2019 Burkina Faso


30.09.2019 - 14.10.2019

Barbara Duss, Helen de Bie, Ouelgo Tene und Katrin Oettli (Fotografin)


Diese Reise führt die Clowns ohne Grenzen Deutschland in die Hauptstadt Burkina Fasos Ouagadougou und in die Stadt Bobo-Dioulasso. Begleitet uns hier in unserem Reiseblog und auf facebook!

Itinerary Date :12.10.2019

Erster Probentag für die Burkina Reise

24.09.2019

Berlin, 11. Juli 2019

Heute schleppte ich mich mit Kostümvorschlägen, einem Djembe, einer Basstrommel und meinem kleinsten Akkordeon zum Theaterhaus Mitte um um zehn Uhr die erste Probe mit der gesamten Crew zu verbringen. Susi unsere Patin wartete schon auf uns und nach 3 Jahren sah ich auch Ouelgo wieder. Wie wird diese Truppe aus Ouelgo aus Burkina in Basel wohnend, Helen aus Berlin und mir funktionieren?

Und Susi erzählte Ouelgo als erstes die Grundlagen der Clownerie, er, der als Geschichtenerzählerdie meisten Regeln sowieso kennt und legte uns beispielhaft nochmals nahe, einfach ja zu sagen, da nein das Clownspiel blockiert. Das war der Grundstein für wundervolle Impros, bei denen wir uns zum Teil krümmten vor Lachen. Danach spielten Helen und ich unser im Kindergarten erprobtes

Stück vor und wir probierten uns noch durch unsere Requisiten, zum Beispiel einer Kistensonne.

Wir sind gespannt, was wir morgen weiterverfolgen. Ouelgo meinte, wenn alle Schauspieler und teilweise so arbeiten würden wie Clowns, würden vielbessere Schauspiele entstehen. Ein schöneres Kompliment kann man sich an die Clownerie gar nicht wünschen. Wir gehen jetzt noch gemeinsamen Essen und besprechen Organisatorisches undSicherheitsfragen, danach ins Bett und freuen uns, was morgen passiert. Und natürlich wird Katrin

das fotografisch und filmisch festhalten, worauf wir uns schon sehr gespannt sind.

Am Morgen im Theaterhaus Mitte, 12. Juli 2019

Alle sind da. Auch Katrin ist gestern spät in Berlin eingetroffen und ist nun bei der Probe dabei. Alle sind etwas müde vom gestrigen Abend. Die eine hat müde Füße von den Clownschuhen in Übergröße, andere haben noch die halbe Nacht gearbeitet oder sind einfach erschöpft von der Intensität unserer Proben.

Susi stellt uns einen möglichen Ablauf für unser Stück vor: Tamaro hat seine beiden Freundinnen in sein Land eingeladen, um dort eine Show zu spielen, aber es ist viel zu heiß zum Arbeiten.

Wir sind alle einverstanden und lassen uns auf einen ersten Durchlauf ein. Wir stolpern durch das Stück, schwimmen, singen, improvisieren, leiden und lachen.

Katrin wird von der Botschaft angerufen und gebeten, die Pässe für die Visa vorbeizubringen.

Für die Clowns geht’s weiter mit einer gelben Sonne, zwei bunten Regenschirmen, zwei Paar Pois, einer Zeitung, einer Trittleiter, einem Akkordeon und einer Djembe.

Nach vielen vielen Versuchen, Impros, Wiederholungen, ordnenden Analysen steht abends ein grober Ablauf fest, die Visa sind in den Pässen, die Künstlerverträge unterschrieben und die Aufregung liegt in der Luft.
Susie hat mal wieder ihre Geduld und ihre feine Nase für lustige und inspirierende Momente bewiesen, Katrin wurde von dem Mitarbeiter der Botschaft zum Essen ausgeführt, ich, Helen habe zwei neue Lieder gelernt und mich mindestens 50 Mal blamiert – mit Absicht und ohne, Barbara hatte die Schuhe dann doch wieder an und Ouelgo spielt, als sei er schon immer Clown.
Il fait chaud!

Der erste ist schon da...

29.09.2019

Salut salut ihr lieben! Ich bin in ouaga gut angekommen! Hoffe euch geht es gut!

Unsere Burkinareise hat begonnen. Ich Ouelgo bin den andern voraus gereist, um alles zu organisieren und bin gestern mit dem Flugzeug angekommen. Im Gepäck viele Scheinwerfen etc. für den Verein AADO (Association Art et Développement de Ouagadougou www.aado.ch), der ein Kunstzentrum betreibt und bei welchem wir proben und spielen werden, und natürlich das Clownkostüm. Sobald die Flugzeugtüre aufging, dachte ich: „Il fait chaud!“ Ja es ist schwül heiß; zu heiss für diese Jahreszeit und eigentlich sollte es auch nicht mehr regnen, denn die Regenzeit sollte abgeschlossen sein. Aber für unser Clown-Stück passt das perfekt! Da geht es ja auch um die Hitze und den Regen; darüber zu lachen und gemeinsam zu reflektieren.
Der Regen hier in Burkina ist aber kurz und intensiv, so dass die meisten Leute lieber abwarten bis er vorbei ist und nur wenige einen Regenschirm besitzen. Regenschirme für die Produktion zu finden, ist also gar nicht so leicht! Aber zum Glück kenne ich viele Leute, die mit Tipps geben, in welchen Geschäften und Märkten ich es auch noch versuchen könnte.
Bei AADO ist für uns schon alles bereit! Bis vor kurzem hat dort noch ein mehrtägiger Gitarrenkurs unter der Leitung eines bekannten Musikers stattgefunden, der auch vom Fernseher gefilmt wurde. Und bald schon werden wir da Proben und andern Leuten das Clownhandwerk näher bringen. Die Leute sind gespannt und freuen sich schon jetzt auf uns!

Die Reise beginnt... 1. Tag

30.09.2019

Um 3:15 Uhr klingelt der Wecker. Mein Leben als Reiseclown beginnt. Um 5 treffe ich Barbara am Flughafen, um 12 treffen wir Katrin in Brüssel und um 15:30 Ortszeit findet uns Ouelgo im Trubel bei der Gepäckausgabe in Ouagadougou.
Ouagadougou: Es ist heiss. Das Auto ist zu klein für unser Gepäck und vier Clowns plus Chauffeur, deshalb darf ich mit Ami Mobilet fahren. Ami ist eine gute Freundin von Barbara und nimmt mich gerne mit. Also, hintendrauf, und dann auf die Piste. Erst sind die Strassen noch asphaltiert. Ich muss an meinen Mann zuhause denken, der sich in Berlin für eine lebbare Fahrradinfrastruktur stark macht: Sogar hier sind die Rad-/Mobiletwege getrennt von der Autofahrbahn, dabei fahren kaum Autos. Wie ein Schwarm bewegen sich die Mobilets in einem Affenzahn durch die tropische Feuchtigkeit. Schulter an Schulter mit Müttern mit Babys im Tragetuch, Männern mit Ronaldo-Hemden, Frauen in Nikab, Jungs mit farbigen T-Shirts und Männern und Frauen in traditioneller Kleidung knattern wir durch die von niedrigen Häusern mit Flachdächern gesäumten Strassen. Schon bald verlassen wir den Asphalt und fahren weiter auf breiten Sandwegen. Roter Sand. Es kommt Wind auf. Dicke schwarze Wolken hängen über der Stadt, die Leute lassen sich nicht von den Sandwirbeln beeindrucken und gehen weiter gelassen ihrem Tagesgeschäft nach.
Song Taaba: Wir sind da. Schade, gerne wäre ich noch weiter mit Ami durch diese Fremde gedüst. Aber hier ist es auch gut. Die berühmte Terrasse bei Salif ist so, wie sie mir beschrieben wurde: gemütlich, pflanzenumwachsen, freundlich und sicher.
Dann kommt der Regen. Für eine halbe Stunde, vielleicht ist es auch eine ganze, die Zeit scheint stehen zu bleiben, regnet es. Der Alltag steht still, Ami und ich sitzen in der Rezeption und warten. Die anderen Clowns kommen endlich mit dem Auto an, draussen fällt immer noch das Wasser aus der Luft.
Abends sitzen wir auf der Terrasse und planen unsere Auftritte.
Ouelgo bringt uns in ein Restaurant zum Essen, in dem ich schon ein paar regionale Köstlichkeiten probiere.
Es ist nicht nur heiss, wir sind auch müde. Darum ist um 20:30 Uhr Ortszeit Schicht im Schacht.
Ich freue mich auf die nächsten Tage und darauf, endlich zu spielen!

2. Tag

01.10.2019

Nachdem es gestern stürmte und regnete, wurden wir bei trockenem, friedlichen Wetter wach. Nach einem wunderbaren Frühstück auf der Terrasse, starteten wir durch zu unserer ersten Probe. Im AADO ist ein toller Platz zum Proben. Wir hatten Schatten, Ruhe und sogar ein wenig Publikum. Dass wir uns an alles im Ablauf gut erinnern konnten, war ein gutes Vorzeichen.

Völlig durchgeschwitzt kamen wir zurück ins Song Taaba, um dort zu hören, dass wir sofort spielen sollten. Also: rein in die Kostüme und rauf auf die Bühne. Diese war sehr klein. Immer wieder rückten uns die faszinierten Kinder auf die Pelle, dass wir sie baten, doch noch einmal ein Stückchen zu rücken, damit wir unsere Acts weiterspielen konnten.

Es wurde gelacht, gesungen und geklatscht. Die Kinder fanden Barbaras und meine Versuche, Moré zu singen (und zu tanzen) zum Kichern, Ouelgo machte einen exzellenten Animateur, riss jedes Kind und auch die Erwachsenen mit. Als Barbara nicht von der Leiter steigen konnte, konnten wir Gelächter in allen Tonlagen hören. Es hat grossen Spass gemacht. Uns und – wie schön – auch den Kindern.

Schon wieder durchgeschwitzt, fielen wir unter die Dusche, aus der wir müde und abgekühlt herauskamen. Pause gab`s aber noch nicht. Viel Organisatorisches gab es noch zu klären. Geld, Telefonkarten, Internetverbindung, Einkäufe…

Nach dem Essen gingen wir mit Ami auf den Markt um Obst für den Abend zu kaufen. Auch das war ein grosses Erlebnis: Farben, Gerüche, Klänge, Produkte, getrocknete Larven, Seife und Stoffe in allen Farben und Formen.

Nun sitzen wir müde und erschöpft auf der Terrasse, machen unsere tägliche Rückmelderunde, planen die nächsten Tage, träumen von den kommenden Auftritten und freuen uns über einen gelungenen ersten Tag in Ouagadougou.

3. Tag: Ye-soma

02.10.2019

Heute morgen bin ich um 6 Uhr aufgewacht, es regnete in Strömen. Irgendwie ein wohliges Gefühl und ich war ganz schnell wach. Schliesslich wäre es in Europa bereits 8 Uhr. Um sieben setzte ich mich vorne an den Frühstückstisch und war bereit den heutigen Tag, einen richtigen «Clowns ohne Grenzen Tag» mit zwei Spektakeln zu beginnen.

Nach dem obligatorischen Vorhangdeko-an-meinem-Kostüm-wieder-annähen, ging es dann endlich um 11:45 in voller Montur los zum «Place de la femme» in Gounghin. Nachdem wir den Wirt, vor dessen Restaurant wir spielen durften, begrüsst hatten, fingen Ouelgo und ich an, mit Musik die Kinder zu animieren. Wir hatten uns für einen Platz im Schatten entschieden unter zwei Bäumen. Nach ca. 15 Minuten waren die Kinder aus allen Höfen geströmt und umringten uns so eng, dass wir uns wieder Platz verschaffen mussten, um überhaupt spielen zu können. Es wurde trotz des kleinen Platzes und der Bäume , die uns von oben behinderten, eine anständige zweite Vorstellung und die Kinder wollten uns nach der Vorstellung nicht gehen lassen. Spannend war, dass bei den ca. 70 Zuschauern Kindergärtner , GrundschülerMittel- und Oberstufenschüler dabei waren.

Erschöpft von der rausgekommenen Sonne, ging ich nach dem Essen noch Geld besorgen, was mir bereits beim zweiten Visaapparat gelang, nur nicht in der Höhe, in der wir es gebraucht hätten. Tant pis. (Macht nichts) die nächsten paar Tage reicht es und wir sind vorgewarnt.

Nach einem tiefen halbstündigen Mittagsschlaf ging es los in den nächsten Spielort vor dem Familienhof des neuen AADO Präsidenten ebenfalls in Gounghin. Der hatte schon alles vorbereitet, einige Kinder erwarteten uns bereits gespannt und wir konnten uns in seinem Wohnzimmer umziehen.

Ye-soma (Ausruf hier für etwas besonderes) Plötzlich kam Hektik auf, la pluie menace, der Regen bedroht uns, und wir fingen von null auf hundert an zu spielen. Wer hätte gedacht, dass nach meiner nachmittäglichen Krise, wir gegen Abend so ein Spektakel hinlegen. Mitten im Stück fing es wirklich an zu regnen, aber die rund 100 Zuschauer blieben, verzogen sich rechts und links unter die Bäume und wir spielten mit unseren Regenschirmen wie in einem Zirkus mit Seitentribünen weiter. Sobald wir die Regenschirme ausser Plan als Regenschirme benutzen um das Lied in More mit Ouelgo, alias Tamaroro zu singen und dabei völlig auszuflippen -zum Missmut unseres Clownschefs- hörte der Regen wie durch ein Wunder auf. Die Kinder, Jugendlichen und Erwachsenen blieben unter den Bäumen und wir spielten unsere Zirkusvorstellung würdevoll komisch zu Ende.

Wieder wollten uns die Kinder nicht gehen lassen, liefen uns nach in den Familienhof und wurden verscheucht. Heleneken und Charlotte gingen nochmals raus und liessen sich von den Kindern die Namen sagen und Ouarba lernen, ein traditioneller Tanz der Mossi, die die Hauptbevölkerung in Ouagadougou ausmachen. Burkina Faso ist ein Zusammenschluss von ca 60 Ethnien. Jede Ethnie spricht eine eigene Sprache. Jede Ethnie ist mit einer anderen Ethnie verbunden und man macht, Witze über den andern, sobald man einen der Ethnie «de plaisanterie» trifft.

Nur noch eins: heute abend im obligatorischen Rückmeldungsgespräch erfuhren wir von Ouelgo, wie er heute die Spielorte auf der Strasse sicher gemacht hat, in dem er bis spät in die Nacht gestern mit allen Nachbarn gesprochen hat und uns alle als Gäste angekündigt hat, die für ihre Kinder spielen würden. So konnte er sicher sein, dass uns nichts passiert. Danke Ouelgo, dass du das alles für uns machst und dank ihm hat die Truppe nicht nur bei den französisch sprechenden Kindern eine Chance sondern vor allem auch bei kleinen und grossen die besser More sprechen. So sind dann nach dem Spiel Improvisationen möglich wie mit dem hupenden Eisverkäufer der plötzlich alle Nasen der Clowns und anschliessen denen der Kinder zum Hupen bringt . Oder das Empowerment der Mädchen im Publikum, die sich bekringeln vor Lachen, wenn wir zwei weiblichen Clowns nicht auf unseren Chef in More hören. Ye-Soma.

4. Tag

03.10.2019

Diese Nacht haben wir ein grosses Rätsel gelöst. Mitten im Schlaf wurden wir die letzten Nächte durch ein komisches Geräusch geweckt, das uns an ein Schwein, das Abfälle sucht, erinnerte. Doch diese Nacht morgens um drei, als wir das Geräusch wieder hörten, schlichen wir an die Fensterschlitze und erkannten, einen Mann mit einem Antimückenspritzgerät, das grunzenden Geräusch wurde durch den Spritzhebel verursacht. Der 4. Tag in Ouaga begann hell und klar. Die Sonne war das erste Mal da und die Temperatur stieg stetig. Heute waren wir Gast im Quartier des Vereins AADO. Unter einem Baum vor dem Haus eines Nachbars lockten die jungen Mitglieder des Vereins mit Trommeln und Rasseln die Kinder nach Schulschluss um 12.00 zu unserer Vorstellung. Da die Schule, nach Ferien von 3 Monaten, diese Woche wieder begann, waren alle Kinder schön gekleidet und die Mädchen haben neue, fantasievolle, farbige Frisuren. Die zweite Vorstellung fand zwar in der Nähe statt, war aber an einer befahrenen Strasse. Als wir ankamen, waren erst ungefähr 20 Kinder da. Wir begannen mit einer Animation und da kamen sie. Von beiden Seiten strömten uns die Kinder und Erwachsenen zu. Wir konnten sie von Ferne sehen, wie sie zu uns liefen, rannten, Querstrassen überquerten. Mobilets blieben stehen, Lastwagen passierten, wir spielten gegen sie an. Während der Vorstellung konnten wir im Spiel wahrnehmen, wie ein Auto mit Soldaten vorbeifuhr. Welch Gegensatz: Leute mit Maschinengewehren und eine Handvoll Clowns an derselben Strassenecke. Die 120 Zuschauer waren unsere!

Das Spielen von 2 Vorstellungen auf offener Strasse war anstrengend, doch auf diese Art konnten wir viele Kinder erreichen, die nicht in die Schule gehen. Und die Freude der Kinder, die nach der Vorstellung noch unbedingt Charlotte und Heleneken die Hand schütteln wollten entschädigt für alles.

5. und 6. Tag

05.10.2019

Gestern sollten wir im Kulturzentrum in Koubry spielen. Nach reifer Überlegung machte uns Ouelgo, chef de securite einen Strich durch die Rechnung. Für eine Rückkehr bei Tageslicht war die geplante Aufführungszeit von 17 Uhr zu spät. Da eine frühere Aufführungszeit am heutigen Tag für die Kinder nicht möglich war, mussten wir die Vorstellung auf nächste Woche Donnerstag verschieben. Wir nutzten den Tag für die Vorbereitung des kommenden Workshops, den die Leute hier von uns regelrecht einfordern. Der Workshop wird 3 volle Tage stattfinden, mit mindestens 20 Teilnehmer*innen aus Bobo-Dioulasso und Ouagadougou. Einerseits nehmen Multiplikatoren am WS teil, die die Clownarbeit als Stück und pädagogisch an Kinder weitergeben, andererseits wird Ouelgo von professionellen Humoristen angefragt, ob sie auch teilnehmen dürfen, was den WS für die teilnehmenden Jugendlichen aufwertet.
Ouelgo bereitete unsere Vorstellungen im Viertel Quartier Ouidi nach. Er besuchte alle Familien an unseren Spielorten, um sich zu bedanken, dass wir bei ihnen spielen durften. Hier in Ouagadougou ist es wichtig, dass unsere Spektakel in das soziale Netz eingebunden werden. Auf diese Art entwickeln sich nachhaltige Beziehungen zu den Menschen in den Quartieren. Für Ouelgo und seine Arbeit hier ist das sehr wichtig, für uns und Clowns ohne Grenzen ist es ein unschätzbarer Wert.

6.Tag AMPO

Nachdem wir noch alle Clownsnasen für den Workshop am Montag vorbereitet haben und die Nasengummis verlängert haben, ging es um 14.30 quer durch die Stadt zur anderen Seite von Ouagadougou zu AMPO. Wir durften da im Waisenhaus spielen vor 60 Jungs und 60 Mädchen die alle entweder von da aus in die Schule gehen oder eine Lehre machen und dazu noch die Abendschule besuchen. Beindruckt waren wir von der Vitalität der Jugendlichen. Die beschäftigten sich am freien Tag selber mit Fussballspielen, Pingpong ohne Tisch, indem sie den Ball mindestens 60 mal hin und herjonglierten, oder einfach Musik hörten und dazu tanzten.(Später erfuhren wir das die Jungs einmal in der Woche Zirkus machen, Jonglieren und Einradfahren lernen) Keiner starrte aufs Handy, wahrscheinlich dem Umstand geschuldet, dass es keine gab .

Im Gespräch kam raus, dass AMPO im Februar sein 25 jähriges Jubiläum feiert. Die Gründerin von AMPO hatte damals ihre Buchhandling im Norden von Deutschland verkauft um das Waisenhaus für Strassenkinder zu gründen. Mittlerweilen betreiben sie mehrere Werkstätten neben dem Waisenhaus, produzieren Handradrollstühle in eigener Produktion und führen an einer anderen Stelle auch noch ein Haus für «mêre fille»(Mädchenmütter). Seit letztem Jahr gibt es ein burkinisches Leitungsteam, die für Katrin Rhode jetzt AMPO erfolgreich weiterleiten.

Marthe, die deutsch sprechende Assistentin von AMPO, mit der ich Mailkontakt hatte, liess bereits die Bänke bereitstellen, als wir um 15.30 ankamen. Da bei den Nachbarn im Hof und auf der Strasse eine Heirat, mit Musik aus riesigen Lautsprechern, gefeiert wurde, bat sie uns früher zu spielen, damit der Lärm von aussen nicht zu gross wird.

Nachdem wir uns noch den Platz der Bänke gewünscht hatten und uns im knallheissen Büro umgezogen haben, ging es los. Hmmm, alle sassen brav auf den Bänken, das waren wir uns von den Strassenshows gar nicht mehr gewohnt. Also versuchten wir mit Sprechchören über unsere Namen die Kinder ein bisschen aus der Reserve zu locken, was uns auch gelang. Ebenfalls gab es in der Mitte der Bänke, zwischen den Jungen und den Mädchen, einen riesigen Abstand. Genau in der Mitte vor unserer Bühne sassen keine Kinder und Jugendlichen. Hmm, Charlotte managte dies indem sie in Gramolo (Fantasiesprache) die Jungs hinüberrutschen liess, natürlich nicht zu nah an die Mädchen aber trotzdem so dass die Clowns nachher Publikum vor sich sitzen hatten.

Die Kinder und Jugendlichen kamen auch da ins Kichern, Lachen und Staunen. Die Verzögerung der Reaktionen führte Marthe, der das Spektakel sehr gefiel, auf die vielen traumatisierenden Familiengeschichten der Kinder zurück.

7. Tag

06.10.2019

Heute ist Bergfest. Die Mitte unserer Reise.

Der Tag verläuft so, wie ich mir im Vorhinein die Tage als Reiseclowns vorgestellt habe. Nach dem Frühstück bereiten wir fleissig den Inhalt unseres Workshops vor. So fleissig, dass die Zeit plötzlich um ist und wir mit ein bisschen Hetze aufbrechen. Wir spielen in Loumbilla. Das ist eine Reise von mindestens einer Stunde. Wir verlassen die Herberge in unseren feinen Klamotten. Auf der Strasse liegt ein Junge, der sich nicht regt. Nach Diskussionen im Auto, alarmierten Nachbarn, vielen halbwahren, unwahren und wahren Antworten auf unsere genauen Nachfragen und vielen Sorgen in unseren Köpfen, wissen wir abends, dass der Junge Epileptiker ist. In breiten Schichten der Gesellschaft in Ouagadougou wird Epilepsie nicht als normale, behandelbare Krankheit gesehen. Viele Menschen haben Angst vor Ansteckung, Besessenheit oder vor den Kosten, die die Folgen erster Hilfe sein könnten. So wird der Junge in der Sonne liegen gelassen, bis Ouelgo und Salif (der Chef der Herberge) ihn in den Schatten tragen. Danach erst trauen sich die Kinder, zu seinen Eltern zu laufen.
Wir sind ja aber auf der Reise nach Loumbilla. Wenig später geraten wir in eine Polizeikontrolle: wir seien über rot gefahren. Es stimmt zwar, lag aber daran, dass uns ein Auto die Vorfahrt genommen hat und wir mitten auf der Kreuzung beim Sprung auf rot nicht mehr stehen bleiben konnten. Wir wollen um 14:00 Uhr spielen! Die Polizisten lassen uns weiterfahren, behalten aber die Papiere des Fahrers bei sich, um sicher zu stellen, dass das Verfahren zeitnah abgewickelt wird. Der Fahrer wird immer stiller. Die Stimmung im Auto ist irgendwo unterm Gefrierpunkt, während die Landschaft um uns rum immer lieblicher wird. Wir haben Ouagadougou verlassen und hetzen durch grüne Weiten. Um 13:15 erreichen wir Loumbilla. Loumbilla ist ein Bezirk von 32 Dörfern, die zu einer Gemeinde ausserhalb von Ouagadougou zusammengefasst sind. Nach dem Ortsschild fahren wir noch 15 Minuten, bevor wir das modern gebaute Rathaus erreichen.

Hier arbeitet Paul Daryam, den Barbara schon lange kennt und schätzt, ehrenamtlich als Bürgermeister. Früher war er Chef der Burkinischen Abteilung des schweizerischen Arbeiterhilfswerks (SAH heute Solidar) und hat in jahrzehntelanger Fleissarbeit bilinguale Schulbildung in Burkina Faso etabliert. Wir rufen seinen Mitarbeiter an, dass wir da sind. Er verspricht uns, nach draussen zu kommen. Als niemand rauskommt, klopfen wir einfach und gehen rein. Wir platzen in eine Runde Männer in traditioneller Tracht und schwarzen Ledersesseln, die gerade essen. Wir setzen uns kurz dazu und Barbara macht hervorragenden Smalltalk mit dem Bürgermeister. Dann können wir in den Saal, wo schon die ersten Kinder auf uns warten. Herman, der Kulturbeauftragte fängt an, die Kinder zu animieren. Unter anderem spielt der die Burkinische Hymne.

Eine halbe Stunde später ist der Saal voll, Paul im Sessel in der ersten Reihe, und wir fangen an zu spielen. 15 Minuten in der Show, kommen weitere Kinder in Scharen in den Saal. Sie sitzen auf dem Boden, auf Stühlen, sie stehen auf Stühlen hinten und an der Seite, sicher 600. Die Vorstellung läuft gut, es wird gelacht und gestaunt. Wir haben grossen Spass. Zum ersten Mal hier in Burkina, gelingt die Seifenblase beim ersten Versuch. Nach der Vorstellung tanzt Hermann mit Barbara Ouarba, alle Kinder fangen an zu tanzen. Uns ist heiss!

Nun sind wir zurück in Ouaga, die Teilnehmer*innen für unseren Workshop aus Bobo sind angekommen. Wir treffen sie kurz und freuen uns auf die gemeinsamen drei kommenden Tage.

8. Tag

07.10.2019

Da wir auf Grund der unsicheren politischen Situation nicht in die 6 Stunden entfernte zweitgrösste Stadt von Burkina Faso, Bobo-Dielassou reisen konnten, luden wir 5 Artisten nach Ouagadougou ein, an unserem Clownsworkshop teilzunehmen. Die « Bobolaisen» übernachteten im Probelokal und waren schon bereit loszulegen, als wir heute gut vorbereitet und ein bisschen nervös um im Probelokal des Vereins AADO eintrafen. Schnell füllte sich der Hof mit Schauspieler*innen, Komödiant*innen und Jugendlichen, die noch nie eine Bühne betreten haben, Bekannte begrüssten sich, reges Stimmengewirr und um 10 Uhr konnte der Kurs beginnen.

Plötzliche Stille, wir bildeten einen Kreis und Barbara erklärte den 22 Teilnehmer*innen das Tagesprogramm und die Regeln, wie z. Bsp. keinen Handygebrauch, Pünktlichkeit und gegenseitigen Respekt, die während dem Workshop gelten sollen.

Dann konnten wir loslegen. Die Teilnehmer*innen legten sich ins Zeug. Beim Aufwärmen, beim Grundlagentraining, beim Erstkontakt mit der Nase, beim Statusspiel, beim Darstellen von Emotionen haben wir viel viel gelacht und gelernt. Schnell merkten wir, dass diese Gruppe, die sehr viele verschiedene Niveaus zusammenbringt, eine interessante Mischung ist. Sie sind kaum zu bremsen.

Wir wurden Zeuge, wie unsere Teilnehmer*innen Rollenklichees umdrehten, wie kleine Bewegungen und introvertierter Ausdruck manchmal sehr berührend sind und wie viel besser verständlich jeder in seiner Muttersprache ist.

Den Höhepunkt des Tages bildete Nalles berüchtigte Sockenübung (Nalle Laneela ist der Gründer der schwedischen Clowns ohne Grenzen), in der eine erfundene Geschichte erst mit Socken als Handpuppen und anschliessend mit dem ganzen Körper erzählt wird. Barbara gelang es hervorragend, uns und die Gruppe durch diesen heissen Tag zu steuern. Sie kitzelte aus jedem und jeder etwas Neues heraus, half mit Tipps, bremste in den richtigen Momenten mit Ermahnungen und trietzte mit unermüdlicher Energie diejenigen, die es brauchten. Danach gab es nur noch eines: die DUSCHE!

9. Tag

08.10.2019

Um zehn Uhr waren zwar noch nicht viele da, aber um 10:30 Uhr waren wir alle munter beim Aufwärmen. Heute ist Slapstick dran. Die Stimmung steigt noch einmal um 50° bei der Ohrfeige. Wir können es gar nicht lassen, uns gegenseitig geräuschvoll zu verhauen. Bei dieser Übung muss ich zum ersten Mal heute so lachen, dass es mich schüttelt.

Hin und wieder gibt es komplizierte Fragen: «wie ist die genaue Reihenfolge der Bewegungen?» «erst einmal tritt man vorsichtig mit dem Fuss gegen die Ecke, dann knallt man mit der Schulter an die Wand, dann federt der Kopf zurück und anschliessend muss man sich mit der gleichen Hand die Stirn halten».

Die Teilnehmer*innen machen wahrlich irrwitzige Improvisationen. Völlig ungehemmt stolpern sie, rutschen aus, fallen immer wieder, knallen mit Gesicht oder Kopf gegen die Wand oder den Boden. Nach drei Stunden sind wir alle völlig staubig. Wir sitzen und essen. Da legen die Kinder los. Heute morgen haben einige Kinder beim Workshop zugeschaut. Ein Junge fällt mir auf, weil er beim Gehen plötzlich stolpert. Ich schaue genauer hin und sehe, wie er seinem Kumpel eine Ohrfeige gibt (mit vorgehaltener Hand, perfekt kopiert, was wir vorher vor gemacht hatten)

Nachmittags müssen die Kinder leider raus, weil wir wirklich hart arbeiten und es doch laut wird im Publikum. Jede*r hat ein Objekt mitgebracht und bearbeitet dies. Es entstehen Szenen mit Mut zur Lücke. Vieles funktioniert und wir liegen wieder am Boden vor Lachen. Anderes ist einfach schön, oder zu langsam oder einfach nicht so lustig. Barbara schraubt, feilt und und biegt an den Szenen, bis jede etwas hergibt.

Unsere Teilnehmer*innen haben heute wirklich einen Sprung gemacht. Auch ich habe wieder wichtiges dazugelernt. Und das Tempo liegt hoch.

Wir haben Frauen gesehen, die sich am Boden wälzten, einen Mann, der sich mit einer Zange die Popel aus der Nase holte, einen Musiker, der sich heillos in den Gurten seiner DJembe verhedderte und vieles vieles mehr, was mir noch heute Abend die Lachtränen in die Augen treibt. Es war ein würdiger Slapstick-Tag.

10. Tag

09.10.2019

Heute wollen wir die Resultate des Workshops dem Kinderpublikum und der von Ouelgo organisierten Presse um 15:30 Uhr zeigen. Also schaue ich mir alle Dreier-, Zweier- und Einerszenen, die einigermassen funktioniert haben von 10-13 Uhr nochmals an und mache ein Anfangsbild und ein Schlussbild.

Ich versuche den Frust, des Improvisationen Wiederholens vorher zu erklären und zu erklären, dass es wichtig ist, sich die Struktur der Nummer zu bauen und bewusst zu machen. Ich merke, dass «meine neuen Clowns» nervös sind… Hm, ich spreche nochmals vom «Poubelle», dem Abfalleimer, und dass man auch durch Nichtfunktionierendes lernt und das dann einfach in den Abfalleimer schmeisst. Ich werde dem Publikum sagen, dass wir ein Workshop-Resultat zeigen.

Wir arbeiten 3 Stunden richtig hart an insgesamt 20 Szenen die alle nicht länger sind als 3 Minuten, manche sind auch nur Passagen von weniger als einer Minute, «keep it short and stupid». ( Frei nach kiss: «keep it short and simple») Wir sprechen nochmals von Timing, von der Steigerung, vom Publikumskontakt, vom Gegenstand als Gegenstand nehmen und nicht als pantomimische Vorstellung davon und vom Kontakt mit dem Publikum, vom Partnerspiel und Timing und wieder überraschen die Bobolaisen mich und bauen in die Statusübung Weissclown-August noch die Timing-nummer mit Auflesen eines Gegenstandes ein.

Trotz Anspannung merkt man, dass alle die letzten drei Tage was gelernt haben und alle Sprechen mit ihrer Stimme, wenn sie überhaupt sprechen und versuchen nicht einen Clown zu spielen! Berührend, wenn einer Der Bobo-Gruppe ängstlich 3 Meter in die Höhe unter die Decke klettert und von unserem Workshopteilnehmer und Mitlglied von AADO vom Handrollstuhl aus (Rollstuhl mit Fahrradmechanik für die Hände) runtergeholt wird mit kurzen Sätzen und Wasser.

Als die Presse schon im Publikum sitzt, organisiere ich nach dem Mittagessen noch den Ablauf und wir machen die Wechsel einmal durch, was sich als sinnvoll erweist, da einige meinen Erklärungen nach nicht folgen können und trotzdem ja sagen, sie hätten es verstanden. Learning by doing, das war auch so während des ganzen Workshops meine Devise, da mancher mich manchmal mit grossen Augen anguckte und «jaja» sagte, einfach privat auch die perfekten Clowns.

AADO und ich machen für die Kinder eine Ansage, ich erkläre den Workshopcharakter und dass sie die Schauspieler Clowns ihre Unterstützung und ihr Lachen als «Encouragement» (Ermutigung) brauchen können.

Es geht los und es läuft wie am Schnürchen, auch die Wechsel. Später erzählt mir Helen, dass sie wie ein pantomimischer Derwisch hinten die Leute bereitgestellt habe. Einiges gelingt besser als am Morgen, vor allem die Profis unter den Teilnehmer legen nochmals einen drauf und ich muss öfters von Herzen lachen. Wenn unser Profi-Comedy-Teilnehmer am Schluss, nachdem die zwei Laien ihm die Show gestohlen haben (was er inszeniert hat) verzweifelt ruft «C’est moi L’artiste, cest moi Lartiste» («Ich bin der Künstler!») und mit gebundenen Händen davon humpelt, könnte ich mich krümmen vor Lachen.

Diese Mischung von Quartierjugend, Profischauspielern, erwachsene Jugendgruppe aus Bobo und Schauspielern aus Ouaga in Ausbildung oder gerade fertig war die ganze Woche einfach zauberhaft. Schön zu sehen, wie die Profis sorgfältig und respektvoll mit den jungen Schauspielerinnen aus Bobo umgegangen sind, die als Clowns während dem Kurs die 16 männlichen Teilnehmer buchstäblich manchmal an die Wand gespielt haben. Obwohl viel weniger Frauen (6 von 22) da waren, haben wir es geschafft, auch da Empowerment zu schaffen, für die jungen Frauen und für die Jugendlichen. Einige Profis konnten wir für die Clownsarbeit gewinnen und sie wollen weitermachen. Wir sind gespannt.

Im Anschluss, mit nur einer Viertelstunde Pause zum Umziehen, in der Ouelgo und ich noch ein Interview geben mussten und Helen die Seifenlaufe präparierte, spielten wir vor ca 80 Kindern plus Workshopteilnehmern unser Stück, zu dem uns dann alle Teilnehmer gratulierten.

Die Jugendlichen von AADO hatten danach noch Getränke und Tanz organisiert, und so fielen wir buchstäblich nach traditionellem Essen im Ouartier von AADO mit Gesprächen über den Workshop nach einem 14 Stundentag ins Bett.

11. Tag

10.10.2019

Nach einem ruhigen Vormittag, an dem wir den Workshop evaluiert haben, spielten wir endlich wieder. Eigentlich wollten wir ja nach Koubrie. Aber auch dieses Mal konnten wir nicht die Reise antreten. Wir hätten in einer Schule spielen sollen, die aber heute kinderlos war, weil die Lehrer*innen eine Generalversammlung hatten. Also organisierte uns Ouelgo kurzer Hand einen neuen Spielort im Quartier Gounghin auf der Strasse vor dem Theater Marbayassa, in dem einige grosse Burkinische Schauspieler und Schauspielerinnen ihre Bühnenanfänge erfuhren. Wir kamen an und es war leer. Mit einer Animation versammelten wir ca. 50 Kinder und das Spektakel konnte beginnen. Es war eine besondere Atmosphäre. Wir spielten nah an den Kindern mit viel Kontakt und Schwung an den richtigen Stellen. Die Kinder belohnten uns mit ihrem Lachen, ihrer Complicite und viel Unterstützung. Wegen oben genannter Generalversammlung der Lehrer*innen waren auch alle Altersgruppen und sozialen Schichten auf der Strasse anwesend. Für uns war die Vorstellung heute besonders schön.

Abends konnten wir endlich mal wieder eine etwas intensivere Rückmeldungsrunde machen, die uns im Team weitergebracht hat und uns gut auf die letzten zwei Tage unserer Reise vorbereitet hat.

12. und 13. Tag

12.10.2019

Wir können etwas länger schlafen, aber alle treffen sich doch schon um 8:00 Uhr auf der Terrasse. Wir schreiben Berichte, rechnen die Finanzen durch, sprechen noch einmal über den vorigen Tag.

Mittags soll es dann losgehen nach Loumbila zu unserem letzten Auftritt. Und dann fängt es an zu regnen. Es ist kaum noch Luft in der Luft. Überall Wasser. Auf dem Weg zum Auto werden wir teilweise so nass, dass wir zurück müssen, um Wechselklamotten zu holen – Regenschirme haben wir ja im Auto. Und dann geht die Fahrt los. Der Regen ist schon vorbei, bevor wir Ouagadougou verlassen haben. Die Strassen sind sogar trocken, der Himmel verspricht erneut Regen. Also reisen wir frohen Mutes über Land. Am Rathaus treffen wir Herman (den Schulbeauftragten von Loumbila, den wir von letztem Sonntag schon kennen). Er soll uns mit dem Mobilet vorausfahren, bis wir bei der Schule sind, in der wir spielen. Vor uns liegen 9 km unbefestigte Strasse mit vielen Schlaglöchern und ausgeschwämmten Furchen. Die Wolken werden dichter. Langsam macht sich Sorge breit, ob wir diesen Weg mit unserem normalen Stadtauto nach einem guten Guss noch zurückschaffen. Und etwas später kommt der Gedanke, ob wir es überhaupt noch dorthin schaffen. Herman hält uns an, weil wir noch auf jemanden warten müssen, der uns folgen sollte. Da stehen wir also mitten in der Pampa, vier Clowns unter einem schwarzen Himmel. Die Entscheidung fällt schnell: wir müssen zurück. Auf eine befestigte Strasse, bevor der Regen losgeht. Wir huppeln weiter. In der Ferne können wir die Strasse schon sehen, als die ersten Tropfen fallen. Noch sind es Tropfen. Kaum dass wir die Strasse erreicht haben, geht ein Regen los, der alles vergessen lässt. Überall ist nur noch Wasser. Wir halten an einem Restaurant und machen dort Lagebesprechung, während um uns herum die Welt im Wasser untergeht. Eine Stunde lang giesst es. Die Vorstellung in dieser Schule müssen wir leider absagen, aber Herman organisiert uns im Handumdrehen eine andere.

Eine Stunde später betreten wir das völlig durchweichte Schulgelände. Der Regen ist vorbei, alles steht unter Wasser. Wir stellen uns auf eine matschige letzte Vorstellung ein und dürfen uns im Büro der Schulleiterin umziehen: Ein Tisch, ein Stuhl, einige Papiere, ein metallener Schrank und viel Staub in der Luft. Das ist das Zimmer der Schulleiterin. Von hier aus leitet sie diese Schule mit 5 Lehrer*innen und 300 Schüler*innen. Die Kinder sind begabt und wissbegierig, für ihre Bildung stehen sehr wenige Mittel zur Verfügung. Die Lehrkräfte leisten unter diesen Bedingungen eine enorm gute Arbeit, die unseren grossen Respekt verdient.

15 Minuten und wir sind startklar.

Es sind etwa 300 Kinder da. Wir lassen es krachen. Es wird gelacht und gesungen. Es ist eine schöne letzte Vorstellung, nach der Barbara allen Lehrer*innen und der Schulleiterin eine Zusprache hält über unsere Arbeit und ihren grossen Respekt für ihre Arbeit ausspricht.

Toll, dass Herman dies noch möglich gemacht hat. In Ouagadougou ist es uns nicht gelungen, in einer Schule zu spielen, weil der Erstkontakt über den Schulinspektor laufen muss. In der Zeit unseres Aufenthaltes und in der Vorbereitungszeit ist es hier nicht gelungen, an der entscheidenden Stelle den Kontakt herzustellen. In Loumbila war es Dank Herman sehr unbürokratisch und schnell, weil er auf Grund seiner Position als Schulbeauftragter telefonisch den Schulinspektor um Erlaubnis fragen konnte.

Nach einem trockenen Abend liegen wir müde im Bett. Ich wache auf, weil draussen wieder der Regen fällt. Das nächste Mal wache ich auf, als mir ein Klumpen Lehm ins Bett fällt, das Dach löst sich an einer Stelle auf und es regnet immer noch stark, dass ich mich zu Katrin ins Zimmer flüchte.

Gepostet am

19.09.2019