2012 Indien – Reisebericht


22.02.2012 - 08.03.2012

Georgia Huber, Christine Berger, Stefan Knoll, Andreas Schantz, Alex Strauß, Herbert Thomas (Logistik), Manfred Lehner (Fotograf)


Zum ersten Mal waren wir in Indien. Hier findet ihr den Reisebericht dazu von Andreas Schantz. Viel Vergnügen damit!

Itinerary Date :16.03.2012

Indienreise der Clowns ohne Grenzen Deutschland e.V. vom 22. Februar bis zum 8. März 2012

16.03.2012

Vor einer Woche sind wir zurückgekommen aus dem Land der Gegensätze. Zu siebt waren wir – Christine Berger, Georgia Huber, Stefan Knoll, Manfred Lehner, Andreas Schantz, Alex Strauss und Herbert Thomas zwei Wochen lang unterwegs. Das Team bestand aus fünf Clowns – Chai, Nimbu, Pepita, Chapati und Masala – Herbert war unser Reiseleiter und Manfred hat fotografiert.
Gespielt haben wir 13 Shows in und um Delhi und Mumbai für etwa 2800 Zuschauer vor allem Kinder. Dann gaben wir noch 10 Workshops für jeweils 50 bis 70 Kinder, die meistens vor zwei bis drei Stunden vor unserer Show stattfanden. Das sind die Fakten, doch was passierte tatsächlich hinter diesen Zahlen?

Am Donnerstag um kurz nach Mitternacht landeten wir in Delhi. Die Luft hatte deutliche Substanz, Staub und jede Menge unterschiedliche Verbrennungsrückstände. Dies blieb so vor allem Nachts, wenn auf den Strassen von Delhi der ganze Müll vom Tage verbrannt wird um darauf das Abendessen zu kochen.
Gelebt und genächtigt wird in dieser Stadt überall, jede Ecke hat ihren Zweck. Wir fuhren also durch diesen dichten Äther in unser Hotel im nördlichen Zentrum der Stadt, dort sollten wir die nächsten neuen Nächte bleiben. Den nächsten Tag hatten wir Zeit um uns zu akklimatisieren und um in die Stadt einzutauchen.
Wir landeten schließlich in Altdelhi, ein riesiger komplexer alter Markt mit immer kleiner werdenden Gassen, je weiter man eindringt. Ein Maximum an beschäftigtem Leben, tausende Hände, die tragen schieben rühren handeln… keine Touristen sondern indisches sattes Leben.
Auf dem Heimweg entdeckten wir noch einen Tempel Lakshmi-Narayan, mit dem Eintritt verschwand alle Beschäftigkeit, eine Oase der Gelassenheit in dieser Stadt. Durch diesen Besuch erfrischt bereiteten wir noch den folgenden Tag vor.
Die kommende Woche war voll mit unseren Aktivitäten, jeden Tag in verschiedenen Einrichtungen spielen und Workshops geben, irgendwann wieder im Hotel ankommen essen und den erlebten und folgenden Tag besprechen, schlafen gehen. Die Gruppe hält gut zusammen und wir erhalten durchgehend positive Resonanz für unseren Einsatz. Vor allem die Workshops mit den Kindern laufen immer runder und geben uns und den Kindern die Gelegenheit zu vielseitigen Begegnungen. Die Kinder sind uns gegenüber nach kurzem „was sind denn das für welche?“ sehr offen und zeigen großes Geschick in den verschieden Kursen.

Jede Nacht steht der Mond etwas höher und voller am Himmel und grinst uns an, wir gewöhnen uns langsam daran, dass der Mond hier als zunehmende Schale und nicht als aufrechte Sichel am Himmel wandert. Überhaupt fühlt es sich nach einer Woche intensivem hier sein schon recht heimisch an. Bis jetzt blieben wir auch von schlimmen Durchfällen oder vom Kulturschock verschont. Die meisten Inder erwidern freundlich den traditionellen Gruß „Namasté“, der mit zusammen gelegten Handflächen und leichter Verbeugung dargebracht wird.
Nach einer Woche in Delhi geht es mit dem Flugzeug, das wir um haaresbreite gerade noch erreichten, weiter nach Mumbai. Mumbai ist abgesehen von der Einwohnerzahl ca 18 Millionen komplett verschieden von Dehli. Delhi wirkt sowohl in der Bauweise als auch im Verhalten der Bewohner eher tratitionell, Mumbai hingegen entwickelt sich rasend schnell zu einer moderen Metrople. Dies ist nicht nur an der Skyline, sondern auch an den Grundstückspreisen zu erkennen.
Wir kommen hier mitten in der Nacht an und finden problemlos noch ein offenes Restaurant
gegenüber von unserer Unterkunft bei Don Bosco. Hier sind wir von den Salisianern einfach und gut für die nächsten drei Nächte untergebracht.
Am nächsten Tag gastieren wir am Rande des Dharavi Slums bei dem Projekt Dharavi Rocks.
Der Leiter dieser Kinder und Jugendorganisation heißt Vinod Shetty. Ein Mann, der sich zum Ziel gesetzt hat der Jugend hier die Chance zu geben sich mit Hilfe von Musik und Kunst zu verwirklichen. Am Abend waren wir von ihm noch auf ein Fest eingeladen. Ich hatte die Gelegenheit ihn nach seinem Eindruck von unserer Arbeit zu fragen. Er war tief beeindruckt von unserer Ethikcharta und von der Idee „Clown“.
Die meisten Inder nannten uns „Jockers“, dies bedeutet in etwa Spassmacher also Performer, die da stehen und Witze erzählen. Der Clown wie er in der Europäischen Tradition besteht, existiert in Indien nicht. Vinod sagte, dass wir die Kinder durch unser Clownspiel zusammengebracht haben. Vor der Show gab es wohl Reibereien im Publikum zwischen Hindus und Moslems, sobald die Vorstellung los ging war das alles vergessen und tauchte danach auch nicht wieder auf. Zu den Workshops gab er uns folgende Rückmeldung:
„Ihr habt die Kinder an Ihre Grenzen gebracht auf eine gute Weise, für mich war es großartig die dichte Atmosphäre der Herausforderung zu erleben, die durch Eure Art mit den Kindern umzugehen entstand.“
Der Dharavi Slum gilt als der größte Slum in Asien, dort leben in etwa 1 500 000 Menschen. Das besondere in Dharavi ist, dass man sich hier sicher fortbewegen kann. Slum ist in unserem Verständnis vielleicht nicht das richtige Wort. Es ist einfach ein unglaubliches Gewirr von flachen Bauten. Fast in jedem Haus oder jeder Hütte wird etwas produziert. Es ist ein riesiges Arbeiterviertel mitten im Herzen von Mumbai, das in den letzten hundert Jahren langsam gewachsen ist. Es gibt Bestrebungen den Dharavi abzureißen, da die Fläche auf der er steht Gold wert ist für Spekulanten. Bis jetzt konnte dies verhindert werden, doch an den Rändern wird genagt und neu und hoch gebaut.
Übrigens lebt mehr als die Hälfte der Bevölkerung von Mumbai in Slums. Es gibt legale Slums wie z.B. Dharavi und Illegale. Der Unterschied besteht darin, dass die Legalen mit Wasser und Elektrizität vom Staat versorgt werden, die Anderen eben nicht. Einen solchen Slum besuchten wir am letzten Tag in Mumbai.
Wir wurden am Abfrackhafen von Mitarbeitern des Projects Magic Bus durch ein Gebiet geführt, wo ca 400 000 Menschen ohne Genehmigung ihre Baracken, Hütten und „Zelte“ errichteten. Viele arbeiten hier und zerlegen große Schiffe mit Schneidbrennern. Meist sind es Bauern, die auf dem Land keine Arbeit mehr haben, entweder weil die Sonne ihre Ernte verbrennt, da die Regenzeiten immer später anfangen oder da sie sich mit Saatgut von großen Saatgutfirmen in den Ruin treiben ließen. Die Armut treibt sie dann in die Stadt und hier arbeiten sie dann unter härtersten Umständen und leben meist in den Slums. Was mich dort am meisten berührte ist die Würde der meisten Inder, die selbst unter diesen Umständen gute Haltung und ein Lächeln bewaren.

Zum Schluss möchte ich mich noch bei den Mitarbeitern der vielen verschiedenen Projekten bedanken mit denen wir zusammengearbeitet haben und die so großartige Arbeit für die Kinder
und Jugendlichen leisten. Special Thanks to Hope Projekt, Butterfly Projekt, Basti Music, Sunshine Project, Dharavi Rocks, Don Bosco Shelter, Magic Bus
…und Respekt an die indische Seele, die diesen riesen Unterschied zwischen Arm und Reich ertragen kann.

Namasté
Andreas

Gepostet am

11.03.2023