2018 Kambodscha


12.02.2018 - 12.03.2018

Andreas Gottschalk, Carola Schure, Heiko Mielke, Oliver Steinke (Fotograf)


Warum Kambodscha?

Bürgerkrieg, Fremdherrschaft, Massenhinrichtungen (20% der Bevölkerung innerhalb von 3 Jahren!), Armut, schlechte bis keine medizinische Versorgung- das beschreibt die jüngere Geschichte des Landes von 1950 bis etwa 2000! Seit dem beruhigt sich die Situation im Land vorsichtig; langsam wächst die Wirtschaft, die Beschäftigung, soziale Verhältnisse verbessern sich. Dennoch ist Kambotscha immer noch eins der ärmsten Länder der Erde, immer noch herrscht Korruption, noch immer ist die medizinische Versorgung- vor allem auf dem Lande – katastrophal.

Und die grauenvolle Vergangenheit ist spür- und sichtbar! Reisende, die das Land in den letzten Jahren besuchten, sprechen zwar von sehr freundlichen Menschen, aber auch von einer Nation der gebrochenen Herzen. Diese Stimmung ist allgegenwärtig.

Nach 10 Jahren ist es so weit, die Clowns ohne Grenzen reisen nach Kambodscha und werden mit unserem Besuch dort von Leichtigkeit, Lebensfreude, Übermut und Poesie erzählen!

Die Clowns Carola Schure aus Greifswald, Andreas Gottschalk aus Lüchow, Heiko Mielke aus Langwedel und der Fotograf Oliver Steinke aus Itzehoe starten vom 12.02.-12.03. diese Tour.
Die ersten Tage werden sie in der Hauptstadt Phnom Penh sein, weiter geht es über Battambang nach Siem Reap.

Wie üblich werden wir versuchen täglich einen Blog zu posten.

Itinerary Date :12.03.2018

Ein bisschen Zeit für uns ...

24.02.2018

Wir haben jetzt stramm eine Woche ein, zwei oder drei Shows am Tag gespielt, wobei dazu pro Show noch zwischen ein und drei Stunden Hin- und Rückfahrt kamen, das Ganze bei äußeren Bedingungen, die einer Dampfsauna zur Ehre gereichen würden, was alles in allem zur Folge hatte, dass wir abends todmüde sind. Heute ist alles ein bisschen entspannter.

Nur eine Show und die abends um 19 Uhr bei Lichterketten, weil es hier um 18:30 bereits stockduster ist… Abfahrt halb sechs – das bedeutet: AUSSCHLAFEN!

Nach ausgedehntem Frühstück kurze Beratschlagung für einen Ausflug zu einem kleinen Tempelberg – na ja, Hügel – mitten in der Stadt. Rund um den, sowie auf dem Hügel herrscht reges Treiben und – wie fast überall hier in der Stadt – Müllnotstand! Anscheinend fehlt es hier an jeglichem Bewusstsein und auch Bedürfnis für eine halbwegs saubere Umwelt. Ist etwas ausgebraucht, wird es, wo man gerade geht und steht, fallen gelassen. Auch in eben jener Parkanlage, in der wir nun stehen, Plastikmüll überall… Wir beschließen uns zu trennen und machen einen Treffpunkt aus. Ich hänge mich gerne mal wieder an Heiko. Er hat so ein ausgewogenes Verhältnis zwischen wildem Aktionismus und „sitting around and look stupid“ 😉 … Da die Mittagshitze heute einen schweren Angriff auf mein Wohlbefinden zu planen scheint, gehen wir geradewegs in den Tempel. Gleich neben dem Eingang an der Rückwand des Innenraums finden wir, wie bestellt, unseren besten Freund (neben dem Taxifahrer des Vertrauens) – Hatari! So heißen hier die meisten Ventilatoren. Die zwei freien Plätze sind also für die nächsten anderthalb Stunden belegt. Zeit zum Beobachten des Tempeltreibens. Insbesondere das touristische Treiben ruft bei uns ein ums andere Mal Kopfschütteln und leicht sarkastische Kommentare hervor. Die Zeit reicht auch für van Beethovens dritte Sinfonie sowie dem kompletten „Band of brothers“-Soundtrack. Gerade letzterer ist super geeignet, nebenbei ein bisschen in sich zu gehen, das Erlebte zu reflektieren: über sich und seine Rolle im Team, über die Aufgabe hier und deren Auswirkung und Nachhaltigkeit und natürlich immer wieder die vielen Begegnungen mit armen aber freundlichen Menschen und Kindern, engagierten Mitarbeitern der vielen NGOs vor Ort und auch ganz normalen Kambodschanern – z. B. Taxi und Tuk Tuk Fahrern.

In den Reaktionen von zu Hause lesen wir manchmal, wir könnten stolz auf uns sein und das, was wir hier tun… Stolz??? Ja und nein – wir machen das, was wir gut können und das hilft Menschen – das halten wir alle für völlig normal und selbstverständlich – wir haben ja absolut auch Spaß an dem Ganzen. Worauf ich und ich glaube auch wir ein kleines bisschen stolz sein können (wenn man das überhaupt so sagen kann) sind die schon mehrfach geäußerten Kommentare unserer Gastgeber. Viele haben „ihre“ Kids noch nie so ausgelassen, fröhlich und offen erlebt…
Und DAS fühlt sich gut an und erfüllt mich zumindest mit großer Zufriedenheit…

Teil 2 – abends 21:15

Mittlerweile sind wir von der Abendshow zurück im Hotel. Carola und Andreas schlagen sich wie immer mit Orga-Fragen herum, Heiko beantwortet Mails und ich sortiere die Bilderflut…meistens sind es zwischen 400 und 600. Aussortieren der miesen und der guten Fotos kostet Zeit und Konzentration. Heute waren es nur 230 aber auch heute brauchen wir eine Auswahl von 20-30 Bildern, aus denen wir wiederum die 10-15 aussuchen, die zum Blog passen. Wenn mir dabei nicht gerade einmal wieder die Augen zufallen, eine gute Gelegenheit, den Tag noch einmal Revue passieren zu lassen. Heute abend waren die „Kids“ schon etwas größer und die „Crowd“ kleiner als sonst. Deshalb beschlossen die Clowns spontan, direkt nach der Show noch einen kleinen Jonglier- und Zauberworkshop zu geben. Es entwickelte sich sofort ein reges Treiben. Einige Jungs und Mädels haben heute mal eben mit 3 Bällen oder Tellern jonglieren gelernt! Dazu noch ein paar Zauberkunststücke mit ganz einfachen Gummibändern und !!! Die, die es gerade eben konnten, haben es sofort an den Kumpel weitergegeben… Auch das ist Nachhaltigkeit. Wieder mal ein toller Tag mit schönen Erlebnissen – für uns, die Kids und die Betreuer. Die Verabschiedung und Präsentübergabe erfolgte dann allerdings bei Handylicht, weil seit Mittag der Strom im Viertel ausgefallen war und der Generator keinen Diesel mehr im Tank hatte – auch irgendwie skuril…

Gute Nacht nach Deutschland
Ollie

Zum Sonntag ...

25.02.2018

Heute ist Sonntag und der Stadtverkehr um halb neun flüssig. Heiko und Olli konnten es gar nicht erwarten und waren schon eine Stunde früher abfahrbereit. Halb neun erst?? Na gut, dann eben noch ein kleines Nachfrühstücksschläfchen. Andreas und ich hatten mal Zeit, am Morgen auf dem Dach ins Wasser zu tauchen und mit Blick über PP unter freiem Himmel einen Tee zu trinken, sonntagsangemessen eben. Das belgisch-kambodschanische Hauscafé hatte heute noch geschlossen und da habe ich mir mal kambodschanischen Kaffee aufgebrüht — brrr – das ist eher so Kaffeeschrot und im Geschmack Getreidekaffee ähnlich. Unbefriedigend, muss man wahrscheinlich auch kochen.
Es geht mit Tuck Tuck zu einer Schule, die gehörlose Menschen unterrichtet. Deep Development Program. Freundlich lächelnd mit vielen Verbeugungen werden wir empfangen. In unserem großen Umkleideraum wird wieder mit den Mitarbeiterinnen gescherzt und nebenbei kümmern wir uns um die Übersetzung unserer Gemüsenamen in kambodschanische Gebärdensprache. Sehr lustig. Was heißt „Ich heiße“? Aha – rechte Hand auf’s Herz, mit dem Handrücken in die offene linke Hand geschlagen, die vor der Brust wartet, so dass beide Handflächen nach oben zeigen. Ich heiße heute nur Chili – eigentlich auch voll angemessen, so wie ich meinen beiden Männern einheize. Vielleicht bleib ich dabei? Mr. Karot – es wird angedeutet, dass man in die Stange reinbeißt und dann noch das Möhrengrün am Kopf als Puschel mit den gespreizten Fingern gezeigt. Ähnlich Mr. Tomate -hineinbeißen und das Rund an die Wange verschieben. Wir freuen uns sehr über die neuen Elemente unserer Show.

Das Publikum scheint nur aus Erwachsenen zu bestehen. Keine Kinder? Na dann ran an die neuen Erfahrungen. Welche Version der Show spielen wir überhaupt? Merken wir schon. Aha. Die Moskitonummer geht ja wohl nicht, bssss – summen, hm – kennen die Kambodschaner Fliegenklatschen? Noch nie in Asien gesehen.

Auf und los – mit Musik rein in den bestuhlten Raum, aber die hören ja nichts, das Cajón jawohl schon, wir brauchen die Musik jedoch zum Bewegen. Unglaublich – wir tanzen rein, die Leute schunkeln mit und fangen sofort an zu klatschen. Chili braucht heute keine Klatschanimatörin zu sein 😉 Ich will jetzt das Ö (bei FrsÖr gibt es das schließlich auch.)

Wir spielen die kürzere Show, ganz konzentriert, denn unser PUBLIKUM ist es auch. Manche können laut lachen, andere drehen die aufgerichteten Hände – lautlos lachen – ich kenne das Zeichen als lautlose Zustimmung.

Nachmittags mit dem hauseigenen TuckTuck-Fahrer raus aus der Stadt, wahrscheinlich in Richtung Süden… auf einmal keine Häuser mehr, Grünflächen und wieder jede Menge Müll. Da zieht das Tempo schön an, nichts für schwache Nerven, wenn man sieht, was auf den Mopeds alles transportiert wird, heute ist Sonntag und deshalb meistens Familie zwei drei vier Personen, Kinder, Babys, einmal sogar fünf. Sonntag heißt aber nur für die Schüler frei und die Angestellten vielleicht, ansonsten hat alles geöffnet, auch Baustellen und Kfz-Werkstätten. Die Familie wohnt ja eh im selben Haus. Dann wieder Häuser und endlich die Brücke, nach der es nicht mehr weit sein soll. Kurz vor dem Ziel werden wir dann doch noch begleitet und aus den engen Straßen mit Häusern, die Armut vermuten lassen, dem Müll, den Hühnern…pellt sich plötzlich eine kleine Oase – grün, gepflegt, sauber.

Krousar Thmey – eine einheimische Organisation für die Unterstützung von benachteiligten Kindern und Jugendlichen betreibt hier ein Kinderheim mit ca. 35 Kindern und Jugendlichen. Dem Logo zur Folge könnte es übersetzt „Schmetterling“ heißen. Ja – fliegen lernen und aus Raupen durch Verwandlung Schmetterlinge werden lassen – ein poetisches und kraftvolles Bild. Die Kinder und Jugendlichen empfangen uns freudig.

Ja, da nehmen wir die Fliegenklatsche doch wieder rein, da gibt es ein wenig Schlägerei mit Luftkeule und Klatsche auf der Bühne.

Bei Kindern, die mit Gewalt aufgewachsen sind, fühle ich mich nicht so wohl mit diesen Nummern, auch wenn wir uns immer lieben und versöhnen. In den Gesichtern sehe ich eher Verwunderung als Amüsement. Immer wieder Thema für mich.

Natürlich hatten die Kids auch viel Freude und habe sich ebenso gefürchtet vor platzenden Luftballons wie übrigens unser gehörloses Publikum auch. Mehrere Runden mit Abschlussmusik durch und um das Publikum und Abschlussfoto.
Schluss jetzt.

Liebe Grüße Carola

Der letzte Tag in Phnom Penh

26.02.2018

Noch einmal dieses Großstadtgewimmel auf den Straßen. Zum letzten Mal in Phnom Penh. Morgen geht’s auf in die Provinz. Etwas mehr Grün, vielleicht ruhigere Orte, weniger Menschenmassen – mal sehen, ob solche Wünsche dort in Erfüllung gehen?!

Heute haben wir uns wieder in die Hände (in den SUV) unseres Lieblings-Taxi-Fahrers Han begeben. Er hat uns hier so manches Mal sicher ans Ziel gebracht. Unsere europäische Art der Orientierung nach Straßennamen, Stadtplänen oder Google maps ist irgendwie nicht kompatibel mit der Art, wie sich die Menschen hier zurechtfinden. Han schließt diese Lücke hervorragend. Da er auch sehr gut englisch spricht, ist er nach und nach zu unserem Dolmetscher, Restaurant- und Einkaufs-Guide und heute sogar zu unserem größten Fan und Cheerleader geworden.

Am Vormittag brachte er uns nach Ta Khmao, eine kleine Stadt, etwa 10 km außerhalb gelegen. Dort spielten wir in einer Schule für Kinder mit geistigen Behinderungen (Hands of Hope Community). Ein wunderbares Erlebnis, umso mehr, da in den Vorabsprachen mit dem Leiter der Einrichtung einige Skepsis auf seiner Seite zu spüren war. Er fragte stark an, ob unsere Show für die Kinder ein Gewinn sei. Mr. Chan war zwar selbst nicht anwesend, seine Mitarbeiter werden ihm aber von der lebendigen Freude und der Begeisterung der Kinder und LehrerInnen erzählen und haben uns gleich eingeladen, unbedingt wieder zu kommen! Miss Sandeik Dai Madté (alias Carola) hatte übrigens ihre liebe Not mit den Stacheln des Baumes, unter dem wir spielten. Ihr Ballon-Schwert, mit dem sie uns beiden Clown-Männern einheizen wollte, zerplatzte zwei Mal! Am Ende tat’s dann der aufblasbare Hammer!

Nach einer Pizza unterwegs (die teuerste in ganz Kambodscha) und einem kurzen Mittagsschläfchen im Hotel ging’s am Nachmittag zu NFC – New Future for Children – ein Zentrum, in dem Kinder armer Familien aus dem Stadtteil Unterricht am Computer, in Englisch und Gesundheitsvorsorge erhalten. Sie kommen hierher, nachdem bzw. bevor sie in der staatlichen Schule waren. (Immer wieder hören wir, dass diese Schulen ein schlechtes Niveau haben.) Außerdem gibt es eine Küche, aus der sie mit Essen versorgt werden und es gibt eine Bibliothek und genügend Platz zum Spielen.

Der Leiter des Hauses begrüßte uns herzlich und zeigte uns stolz die große, überdachte Bühne, auf der wir spielen sollten: wunderbar groß, sogar überdacht, aber der wärmste Ort im ganzen Zentrum. Wir zogen kurzerhand in den Innenhof um, in dem ein leichtes Lüftchen wehte – immerhin!

Die Show dann – wieder ein Erfolg. Wie herrlich es ist, diese Arbeit hier zu machen und soviel Freude bringen zu können! Und wie toll, dass wir unseren Fotografen-Ollie dabeihaben, der (fast) alles im Bild festhält. So könnt Ihr da draußen in der Welt immer wieder zu uns herüber luschern und wir haben’s später leichter mit der Erinnerung!

Zum Abschied gab‘s übrigens frisch gepflückte Mangos – auf dem ganzen Hof stehen überall Mango-Bäume – ein Paradies für mich.

Das Lächeln der KambodschanerInnen – wie sehr ich es mag. Es strahlt Offenheit, Freundlichkeit und Zufriedenheit aus. Heute morgen unterhielt ich mich lange mit der jungen Frau aus dem Hotelrestaurant, die uns seit Tagen fröhlich bedient. Sie erzählte mir in groben Zügen, wie ihr Leben bis jetzt verlaufen ist:
Aufgewachsen in der Provinz als viertes von sechs Kindern in sehr armen Verhältnissen, konnte sie nur bis zur sechsten Klasse zur Schule gehen. Dann musste sie auf dem Feld helfen und zum Familieneinkommen beitragen. Als sie vierzehn war, wurde sie allein nach Thailand geschickt, um als Illegale in einem Hotel zu arbeiten. Sie durfte das Haus dort nicht verlassen, aus Angst erwischt und verhaftet zu werden. Der Verdienst wurde komplett nach Hause zu den Eltern geschickt. Wie gesagt, sie war allein, hatte keine Familie, keine Freunde. Es gab nur Arbeit und Verstecken! Sechs Jahre war sie dort. All das erzählte sie mir mit diesem typisch kambodschanischen Lächeln!

Es bleibt eine Reise der gegensätzlichen Gefühle, Erfahrungen, Bilder – eine Clowns-Reise eben.

Sonnige Grüße von Andreas

Wir ziehen um

27.02.2018

Nach 12 Tagen in Phnom Penh haben wir aus unserem Ferienwohnungshotel ausgecheckt. Nach einer herzlichen Verabschiedung vom Staff verstaut unser Driver geschickt all unser Gepäck, fünf privete und einen Showkoffer, im SUV. Ich den letzten Tagen haben wir uns immer wieder gefragt ob wir alles mitbekommen. Han sagte immer: no problem!!!

Nachdem wir die Stadt hinter uns gelassen haben, was mal wieder über eine Stunde dauerte kamen die ersten Reisfelder in Sicht.

Eine vierspurige Straße führ zunächst entlang des Flusses Tonle Sup. Rechts und Links immer wieder Kokusnusspalmenhaine, Reisfelder, Dattelpalmen, Tempelanlagen und vermüllte Brachflächen. Häuser die am Fluss stehen sind auf Stelzen gebaut. Ja nach Alter sind diese aus Beton oder Holz. Und um so höher die Stelzen sind um so wohlhabender sind deren Bewohner. In den abgeernteten Reisfeldern grasen die sehr mageren Küche.

Da wir extra etwas früher aufgebrochen sind haben wir noch Zeit bei den Udonk Tempel vorbei zu schauen. 424 Stufen, und typisch Deutsch alles Highnoon, den Berg hinauf. Ein weiter diesiger Blick über die Ebene war eine gelungene Belohnung.

Der Fahrer und der Photograferer sind unten geblieben. Dort gab es einfache überdachte Sitzflächen und Hängematten. Als wir aufbrechen wollten kam der Besitzer und verlangte 10000 Riel= 2,5 Dollar miete. So kann`s gehen.

Die Wartezeit bis uns die Freiwilligen von Cibodia e.V. in Udongh abholten verbringen wir im Chicago Cafe, hier gönnen wir uns einen wirklich leckeren Cafe.
Als Hanna mit dem Moped kam und uns einsammelte nutze Andreas gleich die Möglichkeit als Sozius bei ihr mitzufahren.

In der Dorfschule des Ortes Per…… irgendwas, die hiesigen Freiwilligendienstler können es nicht aussprechen, warteten schon 200 Kids aus sechs Klassen. Bis Showbeginn hatten wir noch gut 1,5 Std Zeit die wir für Spiel und Spaß mit ihnen nutzten. So lernten wir neue Klatschspiele und albern einfach rum.

So bunt wie die Zuschauer so bunt auch die Reaktionen, Staunen, Lachen, Wundern oder unbeteiligt Schauen während der Show die mittlerweile richtig schön rund läuft.
Jetzt warten wir auf den Bus unseres nächsten Kooperationspartners der uns ins 70 min. entfernte Farmhaus bringen wird.

Wenn nicht grade der Müll mit Plastik usw. am Straßenrand verbrannt wird freuen wir uns sehr dem Abgas Phnom Penhs entkommen zu sein.

Angekommen im Simling Gecko Farmhaus dürfen wir eintauchen in eine Oase der Ruhe. Annagrete hat uns ein vorzügliches Dinner bereitet. Juhu, endlich mal wieder Kartoffeln, Salat, Gemüse und, ver es mag, gegrillte Rippchen von den eigenen Schweinen.

Wie Ihr an den unterschiedlichen Zeitformen erkannt habt habe ich den Blog teilweise unterwegs geschrieben.

Gute Nacht wünscht Euch

Heiko

Jeden Tag etwas Neues ...

28.02.2018

Gestern haben wir die Großstadt endlich hinter uns gelassen und sind jetzt „über Land“ unterwegs. Es war schon spät als wir an unserem neuen zwei-Nächte-Domizil angekommen sind. Schon als wir abbogen war es, als wären wir in einer anderen Welt angekommen.

Alles ruhig, saubere Luft und plötzlich alles picobello sauber. Wir sind eingeladen, bei Smiling Gecko Kambodscha zu wohnen. Diese Schweizer Idee hat sich als Ziel gesetzt, die not leidende Bevölkerung in Kambodscha mit nachhaltigen, ökologisch und ökonomisch sinnvollen Projekten zu unterstützen. Mit sehr vielen, vor allem Schweizer Spenden baut man hier ein Areal auf (im Moment über 220 ha), auf dem unter möglichst viel Eigenregie lokale Arbeit gefördert und die Selbständigkeit der ländlichen Bevölkerung gestärkt werden soll. Man setzt hier auf Bekämpfung der Ursachen von Armut und die nachhaltige Hilfe zur Selbsthilfe. Neben Hotellerie und Gastronomie wird auf weitestmögliche Selbstversorgung gesetzt.

Angeschlossen sind Acker- sowie Obstanbau, Rinder-, Schweine-, Hühner- und demnächst Fischzucht, sowie eine Schreinerei zum Bau und Erhalt der Gebäude. Im Moment arbeitet man gerade an einer Großküche für bis zu 4000 Menschen. Es soll produziert werden für die Menschen hier aber schlussendlich auch für den hiesigen Markt, um letztlich ohne weitere Spenden auszukommen. Außerdem sieht das Konzept vor, Familien aus den Slums von Phnom Penh (momentan ein dutzend) ein Haus und etwas Land zur Verfügung zu stellen und sie quasi wie Studenten in allem auszubilden, was hier Lebensnotwendig ist. Unterstützung erhalten sie unteranderem vom Farmmanager der sie in Fragen zu Ackerbau und Viehzucht berät. Es gibt strenge Auflagen für die Bewohner: Kein Alkohol, die Kinder müssen regelmäßig zur Schule und erwirtschaftetes Geld muss zu einem gewissen Anteil reinvestiert werden.

Für uns natürlich das entscheidende – heute der Kindergarten (es heißt wirklich deutsch „Kindergarten“). Zu erst sollten wir drei Shows hier spielen, wobei wir auf Grund des Platzes die ersten beiden zusammenfassen konnten. Die zweite folgend dann morgen in der Dorfschule.

Gestern Abend haben haben wir Annagret kennengelernt, die alle hier nur Mama nennen. Sie ist eine wirklich beeindruckende 66 Jährige, die sich in dieses Land und deren Menschen verliebt hat und mit beiden Füßen im Leben steht. Sie kümmert sich hier um wirklich vieles und kann anscheinend nicht wirklich „Nein“ sagen. Sie hat einen feinen Schweizer Humor und stahlt große Liebe und Güte aus… Beim Abendessen erzählte sie, wie sie das Land und dessen Probleme erlebt. Immer wieder hören wir von Armut, Alkohol, Prostitution. Das frustrierende ist – es gibt hier wirklich alles, was man zum Leben braucht, nur kommt es nicht bei allen an. Das scheint ein immer größer werdendes, globales Problem zu sein. Es gäbe genug Reichtum und Wohlstand für ALLE Menschen auf dieser Welt – es hapert nur massiv an dessen Verteilung.

Heute morgen durften wir mal wieder ausschlafen und hatten um 10 Uhr eine wundervolle Clownsshow mit den Kindergartenkids. Da auch die hier Arbeitenden und die Eltern der Kids eingeladen waren, war es ein schönes Miteinander, was auch die Erwachsenen sichtlich genossen – so etwas hatte man anscheinend auch hier noch nicht gesehen. Alle miteinander haben ausgelassen gelacht. Es ist jeden Tag wieder sooo schön, was wir hier machen! Ich wurde spontan von einem ausgelassenen, kambodschanischen Schweizer zum Tanzen animiert (ich und tanzen…). Mit eben diesem entwickelt sich nach der Show ein intensives Gespräch über Kambodscha, die Welt, das Leben sowie Ying und Yang – meine persönliche Begegnung des Tages. Er ist 60, Kambodschaner und konnte in den 70ern vor den roten Khmer flüchten. Er kam in die Schweiz, wurde dort ausgebildet (Bank) und ist ausgebildeter Freizeitmasseur. In dieser Funktion ist er jetzt auf eigene Kosten hier und bildet die MasseurInnen bei Smiling Gecko aus. Jeder tut, was er kann – ein tolles Konzept, gutes zu tun… Das hat nicht unbedingt etwas mit Geld zu tun, sondern mit dem Weitergeben und der Multiplikation von Fähigkeiten zu tun. Er erzählt mir, in diesem Land wären in drei Jahren roter Khmer, sowie anschließendem Bürgerkrieg drei Generationen Menschen und deren Wissen geradezu ausgerottet worden. Was übrig blieb, wäre auf’s Land vertrieben worden, wo die Böden verseucht und die Menschen sich selbst überlassen wurden.

Nachmittags gibt’s eine „Schlossführung“. Wirklich beeindruckend, was alles möglich ist, wenn Geld sinnbringend verwendet wird…

Nun aber geht der Tag schon wieder zur Neige. Es ist kurz vor 19 Uhr und wir sind auf der Verabschiedungsfeier eines Lehrers eingeladen – im benachbarten Dorf. Europäer und Kambodschaner feiern herzlich und ausgelassen miteinander. Andreas macht einen Workshop in Kokosnuss-zerlegen. Cambodia pur.

Das Leben ist schön…
Ollie

Wieder auf Achse

01.03.2018

Eine Wohltat für unsere kleine Clownsgruppe, dieser Stopp im lächelnden Gecko-Paradies. 7:45 Uhr: Schminken im eigenen Zimmer und dann fröhliche Fahrt im Kingsize-Tuk Tuk zum Auftrittsort. Die staatliche Dorfschule in Svae Sar, nur ein paar Kilometer von smiling gecko entfernt ist‘s heute morgen. Schräge Lang- nein Rotnasen springen musizierend aus dem Mopedtaxi – wieder mal verwirrte Gesichter von etwa 200 Kindern, die fast schon militärisch aufgereiht im Sand vor der Bühne sitzen. Zurückhaltend, wie schon oft erlebt, tauen sie nach und nach auf. Der Lehrer, der im Finale für „Sandeik Dai Madté“ (Carola) zwischen die fliegenden Keulen muss, hat große Angst um seinen Kopf. Aber die Jongleure haben ihr Handwerk gelernt! Singend geht‘s zurück, noch ein paar Stunden in die Oase, noch einmal Mittag vom Feinsten und dann der berührende Abschied mit Umarmungen und viel Dank auf allen Seiten.

Han (unser Taxifahrer) ist pünktlich, holt uns ab zum nächsten Gig. 90 Minuten in die Nähe von Kampong Chhnang zur Khemara School von Kidshelp. Unterwegs Verwirrung – Wo ist unser Guesthouse für heute Nacht? Gebucht ist es ja. Aber wo genau befindet es sich? Erst mal spielen, danach sehen wir weiter. Die Verwirrung löst sich auf weil wir Kampong Thom mit Kampong Thma verwechselten.

Wieder etwa 200 Kinder. Wir sind müde von der Fahrt, es ist heiß und stickig in der Schule. Wir legen unsere Köpfe noch ein paar Minuten auf die Schulbänke. Michael von Kidshelp bringt Kaffee und Tee, das frischt auf. Wieder das Modell, das wir schon kennen. Die Kinder kommen nach ihrem Pflichtprogramm in der staatlichen Schule hierher, um Englisch zu lernen. Eigentlich sollten die Kinder noch Unterricht machen, in der Stunde vor der Show – wir sind aber schon da – also geht nichts mehr. Ein paar Blicke, Gesten – Konzentration weg. Nichts mehr möglich. Egal.

Und dann die Show. Die läuft durch, passt, klappt, auch wenn mal was schiefgeht. Ist Routine! Ist Routine? Ja und nein. Tatsächlich brauche ich nicht mehr zu überlegen, was als nächstes kommt. Ist ähnlich, jedes Mal. Aber unsere Gegenüber unsere Publikumme machen jede Show zur Einmaligkeit! Diese auch.

Der Kopf, das Herz füllt sich langsam aber stetig. Keine gewöhnliche Reise. Immer mehr Eindrücke. Immer mehr Gefühle schwirren durch Andreas. Braucht immer mal wieder Verarbeitungs- und In-die-Luft-starren-und-Wirken-lassen-Momente. Nehme ich mir. Und bleibe neugierig. Das Musikinstrument in dem Restaurant zum Beispiel muss ich anfassen, ausprobieren, ob ich es zum Klingen bringen kann. Das Fußballtraining nebenan beobachten – selbst auf dem Spielfeld liegt Plastik. Was sind das für Läden an der Straße, in denen drei Fernsehprogramme gelichzeitig und nebeneinander auf Großbildschirmen laufen? Nicht zu fassen: die laufen tatsächlich alle mit Ton, laut. Jeder für sich wäre verständlich, aber alle zusammen! Babel. Und damit nicht genug. Es läuft auch eine fette Musikanlage parallel. Noch lauter. Und die Gäste? Schauen dazu alle in ihr Handy. Das ist mal Multimedia. Man komme hier her, um zu entspannen, auszuruhen! Sagt man mir.

Wir haben das Guesthouse gefunden, Google sei Dank. Und wir sind nicht so weit weg von unserem morgigen Auftrittsort wie befürchtet. Höchstens eine viertel Stunde.

Die anderen schlafen jetzt schon. Ich gucke noch ein paar Löcher in die kambodschanische Luft.

Es grüßt Andreas

Tschüß Han, hallo Siem Reap

02.03.2018

Außerhalb des Ortes in einer der Kompong Regionen liegt das Kinderdorf der www.cfi-kinderhilfe.de
Dort leben 91 Kinder in 7 Wohnhäuser. Es gibt eine Grundschule für 350 eine weiterführende Schule bis zur 12. Klasse mit 150 Kinder und Jugendliche. Außerdem betreibt man eine Hühnerfarm & Landwirtschaft, eine Obstplantagen & Gemüsefelder sowie Ziegelsteinherstellung und ein Ausbildungszentrum für Nähen und Schneidern.

Im Versammlungshaus des Dorfes gibt es sogar eine Bühne mit „Backstage“. Die erst Show begann um 10.00 Uhr für die 350 Grundschüler. Um 13.00 Uhr waren dann die weiterführenden Klassen dran. Schnell war klar das wir einige Teile der Shows, anders als für die Grundschüler spielten mussten. Dafür war dann die Liebesszene und die Fotosession der Brüller.
Heute war es auch die letzte Show für unseren Driver, was bietet sich da mehr an ihn als Freiwilligen für die Keulenjonglage auf die Bühne zu holen.
Thank´s Mr Han.
Nach der ersten Show wurden dann noch kräftig mit den Kids getanzt und sich gebührend verabschiedet.

Wir sind grad etwas müde, die Hitze, die Shows, lange Autofahrten und die wenige Freizeit zehrt an uns. Heute am Samstag den 03.03. haben wir uns einen Day Off gegönnt um auszuspannen, anderen Eindrücken Platz zu geben und auch mal Zeit mit sich zu verbringen. Ollie und ich haben einen Kurztrip zu den Tempeln von Ankor gemacht, bequem im Tuk Tuk, Andreas und Carola wollten lieber eine Tempeltour mit dem Fahrrad machen.
So trennten sich unsere Wege am Morgen.

ស្វាគមន៍

Heiko

Täglich begegnen uns ...

03.03.2018

… die verschiedensten Transportfahrzeuge mit den Waren des Landes.

Hier mal eine Auswahl zum Schmunzeln, Staunen und lieber nicht hingucken.
Sobald ihr die Fotos anklickt werden sie auch schärfer.
Viel Spass!

(Fotos folgen)

Heute spielten wir vor der ganzen Welt

04.03.2018

Heute ist Sonntag und wir haben endlich wieder gespielt!

Der gestrige Ausflug mit dem Bike war anstrengend, aber himmlisch. Der Urwald, die „schreienden“ Bäume (Zikadenbelagerung), die mit grünen Pflanzenpolstern durchwachsenen Gewässer (ohne Müll) zwischen mehreren Tempeln (einer mit eingewachsenen Bäumen), die außerstädtischen, mitunter duftenden Gerüche, das wirklich schmackhafte Essen, das uns Therese, unsere Tourführerin, empfahl und der Fahrtwind, der die Hitze einigermaßen erträglich machte, die Rauf-und-runter-Wege, die Äffchen, die unser Wasser aus der Halterung stahlen und den Flaschendeckel aufdrehten der gekühlte Zuckerrohrsaft, die beeindruckenden Reliefs von Angkor Wat zusammen mit den Informationen – alles in Allem eine sinnlich-kognitive Verbindung zum Land, die mir bis dato noch nicht so recht gelungen war.

Anstrengung hin oder her – ein nächtlicher Tiefschlaf und weiter. Andreas ist so verliebt in den Apsara-Tanz und endlich – heute Morgen konnte er eine Tanzstunde nehmen und ich habe ihn begleitet. Jetzt können wir zusammen auch Coconutdance. Ihr werdet schon sehen… Und dann wollten wir noch in Ruhe ein Käffchen trinken in der Stadt – halten vor einem Coffeeshop und wer sitzt da? Der andere Teil der Crew! Also wieder Gemeinschaft. Um die Ecke zu den Fischen – den kleinen – nicht wir essen die, sondern die essen uns. Huuuuchh!

Unser erster Auftritt in Siam Reap führt uns aus der Stadt heraus.

Albert, unser Gastgeber ist eng verbunden mit dem Projekt, zu dem er uns mit seinem Pickup fährt. Andreas und ich müssen unbedingt hinten drauf sitzen! Dürfen wir ja zu Hause nicht. Und die Kabine ist sowieso voll, denn Frau und Gastgeberin Chea und Sohn Felix sind ebenfalls dabei.

Honor Village Cambodia ist eine in Großbritannien registrierte Wohltätigkeitsorganisation und ein kambodschanisches Gemeinschaftsprojekt. Auch diese NGO bietet zusätzliche Schulbildung und zusätzliches Lernen für die Gemeinschaft an und unterstützt außerdem gefährdete Kinder. Darüber hinaus helfen sie den Menschen bei der Gemeindeentwicklung in den Dörfern.

Wir werden wirklich sehr überschwänglich empfangen – durch die Freiwilligen und das Sozialarbeiterpaar Sylvia und Sean und die kambodschanischen MitarbeiterInnen. Sylvia spielt noch Gemeinschaftsspiele mit den Kids und heizt die Stimmung an, so dass die Kinder von Anfang an giggeln. Und es sind viele Zuschauer – an die 500 wohl.

Die extra besorgte Bühne mit Dach und Verzierungsstöffchen wählten wir ab – volle Sonne, kein Wind und zu flach zum Jonglieren – Hilfe!! Und sorry. Ab unter die laut brummenden Deckenventilatoren. Macht ja nix, Worte ham wa ja nich fille.

Und auch andere Dinge sind eingespart, versteckt, vergessen? VOR der Show – wo ist eigentlich… (das ist ja wohl MEIN Satz!)…der Vorhang? Und während der Show: ähm.. .wo ist eigentlich der Aufblashammer? Dann nehme ich eben eine Jonglierkeule… Eine Pause und zack ist die Routine flöten.

Ja, die Kids waren derweil bestens vorbereitet auf unseren Besuch – eine Mappe voller gemalter Clownsgesichter und reisekompatible Papierblumensträuße waren unsere abschließenden Geschenke. Vielen Dank.
Kulinarisch beendeten wir den Tag indisch und schlenderten noch in der Tourimeile von Siam Reap.

Fotos sind heut nicht so viele, da Ollie hauptsächlich Videos gedreht hat.

Soll nicht so lange schreiben, is ja auch schon 00.05 Uhr, also Schluss jetzt und seid gegrüßt von Carola

Warm ums Herz ...

04.03.2018

… wird uns immer wieder wenn wir solche Rückmeldungen bekommen.

Hi Carola,
Thank you once again for your performance at Thomas’ House. The kids thoroughly enjoyed themselves and it was really wonderful to see those kids laugh (some of them for the first time, that I have seen)! I believe you spent a few day in Wat Opot a couple years ago – Wayne tells me that the kids STILL talk about it! I hope you had a wonderful, relaxing evening on your rooftop and we look forward to your return!

Safe travels,
Sandy

Mit der Fliegenklatsche in Kambodscha

05.03.2018

Heute ein Filmchen

…mal wieder. Gestern Abend nach dem indisch Essen hatte ich meinen persönlichen Tiefpunkt der bisherigen Reise. Wir wollten noch ein bisschen schlendern und bogen ab ins Nachtleben von Siem Reap. Das war für mich wie ein Kulturschock. Schlagartig wurde mir bewusst, warum ich an Orten, wie Wales, Schweden oder der Normandie Urlaub mache und nicht am Ballermann – schlimmer kann’s dort jedenfalls auch nicht sein. Immer mehr reflektiere ich, wie wir uns in was für einer Umgebung, in was für einem kulturellen Umfeld wir uns bewegen. Die meisten der 1,4 Millionen Besucher dieser Stadt (Siem Reap), neben Touristen aus den westlichen Ländern hauptsächlich Chinesen und Koreaner auf Turbo-one-night-sight-seeing-Trips, werfen einen vergleichsweise flüchtigen Blick auf Angkor Wat und die umliegenden Städte und Tempel einer untergegangenen Kultur erzählt man uns. Anschließend fröhnt man am Abend dem örtlichen Amusement. Für mich jedoch – das Grauen!
Der Gedanke an diese Feierkultur verfolgt mich noch den ganzen Tag. Eigentlich wäre ich heute lieber allein aber weitere Aufgaben lassen nicht auf sich warten. Genau genommen sind wir ja auch für den Spaß anderer hier nur eben viiiiiiiiel kleiner und weniger schrill…
Zwei Shows heute – in beiden haben wir ein aufmerksames, mitmachendes Publikum. Dessen Lachen lässt mich wieder an das Wesentliche und wesentlich schönere unserer Reise denken. Die Durchsicht meiner Fotos wie täglich am Abend stimmt mich dann doch wieder versöhnlich mit diesem Tag – Heute sind es irgendwie besonders lachende Bilder – als ob sie mich extra noch einmal aufheitern wollen…
Unsere kleine Tour durch dieses schöne, heiße Land neigt sich nun langsam aber sicher dem Ende entgegen. Ich freue mich auf drei weitere Tage mit fünf Shows. Endspurt…

Ollie

 

Klarstellung

06.03.2018

Es ist schon lange an der Zeit, über die Flecken auf meiner Hose (also die von Mr. Paintbach) zu schreiben, vor allem die im Schritt. Es ist nur Wasser- das vorweg. Aber wie kommt es da hin?
In jeder Show stecke ich in einer Entscheidungskrise; Mr. Carrot (Heiko) spritzt mir aus überschwänglicher Freude (kombiniert mit einer gehörigen Portion Hinterlist) darüber, dass ich es schaffe, mit fünf Bällen zu jonglieren aus seiner Trinkflasche das Wasser in mein Gesicht- sehr zur Freude des Publikums. Nun stehe ich also da, das kühle Feucht läuft mir den Bauch herunter- Richtung Schritt! Je länger ich überrascht so stehe und meinen Ärger entstehen lasse, des do länger kann sich das Publikum daran erfreuen. Je länger ich aber stehe, desto tiefer läuft es unter meinem Hemd und macht mir die Hose so unansehlich und missverständlich nass, desto größer wird der Fleck im Schritt! Ich muss also täglich zwischen den Lachern auf der einen Seite und meiner Eitelkeit auf der anderen entscheiden. Was für eine Zwickmühle!

Heute spielten wir vormittags etwas außerhalb der Stadt. Wir besuchten eine staatliche Schule, die „Buyongdounkeo secondary school“. Vor der Show ging ich auf der Suche nach der Toilette übers Gelände. In den elf Klassenräumen herrschte lebendiges Treiben. Das Publikum war heute sehr zahlreich und etwas älter als sonst. Wir meinten vorher, die Ballnummer deshalb etwas kürzer spielen zu müssen. Größere Kinder durchschauen das Versteckspiel eher und sind eher gelangweilt davon. Weit gefehlt- diese hatten besonders viel Spaß daran, so dass wir die Szene im Gegenteil noch länger ausspielten- You never know!

Am Nachmittag dann die Show ganz in der Nähe des Guesthouse. Wir besuchten „Bridges Of Hope“, ein Projekt, dass die Kinder der Ärmsten auf die Schule vorbereitet. Dort bat man uns, keine Fotos von den Kindern zu machen. Deshalb beschreibe ich Euch, was ich gesehen habe. Große Augen, lächelnde, lachende Kinder, Gesichter, die erstaunt, erfreut, überrascht, fragend, begeistert blicken. Das ist mir und Euch nicht neu, ich weiß. Aber heute war es wieder so ein besonderes Bild. Wir sind an einem besonderen Ort. Ich sitze da (in einer meiner wenigen „Pausen“- Momente während der Show) und beobachte nur, schaue die Kinder an. Mir kommen ein paar Gedankensplitter; Im Lachen unterscheiden sich die Kinder aller Spielorte kaum. Wie verschieden sind aber die Möglichkeiten in Bezug auf ihre Zukunft: Werden diese Kinder hier einmal die Armut überwinden können, eine Ausbildung machen, eine Arbeit haben, die ihnen Spaß bereitet, werden sie selbst entscheiden können, wen sie heiraten? Lange kann ich darüber nicht nachdenken, gleich kommt ja mein Einsatz. Mein Job ist hier die Show. Beschäftigen wird es mich sicher später weiter.

Typisch Carola! Ich muss mich konzentrieren, um den Blog zu schreiben und was macht sie? Nervt mich mit irgendwelchen Fragen! Als ich mir Ruhe wünsche, wird sie pampig- wie das manchmal so ihre Art ist (bei uns Klinikclowns heißt sie „Pampi“- kurz für „Pampelmusina“). Um mich zu wehren, werfe ich ihr die Chipstüte ins Bett. Dass die Tüte dabei aufgeht und sich die Chips auf ihrem Kopfkissen verteilen, dafür kann ich ja nichts! Und was macht sie? Bringt sie nicht etwa in den Mülleimer, nachdem sie die Krümel zusammengesucht hat- nein, wirft sie in MEIN Bett! So ungerecht geht es in Zimmer 17 zu!

Aber meistens verstehen wir uns gut!

Gute Nacht!
Andreas

Battambang

07.03.2018

Da sind wir jetzt – ein bisschen außerhalb in einer Ansammlung wundervoller Dream Bungalows – frisch gebaut, erst im November letzten Jahres eröffnet – die einzigen Gäste gerade und die Betreiber haben Zeit, sich mit uns zusammen zu setzen. Auch der Bestfriend Tucktuck-Driver, der uns gerade zur Show und zurück brachte, sitzt hier und macht ein Bier auf. Ja Show, nein nicht unsere. Wir sind noch ganz trunken von den schönen Bildern mit den jungen Menschen die im PhareCircus ihre akrobatischen Künste zeigten. Eingebettet in eine Geschichte mit clownesken Momenten stapelten sich Blechzylinder übereinander, am Ende sind es ELF, Saltos rückwärts von der dritten Etage im Menschenstapel zur dritten Etage, der traditionelle Tanz des Affenkönigs kommt drin vor und umwirbt eine Gummirückenbiegekünstlerin – indem er an verschiedenen Stellen auf ihr Handstand macht – wow. Publikum wird einbezogen und Freude, ja so viel Freude am Tun sehe ich und Applaus!! Vor der Show wieder eine kleine Tanzperformance in Apsara – diese Anmut, wie sich die Füße und die Finger geschmeidig biegen, ihr Lächeln – es ist ganz anders als das Erlebnis des Tanzes als Touristenattraktion – ich bin entzückt. Wir sind entzückt. Zurück mit Fahrtwind, der fast kühl ist, erfrischend. Die beiden Töchter sind interessiert an unserem Tun. Kann man das auf youtube sehen? JA und der Hausherr fragt, ob wir nicht morgen in der Dorfschule für das Dorf spielen können, Schule ist keine, es ist nämlich 8. März, Internationaler Frauentag, und da haben die Frauen frei. Gute Idee. Morgen ist frei und die Männer spielen die Show zu zweit, Frühstück könnte auch vom Hausherrn gemacht werden, wir Frauen hängen rum und starren in die Gegend. Nö. Schade.

Ja und alles andere ist schon so lange her. Heute Morgen… Also die Herfahrt war ein wenig aufregend, unser Fahrer musste alles überholen, was den Weg versperrte und auch Hupen bei jeder Gelegenheit, Bremsen schnell anfahren PUHHH, mir war schlecht. Wo ist unser HAN aus Phnom Penh?

Also heute Morgen…längerer Weg mit Tucktuck zur Kok Kroing English School von Roger Sun, einem aus Belgien stammenden ehemaligen Mitarbeiter der UNO, der seine Pension mit den Kindern hier teilt.

Die Schule gibt Unterricht für die Ärmsten und versorgt die Kinder mit Frühstück, oft die einzige Mahlzeit, die die Kinder am Tag bekommen. Vor 11 Jahren hat er damit begonnen und das zweistöckige Schulgebäude, in dessen oberer Etage sich ein großer Raum mit Bühne befindet, ist sein Werk: „Hab ich selbstgebaut“ sagt er. Die Mädchen üben noch ein bisschen Tanzen. Davon hatte ich schon Fotos auf seiner Facebookseite gesehen. Auf die Frage, wie er die Anweisungen zu dem Tanz geben kann, offenbart er uns, dass er sich in der Hauptstadt „…als ich noch jung war“ an einer künstlerischen Schule damit vertraut gemacht hat. Die Liebe habe ihn in das Land gezogen. Das hatten wir ja gerade schon in unserem Guesthouse, scheint des Öfteren vorzukommen. Die Menschen sind auch so durchsichtig offen freundlich.

Morgen so früh raus wie noch nie. 6 Uhr Frühstück, halb sieben los.
Na dann gute Nacht, sweet dreams, ßó ban loá.

Carola

Rekordverdächtig

Um 7.45 Uhr tänzeln wir mit Musik aus unserer „Garderobe“ in Richtung „Bühne“. Wir sind etwas außerhalb Battambangs in einer Preschool. Normalerweise ist heute schulfrei, da auch hier in Kambodscha der Internationale Frauentag gefeiert wird.
Auf dem sandigen Schulhof, wie mag der wohl in der Regenzeit ausschauen, hocken und stehen etwa 250 Kinder, Jugendliche und Erwachsene. Immer mehr Zaungäste gesellen sich dazu. Plötzlich wird es leerer im Kreis, weil ein Lehrer vom Kiosk aus den Kindern irgend etwas zuruft. Anscheinend ist Getränke- und Essensausgabe. Tapfer spielen wir weiter und der Kreis füllt sich wieder wie zuvor.
Übrigens bedeutet 7.45 Uhr Show, dass wir bereits um 5.45 Uhr hoch sind, um noch frühstücken zu können. Je nach Vorliebe hatte jeder schon gestern Abend sein Frühstück bestellt. So standen Reisnudelsuppe, Baguette mit Omelett und Fruitplate auf dem Tisch.
Mein Teller war gefüllt mit Banane, Mango, Ananas, Litschi und Dragonfruit, diese Vielfalt an frischen, süßen, farbenfrohen Früchten werde ich vermissen.

Mittlerweile sind wir wieder in unserer grünen Oase angekommen und machen Pause. Um 12.50 Uhr geht‘s wieder los zu Show Nr. 2.
Gestern Abend fragt uns das Guesthousebesitzerehepaar, ob wir nicht gegen Abend auch eine Show auf dem hiesigen Dorfplatz spielen könnten. Und jetzt nach der ersten Show haben wir uns entschlossen auch diese noch zu spielen. Anderenfalls wäre es ja nun vorbei, was wir nicht so richtig wahrhaben wollen.

Wir spielten in einer Halle der Schule die auf dem Gelände des Childsave Network. Hier gibt es neben dem Office ein paar Wohnhäuser, in denen einige der Waisenkinder leben. Weitere wurden mopedweise aus den Unterkünften der Umgebung herangefahren. So kamen wir auf 120 Zuschauer.
Auf dem Rückweg zum Guesthouse kurz noch Besenshopping für MeckPom.

Schnell die Showklamotten in die Sonne gehängt und etwas verschnaufen. Und kurze Fotosession mit der jüngsten Hausbewohnerin. Rein in meine Riesenschuhe, Nase auf, Teller in die Hand und fertig ist der kambodschanische Clownsnachwuchs.
Dann machten wir uns, geschminkt und mit Musik, im TukTuk auf zur Derniére. Während der Fahrt machen wir noch Werbung für unseren spontanen Auftritt fürs Dorf. Zunächst war nur eine Hand voll Kinder dort. Also auf die Sandschotterpiste gestellt und weiter Musik gemacht. Nach und nach kamen immer mehr neugierige Gesichter auf uns zu. Mopeds, Fahrräder, der Eistuktukmann, Landmaschinen, alle hielten an und staunten, bleiben stehen oder schauten bis zum Schluss.
Die staunenden Blicke der Kinder über drei mit roten Nasen mitten im Zentrum des Straßendorfes überwiegen mehr wie lautes Lachen. Erst nach und nach tauen sie auf.

Wie es oft ist, bekommt man den Fotografen, obwohl er alles ins rechte Licht setzt, selbst nicht so zu sehen. Einiges konnte er auf der Tour sammeln. Darum hier geballt unser Ollie.
Herzlichen Dank für dein Dabeisein.
Dieser herzliche Dank gebührt natürlich auch meinen beiden Clownskollegen Carola und Andreas. Es war mir eine Freude, mich Euch auf der Bühne zu stehen. Und um die Dankesrunde zu komplettieren gehen weitere Danke schön an alle NGO-MitarbeiterInnen für ihre vielfältige Unterstützung, unserem Taxidriver Han und den unterschiedlichsten Betreibern und Mitarbeitern der Hotels und Guesthouses. Nicht zuletzt unseren Vereinsmitgliedern und Spendern, die diese wichtige Arbeit erst ermöglichen.

Morgen um 5.30 Uhr, aufgemerkt, das Team hat sich zu Frühaufstehern entwickelt, geht unser Taxi zur thailändischen Grenze und dann weiter nach Bangkok.
„One Night in Bangkok“

Und wie geht es mir? Auf jeden Fall fühl ich mich erfüllt. Erfüllt in Herz und Seele, zu wissen etwas Sinnvolles zu tun. Das haben uns auch die hier lebenden und arbeitenden NGO-MitarbeiterInnen immer wieder bescheinigt. So erzählten und schrieben uns immer wieder sich aufopfernde Menschen aus aller Menschen Länder, denen wir begegnet sind. Einige verbringen ihren Lebensabend damit, für Kinder der Ärmsten da zu sein, ihnen Bildung und Nahrung zukommen zu lassen. Andere machen ein Freiwilliges Soziales Jahr oder arbeiten bei Hilfsorganisationen der unterschiedlichsten Couleur.
Mit einem tollen Team unterwegs, fast gewesen zu sein. Allen war von Anfang an klar, wir sind hier für die Kinder unterwegs und müssen unsere persönlichen Macken hintenanstellen. Nicht immer einfach, wenn man mehr oder weniger 24 Stunden aufeinander hockt.

AKON DANKE
Heiko

Unsere Reise in Zahlen

12.03.2018

Auf unserer Reise haben wir 34 Shows gespielt und 2 Workshops gegeben. Dafür sind wir 1800 km durchs Land gefahren.

Die rund 10000 Fotos und Videos von Ollie passen gut auf eine 100GB Festplatte. Alle geposteten Fotos sind 1zu1 aus der Kamera und nicht bearbeitet, wann auch?!

Wir hatten 5250 Zuschauer die von 27 Projekten eingeladen wurden. Zusätzlich an manchen Orten viele Zaungäste.

Bei den Proben und Shows wurden 50 Luftballons verschluckt und 75 platzten gelassen, oder sind durch widrige Umstände kaputtgegangen.

Die getrunkenen 350 Liter Wasser entsprechen 350 Liter Schweiß der sich in unserer Kleidung sammelte.

Wie viele Kilo Reis wir vertilgt haben bleibt ungewiss.

Andreas nutzte die Chance und ist zweimal auf nem Moped mitgefahren.

Mangos, mindesten fünfzig, frischreifsaftigeleckere, haben wir gegessen oder im Shake/ Lasse genossen.

Nicht zu vergessen 10 Liter frisch gepresster Zuckerrohrsaft und ebenso viele Cocusnuts.
Müde, erfüllt und mit vielen Eindrücken im Rucksack machen wir uns kurz nach Mittagnacht auf den Weg Richtung Hamburg.

Bitte heizt etwas ein für uns.

Sawadee krap aus Bangkok
Heiko

Ein Dank im Postfach

12.03.2018

Dear Andreas,

I write to pass on so many thanks from everybody at Honour Village Cambodia for your performance on the 4th March.
We have never seen the children laughing so much, it was a delight to see and something unique for everyone there.
We wish you well for the future.

Best wishes,
Sean.

Gepostet am

08.03.2018