2026 Indien


07.01.2026 - 24.01.2026

Juliane Urmes, Daniele Grivel, Arne Beeger, Anton Czemmel


In Indien sind besonders Kinder von Armut betroffen. Oft verlassen sie ihr ländliches Zuhause und glauben, dass sie in den großen Metropolen ein besseres Leben vorfinden und werden zu Straßenkindern, die um ihr tägliches Überleben kämpfen. Indien ist auch das Land mit der höchsten Zahl an Kinderarbeitern weltweit. 10 Millionen Kinder zwischen 5 und 14 Jahren gehen zwangsweise arbeiten, zumeist in der Landwirtschaft. Oft weil sie Kredite zurückzahlen müssen, die sie selbst oder die Eltern aufgenommen haben. In dieser Schuldknechtschaft arbeiten die Kinder oft 12-16 Stunden am Tag ohne Arbeitsverträge, ohne jegliche soziale Absicherung, ohne Zugang zu Schule und Bildung, und das, obwohl es den „Right to Education Act“ gibt, ein Gesetz, das Bildung als Grundrecht für Kinder anerkennt.

Itinerary Date :12.01.2026

Die Vorbereitungen (oder: Wie alles anfing zu kribbeln)

01.01.2026

Vier Clowns machen sich vom 7. bis 24. Januar auf den Weg nach Indien.
Bevor die Reise beginnt, musste natürlich erst einmal geübt werden. Sehr ernsthaft.
Also … so ernsthaft, wie Clowns eben üben können.

Die Vorbereitungen fanden sowohl online in gemeinsamen Zoom-Treffen als auch bei zwei Probenwochenenden in Bonn statt – dort, wo fast alle Clowns leben. Fast alle. Toni reiste jedes Mal extra an. Er ist ein waschechter Bayer.

Im Alltag heißen sie Arne, Daniele, Toni und Julie. Doch kaum werden die roten Nasen aufgesetzt, verwandeln sie sich in Ratsch, Ritschi, Lali und Boss. Und plötzlich wird alles ein kleines bisschen schräger.

Ein ganzes Wochenende lang wurde intensiv an der Show gearbeitet: Es wurde gestolpert, gelacht, neu erfunden, Einsätze gingen verloren und tauchten wieder auf. Manchmal schien klar: Das klappt nie. Und fünf Minuten später ebenso klar: Das klappt GENAU so.

Zwischendurch gab es Kaffee, lebhafte Diskussionen über Bewegungen, Requisiten und Gags – und immer wieder dieses gemeinsame Lachen, das zeigt: Wir sind auf dem richtigen Weg.

Ein besonderer Meilenstein war die Aufführung im Haus der Familie. Endlich Publikum, endlich echte Reaktionen. Spätestens dort wurde klar: Die Show lebt – und sie ist bereit zu reisen.

Nun sind die Koffer fast gepackt, die roten Nasen poliert und die Vorfreude wächst.
Indien wartet.

Und die Aufregung ist groß.
Fortsetzung folgt.

#clownsohnegrenzen #clownswithoutbordersgermany

Ankommen, Juhu und große Vorfreude

07.01.2026

1. Ankunft: Von Schnee zu Sonne

Gestern ging es los – bei eisiger Kälte in Frankfurt. So kalt, dass es schneite.
So kalt, dass unser Flugzeug erst einmal eine gute halbe Stunde über den Flughafen rollte wie ein Auto auf Parkplatssuche in einer Grossstadt um dann zwischen zu parken.
. Dort warteten bereits zwei Sonderfahrzeuge, die unsere Flügel sorgfältig enteisten. So etwas hatte ich vorher noch nie gesehen.

Dann aber: Abheben. Ruhiger Flug. Alles ganz normal.

Und schließlich die Landung in Indien – bei über 30 Grad, Sonnenschein und brestem Hochsommer Wetter. Gerade noch Schnee, jetzt Schweiß. Ein Kontrast, wie ihn nur eine Clownsreise liefern kann.

Der erste Eindruck von Indien ist laut. Überall wird gehupt. Autos, Rikschas, Roller – alles bewegt sich gleichzeitig, scheinbar ohne Regeln. Es wirkt wie ein einziges großes Chaos. Und doch: Dieses Chaos lebt. Es ist bunt, voller Menschen, voller Geräusche, voller Geschichten. Man weiß gar nicht, wo man zuerst hinschauen soll. Indien empfängt uns mit offenen Armen – und eben auch mit offenem Lautstärkeregler.

2. Juhu, wir leben in Juhu

Unser Stadtviertel heißt Juhu.
Und ja – Clowns, die in Juhu wohnen. Das passt einfach.
Juhu liegt direkt am Strand.
Juhu ist quirlig, lebendig, voller Energie – und irgendwie genau richtig für vier Clowns, die hier gelandet sind. Wir fühlen uns mitten im Geschehen und gleichzeitig herzlich aufgenommen.

3. Proben, Begegnungen und große Aufregung

Heute haben wir im Hof unseres Hotels noch einmal unsere Show geprobt. Zwischen Palmen, Sonne und neugierigen Blicken wurden Gags sortiert, Wege ausprobiert und letzte Feinheiten geschärft. Die Show ist bereit.

Am Abend trafen wir Rupesh den Gründer von Clowns ohne Grenzen in Indien.
Er hat einen großen Teil unserer Auftritte hier organisiert. Gemeinsam saßen wir beim Abendessen, tauschten Geschichten aus, lachten viel und spürten, wie besonders dieses Zusammentreffen war. Es war ein warmes, offenes und sehr herzliches Miteinander. Wir sind Rupesh und den Clowns ohne Grenzen Indien sehr dankbar und gluecklich über diesen Kontakt.

Jetzt wächst die Vorfreude – und die Aufregung.
Denn morgen beginnen unsere ersten beiden Shows in verschiedenen Kindereinrichtungen hier in Mumbai.
Wir sind bereit.
Ein bisschen nervös. Ein bisschen sehr nervös, aber auch sehr gespannt.
Und voller Freude.
Fortsetzung folgt.

Nachtrag: Auf den Weg von Bayern nach Frankfurt ist Tony dem Regisseur Marcus H. Rosenmüller begegnen und er war begeistert und wünschte und alles Gute für die Reise.

📸 Pictures by Clownsteam

Müde Beine, volle Herzen

09.01.2026

Heute ist Tag 3 unserer Clownsreise. Und wir sind sehr, sehr, sehr müde.
Aber mindestens genauso zufrieden und glücklich. Der Tag begann wunderbar – mit einem Frühstück an der frischen Luft.

Für die Zeit hier haben wir ein Auto mit Fahrer. Eine große Erleichterung im indischen Großstadtdschungel – denn ganz ehrlich: Kein Clown sollte hier am Steuer sitzen müssen. Der Verkehr ist unfassbar laut und wirkt völlig chaotisch. Autos, Motorroller, Tuk-Tuks, Busse und Fußgänger bewegen sich gleichzeitig, hupend, drängelnd, scheinbar ohne Pause.

Und doch passiert etwas Erstaunliches: Wie durch ein kleines Wunder passt zwischen zwei Autos immer noch ein Motorroller. Oder ein Tuk-Tuk. Oder beides. Zentimeter werden zu Fahrspuren, Hupen zu Sprache – und alles kommt irgendwie an. Man staunt, hält den Atem an und lernt sehr schnell, Vertrauen zu haben.Heute hatten wir eine großartige Hilfe und Unterstützung: Zeus. Zeus ist ein indischer Schauspieler und wurde uns von Clowns ohne Grenzen Indien vermittelt. Ohne ihn wären wir heute bei vielem aufgeschmissen gewesen – bei der Sprache, beim Orientieren und vor allem dabei, die Menschen und Situationen besser zu verstehen.

Danke, Zeus, dass du uns durch diesen Premierentag begleitet hast. Dann machten wir uns auf den Weg nach Nalasopara, einen eher ländlichen Ort etwas außerhalb von Mumbai. Über die Dauer der Anreise gab es im Vorfeld sehr unterschiedliche Einschätzungen. Einer sagte eine Stunde, ein anderer anderthalb – und Zeus meinte: zwei. Am Ende wurden es drei.

Doch langweilig war diese Fahrt keine Sekunde. Es gab unendlich viel zu sehen: Hochhäuser neben Slums, Kühe mitten auf der Straße, Menschen, die auf der Ladefläche von Transportern mitfuhren, unzählige Szenen des Alltags, die sich wie ein fortlaufender Film an uns vorbeizogen.

Schon nach der Fahrt fühlte ich mich erschlagen von neuen Eindrücken.
Zwischendurch wurde unser Fahrer von der Polizei angehalten. Es folgte eine längere Diskussion, viele Worte, Gesten, ein Hin und Her. Am Ende schien alles geklärt zu sein – und wir konnten weiterfahren. Dann war es endlich so weit: Wir kamen an unserem ersten Auftrittsort an.

Es war die Varatha Life Foundation, eine Einrichtung, in der Waisenkinder, obdachlose Menschen und alte Menschen unter einem Dach zusammenleben.
In der Schule der Einrichtung durften wir uns umziehen. Dort, wo sonst gelernt wird, verwandelten wir uns in Clowns. Auf einer kleinen Bühne spielten wir dann unsere erste Show – vor Kindern, aber auch vor vielen Erwachsenen.
Endlich die Begegnung mit den Kindern. Endlich der Moment, für den wir hier sind.
Es war aufregend. Vieles war noch ein wenig holprig, manches ungewohnt, und wir mussten uns erst aufeinander, den Raum und das Publikum einstellen. Aber im Grunde hat alles gut geklappt.

Am Ende wirkten Kinder und Clowns gleichermaßen zufrieden und glücklich.
Ein erster Auftritt, ein erster Austausch – und ein gutes Gefühl, dass wir angekommen sind. Nach der Premiere blieben wir noch im Clownskostüm und verteilten gemeinsam mit den Mitarbeitenden das Essen für die Kinder – mit roten Nasen, bunten Kostümen und unserem Clownsroller. Eine schräge, aber sehr spaßige AufgabeIm Anschluss führen wir dann zum zweiten Auftritt des Tages. Der Chef der Foundation hat den Kontakt vermittelt. In die Baba Bhaskar Pawar Old Age Home Trust ging es. Ein Altenheim mit einer Farm Obstanbau und Kühe.

Die Alten Menschen die noch fit genug sind können bei der Landwirtschaft helfen und die Einrichtung unterstützen. Die Bewohner kommen aus ganz Indien. Und das Gelände ist wundershön und gepflegt.

Es war ganz anders vor älteren Menschen zu spielen. Für ein älteres Publikum zu spielen, war eine ganz andere Erfahrung. Die Reaktionen waren ruhiger, verhaltener, manchmal sehr still. Und doch war da Aufmerksamkeit, Neugier und immer wieder ein Lächeln. Auch diese Art der Begegnung hat uns viel Freude gemacht.

Wir sind sicher, dass wir das eine oder andere Lächeln hinterlassen zu haben. Auf dem Weg zum zweiten Auftritt gab es noch eine besonders lustige Begebenheit. Unsere Clownkostüme hatten wir diesmal noch nicht an, da das Altenheim nicht weit entfernt lag. Der Leiter der Foundation wollte vorausfahren, um unserem Fahrer den Weg zu zeigen. Er fuhr einen dieser kleinen, lustigen Bullis, wie man sie in Indien oft sieht.
Die Straße war ein Highway. Irgendwann gab es eine Durchfahrt in den Gegenverkehr, weil das Altenheim auf der anderen Straßenseite lag. Und so kam es, dass wir – Toni vorneweg – gute zwei Kilometer als Geisterfahrer im Gegenverkehr unterwegs waren.

In Deutschland hätte es vermutlich sofort eine Verkehrsdurchsage gegeben:
„Achtung auf der A4, Ihnen kommt ein Falschfahrer entgegen – mit einem Clown auf dem Beifahrersitz.“
Der Führerschein wäre weg gewesen, die Geschichte legendär.
Zum Glück gelten in Indien offenbar andere Verkehrsregeln. Alle blieben entspannt, niemand hupte extra laut (also nicht lauter als sonst), und wir kamen heil am Auftrittsort an.

Der letzte Auftritt des Tages fand bei der Child Safe Foundation statt – einem Ort, an dem sich um arme Kinder und Straßenkinder gekümmert wird. Die Kinder haben dort einen Raum mitten im Slum, in dem sie Unterstützung, Schutz und Gemeinschaft finden.
Der Raum ist nur über eine Leiter von der Straße aus erreichbar. Als wir ankamen, waren bereits alle Kinder da – mindestens hundert. Der Raum war sehr klein, dicht gefüllt und voller gespannter Erwartung.

Alle hatten ihre Schuhe ausgezogen, und so beschlossen auch wir, auf Strümpfen zu spielen. Es war erdrückend heiß mit so vielen Menschen auf engem Raum. Und gleichzeitig war es fantastisch. Die Kinder waren sofort dabei. Es wurde gelacht, geklatscht, gejubelt. Die Energie im Raum war überwältigend. Eine intensive, lebendige Show – mit am Ende glücklichen Kindern und mindestens genauso glücklichen Clowns.

Nach diesem letzten Auftritt gingen wir noch gemeinsam mit Zeus essen. Dann fiel langsam die Müdigkeit über uns her. Wir sind sehr müde, sehr platt – und sehr dankbar.
Jetzt freuen wir uns auf den morgigen Tag.
Auf zu neuen Clownsabenteuern.
Fortsetzung folgt. 🤡✨

Schutzräume für Mädchen

10.01.2026

Heute führte uns unsere Reise in den südlichen Teil von Mumbai. Wir spielten in zwei Einrichtungen, die speziell Schutzräume für Mädchen sind – Mädchen, die hier Sicherheit, Unterstützung und neue Perspektiven finden.

Die erste Einrichtung, die wir besuchten, war Aasha Sadan Dadar.Die Einrichtung befindet sich in einem besonderen Gebäude: einem ehemaligen Gefängnis aus der britischen Kolonialzeit. Hier waren einst Aufständische inhaftiert, die gegen die Kolonialherrschaft kämpften. Seit 105 Jahren jedoch ist dieser Ort kein Ort der Strafe mehr, sondern ein Zuhause und Schutzraum für Mädchen.

Hier werden Mädchen vom Säuglingsalter bis zu dem Moment aufgenommen, in dem sie alt genug sind, das Heim zu verlassen. Ein großer Fokus liegt darauf, ihnen eine gute schulische und berufliche Ausbildung zu ermöglichen, bevor sie ihren eigenen Weg gehen.
Kreative Angebote spielen dabei eine wichtige Rolle und unterstützen die Mädchen dabei, Ausdruck, Selbstvertrauen und neue Fähigkeiten zu entwickeln.Die Mädchen, die hier leben, haben alle schwere Erfahrungen gemacht. Sie haben körperliche, seelische oder sexuelle Gewalt erlebt. Viele von ihnen werden durch die Polizei oder durch Hilfsorganisationen in diese Einrichtung gebracht.

Hier finden sie Schutz, Stabilität und Begleitung. Und vor allem: eine Perspektive.
Vor dem Heim steht ein auffälliges blaues Gittergestell. Auf den ersten Blick wirkt es wie ein kleines Bett – tatsächlich handelt es sich um eine Babyklappe. Auch hier werden manchmal Kinder abgelegt, in der Hoffnung, dass sie an diesem Ort Schutz und eine Zukunft finden.

In der Einrichtung leben Mädchen, außerdem auch Jungen bis zum Alter von sechs Jahren. Mit dem Erreichen ihres sechsten Lebensjahres müssen die Jungen das Heim verlassen und werden in anderen Einrichtungen untergebracht.

Unser Auftritt fand in einem relativ großen Raum statt. Und er machte unglaublich viel Spaß. Die Kinder waren sofort dabei, machten begeistert mit, lachten viel und gingen offen in den Kontakt. Wir konnten gut mit ihnen spielen, reagieren und improvisieren. Es entstand eine lebendige, warme Atmosphäre.

Nach der Show hielt die Leiterin des Heims eine kurze Rede. Sie sagte, dass wir – Clowns ohne Grenzen aus Deutschland, aber auch Clowns ohne Grenzen Indien, die diesen Auftritt vermittelt und in dieser Einrichtung bereits mehrere Projekte durchgeführt haben – eine sehr wichtige Aufgabe erfüllen. Viele der Kinder hätten das Lachen verlernt. Durch solche Begegnungen könnten sie das Lachen wiederfinden. Und das sei etwas sehr Wichtiges im Leben.Diese Worte haben uns tief berührt.Die zweite Einrichtung, die wir an diesem Tag besuchten, hieß Balikshram. Auch hier werden Mädchen mit ähnlichen Lebensgeschichten betreut wie in der ersten Einrichtung. Mädchen, die Schutz, Begleitung und Stabilität brauchen.

In Balikshram leben ausschließlich Mädchen im Alter von sechs bis zwölf Jahren. Unser Auftritt fand in einem kleinen Raum statt. Der Raum durfte nur ohne Schuhe betreten werden – also spielten wir auf Strümpfen, ganz nah bei den Mädchen. Der Raum war klein, die Nähe groß. Und genau daraus entstand etwas sehr Intensives. Die Mädchen waren aufmerksam, neugierig und offen. Auch hier wurde gelacht, mitgegangen und ausprobiert. Eine konzentrierte, warme Stimmung, die uns sehr berührt hat. Beide Auftritte an diesem Tag waren für uns ganz besondere Erfahrungen. Die Begegnungen mit den Mädchen in beiden Einrichtungen haben uns tief berührt und uns einmal mehr gezeigt, warum wir hier sind.

Nach beiden Auftritten bekamen wir von den Mädchen kleine, selbstgemachte Geschenke. Kleine Geschenke – aber mit großer Wirkung. Sie begleiteten uns noch lange weiter und machten diesen Tag für uns unvergesslich. Beide Einrichtungen liegen im selben lebhaften und lauten Stadtviertel von Mumbai. Verkehr, Stimmen, Hupen und Bewegung prägen das Straßenbild. Doch sobald man die Höfe der Einrichtungen betritt, verändert sich etwas. Es wird ruhiger. Geschützter. Die Hektik bleibt draußen. Diese Orte sind Inseln der Sicherheit und des Ankommens. Orte, an denen man sich gut aufgehoben fühlt.

Zum Abschluss noch ein Hinweis zu den Fotos:
Es gibt keine Bilder der Mädchen oder der Kinder gemeinsam mit uns Clowns. Aus Gründen des Schutzes und der Privatsphäre dürfen die Kinder nicht fotografiert werden. Wir bitten um Verständnis – und hoffen, dass die Worte ein wenig von dem transportieren können, was wir erleben durften.

Dieser Tag hat uns sehr berührt.
Fortsetzung folgt. 🤍🤡

📸 by Toni und Kalyaan CWB India

Heute ist Sonntag – auch hier in Indien

11.01.2026

Und deshalb hatten wir heute nur einen Auftritt.
Schon früh am Morgen wurden wir von unserem Fahrer abgeholt und machten uns auf den Weg nach Bhiwandi, etwa 65 Kilometer von Mumbai entfernt. Ein kleiner Sonntagsbonus: Die Straßen waren deutlich leerer als sonst. Das Auto kam gut voran. Fast zu gut. Denn wenn hier etwas passiert, ist es kein kleiner Blechschaden – sondern ein echter Unfall.

Egal wie: Wir kamen heil an. Und auf dem Rückweg war dann auch wieder alles wie gewohnt – inklusive Hupen, Gedränge und Verkehr in allen Varianten.Unser heutiger Auftritt fand im Bhiwandi Remand Home for Boys and Girls statt. Eine Einrichtung für Jugendliche, die bereits mit dem Gesetz in Konflikt geraten sind.

Jungen und Mädchen sind hier streng voneinander getrennt. Für unsere Show durften sie ausnahmsweise gemeinsam zuschauen – allerdings weiterhin klar getrennt: Jungen auf der rechten Seite, Mädchen auf der linken.

Heute Abend sind wir noch zu einer Clownshow von Clowns ohne Grenzen Indien eingeladen. Anschließend soll es eine sogenannte Clownparty geben. Was genau das bedeutet, wissen wir selbst noch nicht. Wir lassen uns überraschen – und berichten morgen.

Beste Grüße
Ratsch, Ritschi, Lali und Boss 🤡✨

Clowns unter Clowns

12.01.2026

Wie versprochen hier ein Bericht über die Clownshow gestern Abend.
Rupesh, der Leiter von Clowns ohne Grenzen Indien, initiiert jedes Jahr ein besonderes Clownprojekt mit Schauspielstudentinnen und -studenten.
Sie reisen aus ganz Indien an, um sich für 21 Tage an einem abgelegenen Ort intensiv vorzubereiten – dem sogenannten Clowncamp. Dort wird gemeinsam gearbeitet, ausprobiert, verworfen und neu erfunden. Anschließend werden die Ergebnisse in sozialen Einrichtungen und Schulen in Mumbai und Umgebung gezeigt.

Die Show gestern Abend bildete den Abschluss dieses Projekts. Sie fand auf einer kleinen Bühne in einer Schauspielschule in Mumbai statt. Und sie war großartig.
Eine unfassbare Energie der jungen Schauspielerinnen und Schauspieler, ein wahres Feuerwerk an Ideen, Spielfreude und Mut. Wir haben viel gelacht – und waren sehr beeindruckt.

Eine Sache hat uns dabei besonders fasziniert:
Auf der Straße, in Läden oder Einrichtungen sieht man Menschen aus Indien und spürt zunächst das Fremde. Doch auf der Bühne passiert etwas anderes. Die Clowns werden vertraut. Gleich. Hautfarbe, Sprache, Herkunft – all das tritt in den Hintergrund. Emotionen übertragen sich ohne Worte. Lachen funktioniert international. Auch das Theater fühlt sich plötzlich ganz nah und bekannt an.

Danke an Clowns ohne Grenzen Indien für diesen wunderbaren Abend und für das Lachen, das ihr uns geschenkt habt.

Für die angekündigte Clownparty waren wir anschließend allerdings zu müde. Jetlag, Hitze und die vielen intensiven Eindrücke der letzten Tage forderten ihren Tribut.
Heute gibt es keinen weiteren Bericht. Uns liegen drei Shows im Norden von Mumbai bevor, und wir werden erst spät am Abend zurückkehren.
Fortsetzung folgt.

📸 Pictures by Toni Toss #clownsohnegrenzen

Gepostet am

09.01.2026