Unsere erste Reise nach Bulgarien: Bulgarien ist eines der Ă€rmsten LĂ€nder der EU, aber auch des gesamten Balkans. Arbeitslosigkeit und Armut haben ganze Landstriche entvölkert. Dabei sind Roma-Familien am meisten von der Armut betroffen. Durch die hohe Korruption, extreme Diskriminierung der Roma und das Fehlen einer Sozialpolitik wird Bulgarien als das âArmenhaus Europasâ bezeichnet. Viele von Armut betroffene MĂŒtter (oft Roma) verkaufen ihre Kinder ins Ausland oder geben sie in Kinderheimen oder Anstalten ab.
Itinerary Date :16.04.2024Bulgarien 2024 - nÀchste Woche geht es los!
07.04.2024
Als âWarm upâ hat das Team in einem MĂŒnchner Ankerzentrum gespielt. Die rund 80 kleinen und groĂen Zuschauer*innen waren voller Freude dabei! Gut vorbereitet kann es nun los gehen! đđ»
Das Team bestehend aus Gittl Ernst, Clara Sachs, Michael Dietrich, Benedikt Gradl und Mia Rohrbach startet am 10.04. nach Sofia. Auf dem Tourplan stehen viele Orte in denen Armut zum Alltag gehört.
âWir machen uns auf den Weg, um den Kindern, Jugendlichen und Erwachsenen nicht nur ein Lachen, sondern Aufmerksamkeit, WertschĂ€tzung und neben roten Nasen auch offene Ohren zu schenken. Wir wollen dazu beitragen, die Welt vor Ort ein bisschen bunter zu machen und auch nach unserem Besuch, die Erinnerungen der Menschen mit Freude zu fĂŒllen. Zudem wollen wir mit unserer Berichterstattung die Situation der oft vergessenen Nachbarn (Luftlinie etwa 1.300 km) ins Bewusstsein rufen.“
Wir wĂŒnschen euch eine gute Reise!
Begleitet unser Team hier auf Facebook, auf Instagram oder hier auf unserer Homepage!
Der frĂŒhe Clown reist nach Bulgarien
10.04.2024
FrĂŒh am Morgen klingelte heute der Wecker, denn bereits um 7 Uhr morgens trafen wir uns am Flughafen. Einchecken, Sicherheitskontrolle und ab ins Flugzeug. PĂŒnktlich landeten wir in Sofia und wurden mit strahlendem Sonnenschein und babyblauem Himmel begrĂŒĂt. So mögen wir das, denn das Wetter fĂŒr die Shows war neulich noch schlecht angesagt.
Der Anblick unseres Mietwagens gefiel uns allen sehr, doch schon die Fahrt aus der Tiefgarage war spannend. Die sichtbaren Rohre an der Decke, streiften unsere Autoantenne hörbar, aber auf unsere Nachfrage beim Vermieter, ob sich das denn höhentechnisch ausgehe, meinte dieser nur: âeverything is perfectly fineâ. So wars dann auch und unser erstes Reisemotto war geboren.
Da wir ein bisschen zu frĂŒh an unserer Unterkunft ankamen (die Zimmer waren noch nicht alle bezugsfertig) und unsere MĂ€gen eh schon in den Kniekehlen hingen, suchten wir uns erstmal eine Gelegenheit zum Mittagessen. Gleich um die Ecke wurde unser Hunger gestillt und so konnten wir satt, gut gelaunt und voller Elan im Anschluss die Online Schulung âChildprotectionâ von Concordia absolvieren. Morgen werden wir fĂŒr Concordia 3 Shows spielen.
Einen Kennenlern-Besuch bekamen wir heute von Sarkis, National Director Bulgaria von Mission ohne Grenzen (Spieltage Samstag, Sonntag und Montag). Da Sarkis selbst leider nicht bei den Auftritten dabei sein kann, wollte er uns doch kennenlernen, und wir konnten viele Dinge erfragen, klÀren und auch unsere Clownsnamen stehen.
Die Show sind wir natĂŒrlich auch nochmal durchgegangen, mit Pauken und Trompeten und zur Belustigung der um uns herum wohnenden Menschen. Von DĂ€chern und Balkonen wurde uns zugesehen und verbal applaudiert. Wir sind bereit fĂŒr morgen.
Jetzt gab es noch ein Abendessen, das jeden von uns mĂŒder werden lieĂ und so fallen wir nun alle todmĂŒde ins Bett und freuen uns auf den Start der Shows morgen.
Bulgarien, wir sind da!
Gittl Ernst
#clownsohnegrenzen #clownswithoutbordersgermany #clowns #bulgaria
Eine bunte Mischung an Menschen
11.04.2024
Fertig angezogen fahren wir unserem ersten Auftritt entgegen. Fakulteta: Wir wissen, dass wir uns in die gröĂte Roma Siedlung der Stadt begeben. Als wir in die Richtung fahren, Ă€ndert sich das Gesicht der Stadt. Wolkenkratzer aus Beton weichen selbstgebauten HĂ€usern aus Holz, Stein und allem, was sich findet, um es sich möglichst wohnlich, trocken und warm zu machen. Wie viele Menschen hier leben – am Rande der Millionenstadt – ist schwer zu schĂ€tzen, denn es gĂ€be diejenigen, die gezĂ€hlt werden und diejenigen, die auch hier wohnen. So berichtet man uns.
Wir wissen, dass heute 250 Zuschauende in einer Schule auf uns warten.
Vor der Schule treffen wir Donika, die uns heute durch den Tag begleiten wird.
Sie arbeitet bei Concordia, einer NGO – die sich seit vielen Jahren um Roma kĂŒmmert. Sie erzĂ€hlt uns, dass sie erst seit einem Monat hier in der Siedlung stationiert sind.
Die Kinder und Jugendlichen sind voll dabei und es ist wunderbar – wie die Vorstellung der Clowns uns den ersten (von vielen) Magic Moments beschert. Denn die Namen, die wir sorgsam fĂŒr unsere Clowns gewĂ€hlt haben, bringen die gewĂŒnschte Wirkung. 250 Menschen rufen uns unsere Namen entgegen! Ahhh endlich geht es los. Endlich sind wir da. Und wie wir uns ganz sicher sind: Am genau richtig Ort, bei den genau richtigen Kids und wir voll in unserem Element!
Die zweite Show spielen wir auf einem öffentlichen Platz im Viertel Orlandovtsi, gegenĂŒber eines Social Centers. Diese Kinder sind interaktiver. Sie freuen sich. Sind voll dabei. Die Kinder sitzen auch am GelĂ€nder der kleinen BĂŒhne. Mittendrin statt nur dabei ist das Motto und wir freuen uns ĂŒber viele staunende, lachende Kindergesichter. Wunderbar ist es zu sehen, wie auch die Erwachsenen sich in unsere Show hineinfallen lassen und herzhaft lachen.
Donika hat auch den GrĂŒnder des lokalen Circus Projektes Miniart eingeladen. Er ist zu unserer Show gekommen. Nachdem klar ist, dass es nur 5 Gehminuten entfernt ist – folgen wir gerne seiner Einladung fĂŒr eine kurze Pause. Der Austausch mit lokalen KĂŒnstlern und Clowns ist wunderbar und wir erfahren mehr ĂŒber die langsam wachsende Clowns Szene in der Stadt. Sehr gut! Wir könnten noch lange reden – aber die dritte Show ruft.
In Zaharna fabrika (das ehemalige GelĂ€nde einerâŠrichtig Zucker Fabrik). Hier treffen wir auf den BezirksbĂŒrgermeister, der erst kĂŒrzlich einen groĂen Spielplatz neben der CONCORDIA Stadtteileinrichtung eröffnet hat. Er berichtet, dass hier drei Viertel aneinandergrenzen und die Bewohner*innen kaum Kontakt miteinander hatten. Nun treffen sich alle am zentralen Platz in der Mitte. Ein Ort der Begegnung – der Grenzen aufweicht. Klar passen wir da perfekt. Und die Sozialarbeiter*innen freuen sich – denn durch unseren Einsatz können sie ihr Projekt bekannter machen. Wir spielen die Show vor 80 bunt gemischten Menschen, die gemeinsam mitfiebern und lachen.
Dovizhdane Mia
đ· Pictures by Clara Sachs
Bulgarien durch die Linse
12.04.2024
Wir lassen den GroĂstadtverkehr Sofias hinter uns und fahren frĂŒh am Morgen Richtung SĂŒden, nach Kyustendil. An uns zieht eine grĂŒne Landschaft vorbei, am Horizont schneebedeckte Berge und ĂŒberall blĂŒhen ObstbĂ€ume. Obwohl es erst FrĂŒhling ist, erwarten uns heute 28 Grad Celsius, was fĂŒr diese Jahreszeit in Bulgarien viel zu warm ist.
Nach 1,5 Stunden Fahrt sind wir an unserem Zielort angekommen, wo uns die Ansprechpartnerinnen Anny und Alex von der Cedar Foundation Bulgarien erwarten. Die Stiftung setzt sich fĂŒr Menschen mit Behinderung ein, stellt betreute WohnrĂ€ume zu VerfĂŒgung, fĂŒhrt ein Therapiezentrum und möchte vor allem eins: Sichtbarkeit fĂŒr Menschen mit Behinderung schaffen, so dass sie in Bulgarien immer mehr und mehr ein Teil der Gesellschaft werden.
Als Fotografin freue ich mich, dass wir heute auch das Publikum fotografieren dĂŒrfen. Durch Vorabsprachen haben wir gemerkt, dass es (nicht wie bisher fĂŒr mich sonst) sehr einfach ist, Foto- und Videogenehmigungen zu erhalten. Die Entwicklung, dass hier in Bulgarien sehr auf Persönlichkeitsrechte des Publikums geachtet wird, dass ein Bewusstsein dafĂŒr geschaffen wird, freut mich. Und zum Fotografieren und Dokumentieren gibt es dennoch genugâŠ
Die erste Show findet in einem betreuten Wohnhaus statt, in dem manche Bewohner*innen schon seit 2005 leben. Die Angestellten sind ihre Familie und diesen engen Bezug merkt man sofort. Aufgeschlossen und neugierig wartet das Publikum darauf, dass Pasta, Bob und Torta in den Garten eintreten und verfolgen die Show mit vielen herzlichen Lachern. Dabei zeigt ein junger Mann den Clowns wie man am besten durch den Spieltunnel kriecht und am Ende dĂŒrfen wild die Teller gedreht werden.
Nach einem gemeinsamen Mittagessen, dass einen intensiven Austausch mit den Kooperationspartnern bot, ging es in das stiftungseigene Therapiezentrum, wo im Schatten der Hausmauer schon das Publikum wartete â also nichts wie los und schon eröffneten die muszierenden Clowns die nĂ€chste Show! Nach ein paar Minuten ist die anfĂ€ngliche Ungewissheit seitens des Publikums verflogen und eine Frau beschloss auch direkt, mit auf âdie BĂŒhneâ zu gehen und Teil der Show zu werden. Pasta, Bob und Torta bekamen von ihr klare Ansagen und kamen nicht umhin, selbst mitzulachen. Zum Abschied wurden fleiĂig die HĂ€nde geschĂŒttelt und das Publikum wollte uns gar nicht mehr gehen lassen â und gerne wĂ€ren wir auch noch lĂ€nger geblieben, wenn wir nicht hĂ€tten weiterfahren mĂŒssen.
Vieles haben wir jetzt schon gesehen, erlebt und gelernt und ich freue mich auf die vielen weiteren Momente, die ich in den nÀchsten Tagen mit dem Fotoapparat einfangen darf.
Clara
đ·Pictures by Clara Sachs
Wuselig durch Stadt und Land
13.04.2024
Wo sich die Eidechsen auf dem Asphalt sonnen, Ziegen ĂŒber die StraĂe hopsen und Schafsherden mit ihren Hirten die StraĂe sĂ€umen ⊠fanden wir heute eine riesige und eine beschauliche BĂŒhne fĂŒr die drei Clowns und ihre SpĂ€Ăe. Bei der Suche, besser gesagt der sorgsamen Vorbereitung, waren uns die Sprachtherapeutin Irena und der Familienhelfer Emil behilflich, die uns ĂŒber die deutsche Hilfsorganisation Mission ohne Grenzen vermittelt wurden.
Angekommen in der kleinen Stadt Simitli fanden wir uns auf der Mega-Stadtplatz-BĂŒhne wieder, die wir in aller Bescheidenheit hinter uns lieĂen und uns lieber auf Augenhöhe mit den Kindern auf dem sonnenbeschienenen Vorplatz einrichteten. 210 Kinder, Jugendliche und Erwachsene eilten zu uns, bildeten vorerst einen straĂentheatertauglichen Halbkreis und staunten ĂŒber die bunten, musizierenden Menschen, die da um die Ecke bogen. Laut Irena kommt das hier wohl selten vor, dass Clowns die Stadt besuchen. Das interaktive Spiel von Pasta, Torta und Bob lud die jungen Menschen schnell dazu ein, die BĂŒhne mit uns zu teilen, sich gemeinsam mit uns auf die Jagd nach BĂ€llen, MĂŒcken und Seifenblasen zu machen. Es wurde freudig wuselig, bunt glitzernd, gerĂ€uschvoll fröhlich. Der Stadtplatz wurde zum Spielplatz.
Nach einer kurzen Pause bei Wasser und Kaffee in der kleinen Ortschaft Krupnik, unweit von Simitli, in der gerade kollektiv der Zaun einer örtlichen Kirche gestrichen wurde, fĂ€rbten wir unsere Nasen, Lippen und BĂ€ckchen rot, um uns anschlieĂend musikalisch zum Auftrittsort zu zupfen, zu flöten und zu tröten. Dort erwarteten uns auf schattigen PlĂ€tzchen rund um den kleinen Kirchplatz 120 Ortsbewohner*innen jeden Alters und verschiedener Ethnien. Wir standen mal wieder im Mittelpunkt, den wir wĂ€hrend der Show gerne mit den Zuschauer*innen teilen. Und wer lieber, so wie der krĂ€ftige BĂŒrgermeister, vom Rande aus beobachtet, wird von Bob als verzauberte Katze bespielt. Warm ist es auch hier, so dass wir, eine kĂŒrzere Version unserer Show spielen, um die KreislĂ€ufe von Kind und Clown durch deren Kreis-LĂ€ufe nicht allzu sehr zu strapazieren.
Nach dem gemeinsamen Essen mit den Organisator*innen der heutigen Vorstellungen, bekamen wir noch eine FĂŒhrung durch Emils örtliche Einrichtung, von der er mit seinem Team Gemeinschaftsprojekte fĂŒr alle Menschen im Bezirk organisiert und so zum Austausch einlĂ€dt und Begegnungen ermöglicht. Schön, dass wir heute so spielerisch bunt unseren Teil dazu beitragen konnten â auch fernab der groĂen Stadt.
Deshalb hat uns die anschlieĂende 1 œ stĂŒndige Autofahrt auch noch weiter Richtung SĂŒden gefĂŒhrt, hindurch abwechslungsreiche, hĂŒgelige, bergige, grĂŒne, karge, durch Industrie abgebackerte aber auch von Hand beackerte Landschaften â bis nach Gotse Delchev, wo wir morgen drei Vorstellungen geben dĂŒrfen.
Michi
đ·Pictures by Clara Sachs
Ein Feuerwerk aus Lachen schallt durch den Rohbau
14.04.2024
Ich hoffe ich kann von meinem Filmmaterial vom Tag in Goce Delcev irgendwas brauchen…Ich darf das Team von Clowns ohne Grenzen als Filmemacher begleiten und bekomme alle 15 Shows hautnah mit.
Aber ich konnte heute manchmal die Kamera vor Lachen einfach nicht gerade halten. Oder ich hab lauthals mit den Kindern los geprustet und die Tonspur versaut. Was will man machen. Lachen ist nun mal das Feuerwerk der Seele. Versuch das mal aufzuhalten.
Apropos Feuerwerk. Der heutige Tag war ein Feuerwerk. Ein Feuerwerk der Stimmung, der Lacher, der AtmosphÀre.
Nach einem schlichten, aber sonnigen Tankstellen-FrĂŒhstĂŒck ging es gemeinsam mit Ventsislav, unserem Ansprechpartner von âMission ohne Grenzenâ, seiner Frau und seinen Töchtern, die bravourös gedolmetscht haben, in den Stadtpark von Goce Delcev. Hier war Show #1 des heutigen Tages angesetzt.
Die Clowns entschieden sich gegen die gefĂŒhlt 2-Meter hohe BĂŒhne und den Platz in der prallen Sonne bei 29 Grad. Stattdessen erhielt der Schattenplatz unter den BĂ€umen den Zuschlag. Und die Wahl war gut: Die 250 Personen konnten im Schatten sitzen und stehen, die Erwachsenen hatten hinter den Kindern gut Platz. Und dann schallte eine Woge aus Clownsmusik und Kinderlachen durch den hĂŒbsch angelegten Stadtpark. So manch ein Kind kraxelte auf das nahe KlettergerĂŒst oder auf die Schultern von Mama oder Papa um dieses bunte Spektakel noch besser zu sehen. Nach dem die letzte Showrakete verflogen war folgte ein wildes Treiben mit Selfies, High-Fives und Komplimenten.
Beim Mittagessen mit Ventsislav und seiner Familie lernten wir viel ĂŒber unseren Kooperationspartner Mission ohne Grenzen, aber auch ĂŒber den berĂŒhmten bulgarischen Jogurt. Und ein ehemaliger Postbote aus Ebersberg (bei MĂŒnchen), der wieder in die bulgarische Heimat zurĂŒckgekehrt war, schaute auf ein kleines âHalloâ bei uns am Tisch vorbei.
Fulminant ging es in den Nachmittag. Im Stadtpark von Musomishta, das nur wenige Minuten von Goce Delcev entfernt liegt, spielten Pasta, Torta und Bob ihre zweite Show des Tages. Unter GelĂ€chter und Gekreische der Kinder und unter zustimmendem Schmunzeln der Erwachsenen (âDobre!â) wurde gejagt, gepiesackt und geknutscht.
Leider blieb nach der Show nicht viel Zeit fĂŒr den persönlichen Austausch, denn die dritte Show des Tages folgte auf dem FuĂe. Und diese Stunde wird mir noch lange im GedĂ€chtnis bleiben. Die Location war der Rohbau einer Kirche in einem Roma- Viertel. Eine der Ehrenamtlichen wollte sich schon dafĂŒr entschuldigen â ob wir denn wĂŒssten, dass wir nun fast ausschlieĂlich fĂŒr âGipsysâ spielen wĂŒrden.
Anfangs rutschten nur eine Handvoll Kinder in der ersten Reihe aufgeregt auf ihren StĂŒhlen herum, doch – als hĂ€tten sie das Stimmen der Ukulele hinterm Bus als Aufruf gehört – strömten immer mehr Kinder und Erwachsene durch die kleine, unbefestigte ZufahrtsstraĂe die Anhöhe hinauf. Es waren so viele, dass die StĂŒhle gar nicht mehr reichten, noch BĂ€nke und Kisten hereingetragen werden mussten, dass die ĂŒber 100 Leute alle in dem staubigen Rohbau einen Platz fanden. Und das Wort âFeuerwerkâ beschreibt die Stimmung wĂ€hrend dieser magischen 45 Minuten auch nur bedingt. So voller Energie, Leben und Lachen waren diese unfertigen, rohen BetonwĂ€nde.
Noch nie zuvor habe ich Kinderaugen so gebannt glĂ€nzend einer einfachen Theatershow folgen sehen. Nie zuvor hat mich eine Lawine aus ungebremstem, ungefiltertem Lachen, die bis in die kleinste Ritze des Raumes dringt, so sehr erwischt, dass ich selbst vergessen habe, warum ich eigentlich da bin. Nie war mir deutlicher, was es heiĂt, dass Lachen eine Sprache ist, die alle verstehen und einen Raum erfĂŒllt. Was da in diesem Rohbau in Goce Delcev heute passiert ist, war mehr als ein Feuerwerk der Freude. Es war ein nachhaltiges Erlebnis. Ein kleiner Magischer Moment. FĂŒr die Kinder, die Erwachsenen â und die Clowns.
Bene
đ·Pictures by Clara Sachs
Miteinander, Untereinander, Durcheinander
15.04.2024
Die Zeit fliegt nur so dahin und ich bin ganz beseelt von meiner ersten Clown-Reise. NatĂŒrlich hatte ich eine Vorstellung, wie es sein mag, doch die RealitĂ€t und diese Energie nun selbst zu erleben, kann man kaum in Worte fassen.
Unser Tag 6 begann wieder in Blagoevgrad und ich erwachte heute morgen mit einer ziemlich verstopften Nase und ErkĂ€ltungserscheinungen. Oh nein! Das kann ich nun wirklich nicht brauchen, aber âthe show must go onâ und so dopte ich mich mit allem was die Apotheke hergab.
Nach einer kurzen Autofahrt trafen wir heute wieder auf den Familienhelfer Emil von âMission ohne Grenzenâ in dem kleinen Ort Simitli, einem Vorort von Blagoevgrad. Dort angekommen warteten die Menschen bereits im Hof auf uns, um den groĂen Baum herum saĂen auf StĂŒhlen und BĂ€nken eine bunte Mischung an Menschen. Unser Publikum bestand aus Kindergartenkindern, Schulkindern, Menschen mit Behinderungen, neugierigen Nachbarn und Bewohnern des ansĂ€ssigen Altersheim.
Jetzt hieĂ es nur noch, Nase auf und schon zogen wir musizierend tanzend ein und wurden mit groĂen staunenden Augen und lachenden Gesichtern empfangen.
So unterschiedlich die Menschen waren, so eins waren sie doch, was ihre Freude an unserem Spiel und Ihr Lachen betraf.
WĂ€hrend der Show kamen immer wieder neue Kindergartenkinder hinzu und standen mit offenem Mund vor uns und starrten wie gebannt auf Bob, als dieser miauend oder bellend vor ihnen stand. Insgesamt konnten wir ein Publikum von ĂŒber 100 Leuten zĂ€hlen und eine Riesenseifenblase schwebte am Ende ĂŒber alle hinweg in den blauen Himmel hinein. Ein magischer Zauber war auf dem Hof zu spĂŒren und glĂŒckselig verabschiedete sich einer nach dem anderen mit einem breiten LĂ€cheln im Gesicht.
Direkt im Anschluss ging es zu einem MĂ€nnerwohnheim fĂŒr MĂ€nner mit Behinderungen.
In einem sehr schönen kleinen Garten durfte gespielt, gealbert und gezaubert werden. Die MĂ€nner im Alter von 30 – 70 Jahren fieberten mit, lachten laut und einige der Herren hielt nichts mehr auf den StĂŒhlen und so wurden sie einfach Teil unserer Show. Die BetreuerInnen waren zuerst irritiert und dann höchst erfreut ĂŒber unsere Interaktionen und Freude am gemeinsamen Spiel und vor allem, daĂ wir uns auch in keinster Weise irritieren lieĂen. So konnte der ein oder andere kurzerhand mit groĂer Freude durch den Tunnel robben, wurde zum fantastischen Zauberer und / oder zum groĂen TĂ€nzer. Am Ende unserer Show tanzten und musizierten wir gemeinsam.
In diesem Moment hĂ€tte ich mir 6 Arme und HĂ€nde gewĂŒnscht, damit jeder meine Hand halten kann. Die galanten Gentlemen waren hin und weg und wirbelten uns ihre ĂŒbersprudelnde Freude entgegen und viele Worte, die wir leider aufgrund von Sprachbarriere nicht verstanden.
GlĂŒcklicherweise sprechen Augen und das Leuchten war eindeutig.
Doch die Worte des Ăbersetzers haben wir verstanden: âIt is so important that your are here to bring them joyâ. Und genau das ist es doch, Freude schenken und sich wohlwollend und respektvoll begegnen, um eine gute gemeinsame Zeit zu haben.
Freudestrahlend hielten einige unsere Postkarten an ihr Herz und werden die Albernheiten von Pasta, Bob und Torta hoffentlich noch lange in Erinnerung behalten.
Die Fahrt zurĂŒck nach Sofia nutzen wir, das weltberĂŒhmte Rila Kloster, welches weich und wunderschön in die waldbedeckten GebirgshĂ€nge des Rila-Gebirge eingebettet ist, noch zu besuchen. Schmale kurvige StraĂen fĂŒhrten uns vorbei an mĂ€rchenhaften FlusslĂ€ufen und WasserfĂ€llen, durch weich gezeichnete Landschaften und Felder. Die Rapsfelder leuchten vor der immer sichtbaren Bergkette des Rila-Gebirges, das uns mit schneebedeckte Gipfeln und zackigen Felsformen ein mittlerweile vertrautes Bild darstellt.
Und so ging ein weiter wundervoller Tag zu Ende, der auch mir noch lange in Erinnerung bleiben wird.
Jede Show, jede Begegnung, jede BerĂŒhrung und jeder Blick ist einmalig, etwas besonderes.
Gittl Ernst
đ· Pictures by Clara Sachs
Spiel ohne Grenzen
16.04.2024
Ein letztes Mal geht es heute mit roter Nase los, zurĂŒck in ein bekanntes Viertel, eine groĂe Roma-Siedlung am Rande der Stadt Sofia. Um 9:30 Uhr sind wir wie verabredet an dem Caritas Kindergarten, jedoch sind erst wenige Kinder vor Ort. Nach RĂŒcksprache mit der Leitung ziehen wir kurzerhand mit einem Lautsprecher durch die StraĂen von Fakulteta. Immer mehr Kinder und MĂŒtter schlieĂen sich uns an. Wir trauen unseren Augen nicht, als plötzlich ein Schwein inmitten der vielen StraĂenhunde vor uns auftaucht, das sich glĂŒcklicherweise nicht auch unserem kleinen Umzug in den Hof des Kindergartens anschlieĂt.
Am bunten Wellblechzaun haben wir unseren Banner aufgehĂ€ngt, Koffer auf und los gehts. Bob, Pasta und Torta haben reichlich UnterstĂŒtzung und finden dank dieser auch noch in der 13. Show immer neue Möglichkeiten und Wege in ihrem Spiel. Bei den Interaktionen mit den Zuschauenden greifen wir nur zu gerne neue Impulse auf und so ist es auch fĂŒr uns immer wieder neu und ĂŒberraschend, welche neuen Wendungen sich ergeben. Es wird uns nicht langweilig, die Show immer und immer wieder zu spielen, denn es ist nie, und wir betonen nie, die Gleiche. Jede ist auf ihre Art besonders und einmalig.
Und so war es auch heute.
Gestern erreichte uns die Nachricht, dass eine Show fĂŒr heute abgesagt wurde. Ein Anruf bei Sarkis von âMission ohne Grenzenâ genĂŒgt und schon zaubert er einen neuen Spielort hervor. Die Kinder einer Schule in Sofia freuen sich lautstark ĂŒber unser Erscheinen. âClowni, Clowniâ dringt es vom Schulhof herĂŒber in unsere provisorische Umkleide und schwuppdiwupp finden wir uns auf einer kleine niedrige HolzbĂŒhne wieder vor Kindern, die geradezu vor Ideen sprudeln. Die Zeit fĂŒrs gemeinsame Spiel war leider viel zu kurz, doch die nĂ€chsten Zuschauer erwarteten uns schon.
Ab in den Bus, das verschwitzte Make-up auffrischen und weiter geht es.
Die letzte Show auf dieser Reise findet in einer Einrichtung fĂŒr Menschen mit Behinderungen statt. Wir tasten uns langsam vor. Spielen erstmal ruhig und spĂŒren hin, was es braucht.
Und so ist es bei einer Clowns-Reise, die eine Show ist laut und groà und die nÀchste langsam und ruhig.
Mit Handkuss wurden wir begrĂŒĂt und so herzlich ging es weiter. Ein letztes Mal hallt das schallende Lachen in uns nach, als wir zurĂŒck zum Bus gehen.
Was fĂŒr eine schöne letzte Show.
Eine umwerfende Zeit liegt hinter uns. So voller EindrĂŒcke und Emotionen. Wenn Bene (der Filmemacher der uns begleitet) uns fragt wie es sich anfĂŒhlt, das Alles. Das clownen vor Menschen, die sonst vielleicht nicht so viel zu Lachen haben. Wie es ist, dass jetzt alles vorĂŒber ist. Dass wir nach Hause fliegen. Tja. Es ist schwer in Worte zu fassen.
Wir sitzen zusammen und besprechen die letzten Tage. HighlightsâŠviele Highlights. In einem sind wir uns einig: Wir kamen als Fremde und gehen als Freunde. Bulgarien – wir kommen wieder.
Gittl & Mia
đ· Pictures by Clara Sachs























































































































