂŒberrascht und erkennt alle – âder Mann auf diesem Bild ist leider schon gestorbenâ und âder hier hat gerade angefangen zu studieren, der ist schon fertig – und der hat gerade geheiratet..â Die Jungen meint sie, haben die Anbindung an die alten Dörfer verloren und diesen Ort als ihr zu Hause akzeptiert. Auch hier haben die Kinder einen RiesenspaĂ an den Clowns.
Zum Abschied dĂŒrfen wir beim Tanzunterricht der Jugendlichen zuschauen. In den energetischen und faszinierenden TĂ€nzen geht es immer um Krieg. Und.. wer weiĂ, ganz am Ende aller Kriege, vielleicht auch ein klein bisschen um die Liebe.
Ararat meets Kazbek - 5000er unter sich đïž
16.04.2024
Ein weiterer Tag in Georgien đŹđȘ…
Waren wir neulich noch am Ararat in Rufweite der tĂŒrkischen und iranischen Grenze, sind wir nun am FuĂe des Kazbek, einen Steinwurf von der Russischen entfernt. Alleine dieser Umstand lĂ€sst darauf schlieĂen, dass sich hier auf kleinem geographischem Gebiet immer schon groĂe politische und wirtschaftliche Interessen begegnet sind. Selten friedlich.
Auf der alten georgischen HeerstraĂe, deren Verlauf wohl schon seit zwei Jahrtausenden als Durchgangsroute dient, mĂŒssen wir teils im Schrittempo ĂŒber die bis zu 2400m hohen PĂ€sse fahren, um hierher zu kommen; Gewaltige Bergwelten geben Zeugnis, wer hier das Sagen hat, Wintersportorte fĂŒr die indischen GĂ€ste werden von durch LawinenabgĂ€ngen beschĂ€digten StraĂen durchquert, von einem bis zum anderen Horizont wartende Lastwagenkolonnen bilden die Verbindungsadern durch den Kaukasus.
Hier oben, zwischen den bis zu 5000m hohen Bergen, spielen wir heute erst unsere gröĂte und danach unsere kleinste Show. Die Kulisse ist surreal bis sensationell. in Stepanzminda kommen beide Schulen des Orts auf dem Sportplatz zusammmen und ĂŒber 300 Kinder und Erwachsene fiebern und lachen mit den Clowns mit und erbitten nach der Show mindestens 30000 Selfies. Hierher kommen zwar viele Touristen, kulturelle Veranstaltungen jedoch sind absolute Ausnahme. Nach der Show werden wir vom Bischof von Kazbegi zum Tee gebeten, er erzĂ€hlt uns von der GrĂŒndung einer der Schulen, die er vor vielen Jahren veranlasst hatte, und von den zahlreichen ĂŒberwundenen HĂŒrden und erzielten Erfolgen die es braucht, um den Menschen hier oben wichtige Hilfestellung bei verschiedensten Problemen zu geben.
SpĂ€ter dann, in Kanobi, haben wir fast so viele KĂŒhe als Zuschauer wie Kinder. Und MĂŒtter, die richtig Bock auf schrĂ€ge Clowns haben. 30 Familien leben hier, noch vor zehn Jahren war das Dorf fast verlassen – der Bischof und weitere Engagierte sorgten mit verschiedenen Initiativen und Erleichterungen (bspw. Gas fast zum Nulltarif) dafĂŒr, dass Menschen nach Kanobi und andere Dörfer zurĂŒckkehren. Und hier bleiben wollen, im Vertrauen auf eine schöne Zukunft.
Unser vorletzter Tag in Georgien đŹđȘ: Die singenden Herzen von Qedeli đ¶đ
17.04.2024
FĂŒr unseren vorletzten Spieltag geht es ganz in den Osten des Landes, nach Kachetien, nah an der Grenze zu Russland und Aserbaidschan.
Nach einer sehr lustigen und aufgeweckten Show im Stadtpark von Tsnori unterhalten wir uns noch lange mit Nana, der heimlichen BĂŒrgermeisterin von dem Ort, einer kleinen Stadt im Herzen Kachetiens. Nana fĂŒhlt sich ein bisschen so, sagt sie, und sie tritt auch so auf, weltgewandt, engagiert, herzlich und auch ein wenig störrisch, in dem Sinne, die lokalen Verwaltungsstrukturen „zu pieksen“, um Projekte in Bewegung zu bringen. Ein groĂes VergnĂŒgen, ihr zuzuhören, wenn sie begeistert erzĂ€hlt, wieviele Ideen sie mit ihrem Team vom âKnowledge CafĂ©â umsetzt – vielfach eher fĂŒr Ă€ltere Menschen und erwachsene BedĂŒrftige, aber immer wieder auch fĂŒr Kinder. Um Ideen ist sie dabei nicht verlegen; ihre Aktion „Spende einen Ziegelstein“ fĂŒr das neue Begegnungszentrum (in jeden Ziegel wurde der Name des Spendenden eingraviert) sorgte im ganzen Land fĂŒr Furore. Menschen wie Nana sind es, die vielen eine Hoffnung geben.
Am Nachmittag steht uns ein emotionaler Höhepunkt unserer Tour bevor; der Wieder-Besuch der Behinderten-Einrichtung von Qedeli. Auch hier waren wir vor 14 Jahren schon, auch hier leben einige Menschen, die wir noch von damals kennen, auch die Leiterin und ihr Mann. Auch sie sind aufgewĂŒhlt, weil niemand den Weg und das Ziel kennt, den das Land gehen wird, mit dem Agenten-Gesetz, und ĂŒberhaupt. FĂŒr die zwei Stunden unseres Besuchs verfliegt das, die Vorfreude und Stimmung sind enorm, die Bewohner voll auf Sendung, lachen und feiern und tanzen wild mit den Clowns, und geben als Dankeschön ihrerseits ein halbstĂŒndiges Konzert mit georgischen Liedern. Jedem europĂ€ischen Konzertsaal wĂŒrdig.
Immer wieder: Es braucht nicht viel, um groĂartige Ideen und Projekte in die Tat umzusetzen. Ein bisschen Mut, GlĂŒck und den Moment, in dem wir beginnen, es zu tun.
Unser letzter Tag in Georgien đŹđȘ: Tiflis, 5. Mai 2038 đïž
18.04.2024
Wir fragen Lela, wie Georgien in 14 Jahren sein wird. Sie antwortet: âdeutlich nĂ€her an Europa, einige Probleme werden wir nicht mehr haben… dafĂŒr vielleicht neue Herausforderungen.â Die Wette gilt – wir stellen uns amĂŒsiert vor, in weiteren 14 Jahren einmal mehr fĂŒr die uns liebgewonnenen Menschen zu spielen.
Vielleicht ist das auch gar nicht so absurd; die Zeit birgt oft genug das Relative und schenkt recht gern das Surreale. Unseren Abschied beginnen wir in einer Siedlung in Tiflis, in der vor gut 30 Jahren GeflĂŒchtete aus Abchasien unterkamen. Damals kam es zu schweren bewaffneten KĂ€mpfen zwischen Georgien und Abchasien, nachdem diese die UnabhĂ€ngigkeit erklĂ€rten. 250 000 Menschen mussten aus dem umkĂ€mpften Gebiet fliehen, viele davon nach Georgien.
Heute wirkt das so, als ob sich hier in den 30 Jahren nicht einmal ein Kieselstein bewegt hĂ€tte, geschweige denn Sanierungen oder Reparaturen auf der Tagesordnung stehen. Wenn GeflĂŒchtete so wie hier in HochhĂ€usern quasi schon in dritter Generation leben, scheint das so, als wĂ€ren sie komplett vergessen worden und mittlerweile mit ihrer Umgebung verschmolzen. Dies wohlgemerkt Ă€uĂerst vergnĂŒgt ĂŒber unser Erscheinen und die Freude der Kinder.
Als Dankeschön fĂŒr die viele Hilfe auf der Tour spielen wir unsere letzte Show in LelaÂŽs Einrichtung Association Life Chance; der Schwerpunkt der Organisation besteht in der Betreuung von jugendlichen Waisen, die nicht nur logistische Hilfe fĂŒr ihre Anliegen bekommen, sondern auch verschiedene Fortbildungsangebote wahrnehmen können. Wie schön, dass sie und die anderen Erwachsenen es sich nicht nehmen lassen, genauso SpaĂ an der Show zu haben wie die Kinder.
So gehen aufregende und intensive 14 Tage zu Ende und noch in der Nacht steigen wir in den Flieger heimwĂ€rts. Das Herz voll mit anrĂŒhrenden Begegnungen und Momenten und dem glĂŒcklichem (Kinder)Lachen im Ohr.






























































































