Sonja Zeyfang, Helen de Bie und Max von Zimmer haben 22 Shows und Workshops in der Umgebung von Nairobi geplant. Klaus Heymach wird fotografieren und Francis Muthama sich um die Logistik kümmern. Armut, erschwerter Zugang zu Bildung und die schwierige Situation insbesondere von Mädchen sind der Anlass für die nun auch schon bald anstehende Reise.
Itinerary Date :31.01.2026Bald geht es los nach Kenia!
18.01.2026
19. Januar bis 2. Februar 2026
Auch die Kenia-Crew macht sich diese Woche auf die Reise. Sonja Zeyfang, Helen de Bie und Max von Zimmer haben 22 Shows und Workshops in der Umgebung von Nairobi geplant. Klaus Heymach wird fotografieren und Francis Muthama sich um die Logistik kümmern. Armut, erschwerter Zugang zu Bildung und die schwierige Situation insbesondere von Mädchen sind der Anlass für die nun auch schon bald anstehende Reise. Auch ihnen wünschen wir gute Reise!
Manchmal vergeht auch Clowns kurz das Lachen
19.01.2026
Samstagabend am Flughafen. Die Koffer sind voll gepackt: rote Nasen, Seifenblasenmaschinen, Kostüme, Schminke, alles für zwei Wochen Nairobi. Und dann heißt es am Check-in plötzlich, unser Visum sei nicht gültig. Nicht lange genug. Also nicht für die gesamte Reise.
Wir zeigen dem Mitarbeiter von Qatar Airways, wo das Ausreisedatum vermerkt ist und dass das mit dem Tag des Rückflugs exakt übereinstimmt. Dass sich die Gültigkeit des Visums nur auf das späteste Einreisedatum bezieht. Und dass das überall so steht: in den offiziellen Hinweisen, auf Reiseportalen, einer Website der kenianischen Botschaft. Aber der Mitarbeiter bleibt skeptisch. Das reiche ihm nicht. Und er bestimmt hier schließlich.
Also noch schnell ein Express-Visum beantragen. Am Handy, mit zittrigen Fingern. Passfoto hochladen, Einladungsschreiben, Flugticket. Doch die Expressfunktion ist heute leider nicht verfügbar. Egal, wir versuchen es trotzdem. Aber es hilft nichts. Kenia arbeitet am Wochenende nicht schneller – auch nicht für Clowns.
Noch dreißig Minuten, bis der Schalter schließt. Flug umbuchen? Später fliegen? Früher zurück? Alles keine Lösung.
Dann hat eine Mitarbeiterin von Qatar Airways eine kreative Idee. Es gehe doch im Grunde nur darum, sagt sie, dass wir das Land wieder rechtzeitig verlassen. Das müsse halt dokumentiert sein. Ob wir nicht schnell noch eine Ausreise buchen könnten – ein Busticket zum Beispiel, nach Tansania. Das geht online. 50 Euro. Machen wir.
Ein fiktiver Ausflug Richtung Kilimandscharo. Das reicht. Der Ausreisetermin ist dokumentiert, das Visum also ausreichend lange gültig, und niemand muss sich etwas vorwerfen. Wir dürfen durch. Und haben jetzt doch wieder was zu lachen.
Im Wartebereich ziehen wir uns die schwarzen Clowns-ohne-Grenzen-T-Shirts über und trösten uns mit alkoholfreiem Hefeweizen. Eine Nachwuchs-Clownin aus Bremen spricht uns an, sie ist unterwegs nach Indien. Wir sprechen über Ausbildung, Klinikclownerie und erzählen davon, was wir in Kenia vorhaben.
Aber erst mal weiter nach Katar. Beim Aussteigen zum Transit unterhält Max die Kabine mit ungewolltem Trenchcoat-Slapstick – aber die ungeplanten Nummern sind ja immer die besten. Nach insgesamt elf Flugstunden landen wir in Nairobi. Die Luft am Sonntagnachmittag ist ungefähr 20 Grad wärmer als am Samstagabend in Berlin.
Vor der Sicherheitskontrolle entsorgt Helen schnell noch alle Plastiktüten aus dem Gepäck – auch jene, die die Seifenblasen vor dem Auslaufen bewahren sollten. Besitz und Einfuhr von Plastiktüten sind in Kenia bei hoher Geldstrafe verboten. Natürlich kontrolliert uns niemand. Und natürlich bekommen wir alle einen Stempel in unseren Reisepass, der bezeugt, dass das Visum drei Monate gültig ist. Zum Kilimandscharo müssen wir also doch nicht fahren.
„Nairobi is the City under the Sun“, strahlt Francis, als er uns auf dem sonnigen Flughafen-Parkplatz in die Arme nimmt. Was für ein schönes Wiedersehen nach eineinhalb Jahren. Francis ist unser Gastgeber, Organisator und Mann für alles in Nairobi. Er ist Gründer der NGO Kinga Africa, die sich in Kenia für die Zahngesundheit in benachteiligten Communities einsetzt.
Vorbei an Hochhäusern mit bunt getupften Fassaden, wo die Wäsche zum Trocknen flattert. Vorbei an schiefen Wellblechhütten, an halbfertigen Betongebäuden, vielleicht seit Jahren im Bau, vorbei an Tuktuks und Ziegen und an Menschen, die Wasser, Taschentücher oder Ananas anbieten, quälen wir uns durch den Sonntagnachmittagsverkehr Richtung Vorstadt, wo er mit seiner Familie lebt.
Eine Vokabel ist Francis noch wichtig. Weiße wie wir werden auf Kiswahili Mzungu genannt. So würden uns die nächsten zwei Wochen hier alle Kinder rufen, sagt er uns. Ob ihnen unsere Show gefallen wird? „Hier in Afrika ist jeder Mzungu zum lachen“, versichert er uns. „Vor allem mit roter Nase.“
📸 Pictures by Klaus Heymach
Die Einreise von Clownin Sonja verzögert sich
20.01.2026
Die Airline hatte ihren Flug kurzerhand gestrichen, also kommt sie einen Tag später. (Mögen Airlines eigentlich keine Clowns?) Aber das gibt uns dreien – Helen, Max und Klaus – die Gelegenheit, erst mal richtig anzukommen, den Schlaf der schlaflosen Reisenacht nachzuholen und die nächsten zwei Wochen gut vorzubereiten.
Erster Programmpunkt heute: der Besuch im örtlichen Kreiskrankenhaus. Wir wohnen bei Francis und Lilian in Thika, einer 250.000-Einwohner-Stadt im Speckgürtel von Nairobi. Die Industriestadt ist bekannt für ihre Ananas- und Kaffeeindustrie, die Exporte gehen nach Europa und in die USA. Das Thika Level 5 Hospital zählt fast 500 Betten und versorgt jeden Tag bis zu 1000 Patient*innen ambulant.
Die Kinderstation gruppiert sich um einen offenen Innenhof mit einer riesigen Palme. Eine Mitarbeiterin zeigt uns die Räume. Wo können wir spielen, was dürfen wir fotografieren, wer erwartet uns als Publikum? Die Behandlungszimmer sind nach Krankheiten, Ansteckungsgrad und Alter gruppiert – und nach dem Geschlecht der Begleitpersonen. Lungenentzündungen, Tuberkulose, Meningitis und Unterernährung sind hier die häufigsten Befunde.
Können wir hier spielen? Na klar! Der Innenhof hat Platz für unsere vorbereitete Show. Wir werden herzlich begrüßt und lernen auch den Social-Media-Manager kennen. Endlich spektakulärer Stoff für die Facebook-Seite der Klinik – die beiden freuen sich schon auf unsere Show.
Auf dem Heimweg stoppt Francis bei einem Möbelhändler an der Ausfallstraße. Mit seiner NGO Kinga Africa will er nicht nur die blassrosa Wände auf der Kinderstation bunt und kindgerecht bemalen lassen, sondern auch bequeme Sitzgelegenheiten für die stillenden Mütter anschaffen.
Am Nachmittag proben wir unsere Show, den Ablauf und die Musik.
Als Francis‘ Kinder aus der Schule kommen, sind sie unsere neugierigen Zuschauer. Am Abend zeigt uns Lilian die Nachbarschaft. Gerade ist Dürre und die Brunnen fallen trocken, doch in der Regenzeit steht hier alles unter Wasser, erzählt sie. Aber in ein paar Jahren seien bestimmt alle Grundstücke bebaut, und dann werde die Stadt auch Straßen asphaltieren.
Rechtzeitig zum gemeinsamen Abendgebet – Francis und Lilian sind sehr aktiv in der örtlichen Pfingstgemeinde – klingelt Sonja an der Tür. Endlich alle Clowns vereint! Nach der Bibellese ein kurzer letzter Impro-Auftritt vor der Familie. Alle da. Bühne frei für die nächsten zwei Wochen.
📸 Pictures Klaus Heymach
300 Zuschauer*innen außer Rand und Band
21.01.2026
Die Premiere unter der prallen Äquatorsonne. Eine rote Nase für die Schulleitung. Das war unser dritter Tag.
Am Vormittag zunächst ein erster Durchlauf zu dritt – unsere Gastgeber sind begeistert von der Generalprobe im Wohnzimmer. Wir sollten uns keine Sorgen machen, falls irgendwas schief läuft, ermutigt uns Francis. Gerade die Fehler seien lustig. Besser lässt sich das Clownspiel nicht auf den Punkt bringen. Wir feiern das Scheitern.
Gescheitert ist vorläufig auch die Verabredung im Krankenhaus – wir kommen ein andermal. Aber auch im improvisieren ist Francis geübt. Spontan organisiert er einen Auftritt in der Schule seiner Kinder.
Zusammen mit seiner Frau Lilian quetschen wir uns zu sechst ins Auto. Im Schulhof warten neben Prince, dem 7-jährigen Sohn, und der elfjährigen Angel noch ungefähr 300 weitere Schüler*innen von der Vorschule bis zum Ende der Grundschule. Fast die komplette Schule hat sich im Schatten versammelt, nur ein paar Klassen sind gerade beim Schwimmunterricht.
Das Gesetz sehe Schulpflicht und kostenlose Grundschule vor, sagt Francis. In manchen Gegenden gebe es allerings gar keine Schulen, und viele Familien könnten sich den Schulbesuch nicht leisten. Die ACK Thika Memorial Church School wird getragen von der Anglikanischen Kirche, die Eltern zahlen hier umgerechnet rund 1000 Euro Schulgeld pro Jahr. Die Kinder begrüßen uns mit stürmischem Applaus. Sie sind vom Beginn des Auftritts an voll dabei, gehen mit, feuern uns an und fiebern mit. Wir haben nicht das Gefühl, vor einer Masse zu spielen, sondern wir schauen in begeisterte Gesichter.
Beim großen Seifenblasenfinale hält es keine*n mehr auf den Sitzen. Und die stellvertretende Schulleiterin lässt sich eine rote Nase von Heleneken aufsetzen.
Clowns wie uns habe sie noch keine gesehen, erzählt uns die Vize-Direktorin in ihrem Büro. Bloß Magier, aber davor hätten die Kinder Angst. Sie zeigt großen Respekt vor unserer Arbeit. Dafür sei sie wohl schon zu erwachsen, sagt sie fast bedauernd. Immer wieder kommen Schülerinnen und Schüler zur Tür rein und reichen uns die Hand, geben einen Faustgruß und winken.
Hinter dem Schreibtisch hängt eine Tafel mit Sprüchen. „Be yourself“, steht dort. „Show love. Laugh often.“
📸 Pictures Klaus Heymach
Slapstick funktioniert nicht immer
22.01.2026
Dutzende Kinder heute. Manche krank. Andere mit Behinderung. Und alle haben richtig Spaß mit Pelle, Didi und Heleneken. Unser vierter Tag in Kenia.
An einer staubigen Straße stoppen wir vor einem Internat für Kinder mit Förderbedarf. Gegründet wurde die Schule vor zehn Jahren. Das Ehepaar, das sie leitet, hat selbst einen 14-jährigen Sohn mit Sehschwäche und Autismus. Weil sie für ihren Sohn damals keinen Platz an einer Regelschule fanden, gründeten die beiden kurzerhand eine Förderschule.
Inklusion ist auch in Kenia kein Fremdwort, sagt die Schulleiterin. Aber an der Umsetzung hapert’s – das kennen wir auch aus Deutschland. Uns beeindruckt, wie einfühlsam und respektvoll der Umgang hier an der Schule ist.
Wir spielen auf dem Schulhof vor 100 Kindern und mehr als 20 Betreuer*innen. Slapstick funktioniert hier nicht – wenn etwas schief geht, kommen sofort Kinder zu Hilfe. Die Emotionen brauchen eine Weile, aber sie kommen. Wir bemerken von Anfang an, wie konzentriert die Kinder der Show folgen. Manche machen mit, andere wollen uns anfassen, viele lachen. Und bei den Seifenblasen gibt’s auch hier am Ende kein Halten mehr.
Das Personal ist genauso begeistert wie die Kinder und wir. Die Schulleiterin führt uns durch Klassenzimmer und Schlafsäle. „Lachen ist die beste Medizin“, sagt sie. Und lädt uns ein, Ende der Woche doch bitte noch mal zu kommen.
Aber zunächst mal geht’s weiter zum Krankenhaus. Die Kinderstation haben wir vor zwei Tagen bereits besucht. Heute spielen wir im palmenbestandenen Innenhof. Noch ist Besuchszeit. Wir ziehen mit Klarinette und Ukulele über den Flur. Schnell versammeln sich im Innenhof ungefähr 70 Patient*innen, Besucher*innen und Pflegekräfte. Zwei Mitarbeiterinnen klatschen und tanzen sofort mit. Auch die Kinder sind voll dabei.
Im Akutraum sind die Patienten sehr geschwächt, ein Kleinkind wird beatmet. Die Mütter hier haben keine Gelegenheit, zur Show in den Hof zu kommen. Manche versuchen zu stillen, andere halten die Hände ihrer Kinder. Wir singen und musizieren ganz leise. Manchmal huscht dabei ein Lächeln über die Gesichter.
📸 Pictures by @klausheymach
Vom Workshop im Seminarraum raus auf die Straße...
23.01.2026
…unser fünfter Tag in Kenia ist geprägt von Gegensätzen.
Am Vormittag begleiten wir unsere Gastgeber Francis und Lilian zu einer Fortbildung in Sachen Mundhygiene und Zahngesundheit. Francis hat die Organisation Kinga Africa gegründet. Sie bringt Grundschulkindern in benachteiligten Gemeinden bei, wie sie sich richtig die Hände waschen und die Zähne putzen.
Im Workshop zeigen wir einen Teil unserer Show. Später bringen wir den Trainees eine unserer Tanznummern bei.
Nach dem Workshop klappern wir öffentliche Plätze ab. Nach Stunden im Seminarraum eines Hotels wollen wir raus auf die Straße. Auf den Bolzplätzen ist noch nichts los, die Schulen sind gerade erst aus. Auf einem Minibus-Bahnhof ist Leben, aber kein Platz zum Spielen. Aber der kleine grüne Park im Zentrum von Thika ist perfekt.
Am Straßenrand schlüpfen wir im Schutz des Autos in die Kostüme. Mit Ukulele und Klarinette ziehen wir auf den Platz, vorbei an einem Mann, der einen für 10 Schilling auf seine Waage steigen lässt.
Schnell kommen fast hundert Leute zusammen. Auch fliegende Eis- und Schmuckverkäuferinnen stoßen dazu. Eine alte Frau geht begeistert mit, Kinder in ihren Schuluniformen, junge Männer. Dass wir – ohne Absicht – einem Straßenprediger sein Publikum streitig machen, trägt der mit Fassung.
Es ist ein ungewohntes Gefühl, ganz ohne den geschützten Raum einer Schule oder Einrichtung zu spielen. Hier passt – außer Francis und Lilian – niemand auf uns auf, wir sind ganz auf uns selbst gestellt. Am Ende der Show folgen uns die Schulkinder bis zum Auto, und wir klatschen uns gegenseitig ab.
Auf dem Platz haben Fotografen ihre Blitzlichter aufgebaut und bieten ein schnelles Passfoto im Freien für umgerechnet 60 Cent an. Das Smartphone und die KI habe ihnen das Geschäft ruiniert, klagt ein Kollege. Wir tauschen Telefonnummern aus. Ob wir nicht Kameras tauschen könnten, lacht er.
📸 Pictures by @klausheymach
Zwei vertraute Spielorte und doch ganz andere Shows: unser sechster Tag in Kenia
24.01.2026
In der Autism School am Rand von Thika sind wir bereits alte Bekannte. Vor zwei Tagen durften wir nur gehen, nachdem wir versprachen, mit unserer Show bald wiederzukommen. „Meine Kinder lieben Struktur und Wiederholung“, sagt die Schulleiterin. Drei Muzungus mit roter Nase und einer mit Strohhut und Kamera – natürlich erkennen uns alle wieder. Erkennen auch Elemente unserer Show, in die sie begeistert einsteigen.
Auf Eddie zum Beispiel können wir uns verlassen. Sobald etwas schief geht, eilt der 12-Jährige zu Hilfe. Er baut behende den klapprigen Notenständer auf und hilft Heleneken, Pelle aus den Hosenträgern zu befreien. An die hundert Kinder tanzen nach der Show mit uns auf dem Schulhof, aus den Lautsprechern tönen kenianische Rhythmen. Es ist ein großes Wiedersehensfest. Und auch ein Abschied.
Bevor wir uns auf den Weg Richtung Krankenhaus machen, bekommen wir im Büro der Schulleitung das gleiche Mittagessen serviert wie die Kinder. Wir denken an das Schulessen zuhause in Berlin und wünschen uns, das wäre genauso schmackhaft wie Bohnen, Reis und Gemüse hier.
Auch das Kreiskrankenhaus haben wir vor zwei Tagen schon bespielt. Auf der Kinderstation ziehen wir mit der Ukulele von Zimmer zu Zimmer. In manchen döst nur eine*r vor sich hin, in anderen sind alle zehn oder zwölf Betten belegt. Eine Mutter, die uns wiedererkennt, ist enttäuscht, als wir ihr sagen, dass es heute keine große Show hier gibt.
Auf den Zimmern ist der Kontakt zu den Kindern und ihren Müttern noch viel enger als vor zwei Tagen im Innenhof. Heute spielen wir direkt an den Betten. Ein kleines Kind und seine Mutter tanzen noch leise vor sich hin, als wir schon wieder längst am Ausgang stehen.
Spontan erlaubt uns die Klinikleitung, im Wartebereich vor der Radiologie im Freien zu spielen. Um die Sitzbänke herum sind schnell Dutzende Pantient*innen beisammen. Die Stimmung ist nicht nur für Klinik-Verhältnisse geradezu ausgelassen. Wir blicken in lachende Gesichter und auf gezückte Handys. Besonders die Männer aus dem Team sind begehrte Models für Selfies.
📸 Pictures by @klausheymach
Rote Nasen für Gesundheitshelfer*innen, eine Show im Krankenhaus und ein Ständchen von Straßenkindern – unser siebter Tag in Kenia
25.01.2026
In Matuu im Nachbarbezirk Machakos besuchen wir das Büro der Organisation Kinga Africa, die sich in der Region für Zahngesundheit einsetzt. Unser Gastgeber Francis führt uns durch die Zahnklinik, die nebenan im Entstehen ist.
Junge Zahngesundheitshelfer*innen werden in die Dörfer geschickt, um den Kindern das Zähneputzen beizubringen. Wir geben ihnen eine Einführung ins Clowning. Wie fühlt es sich an mit einer roten Nase im Gesicht? Wie nehme ich meinen Körper im Raum wahr? Und mein Publikum? Wir nehmen viel Offenheit für unsere Methoden wahr. Und das, obwohl – oder gerade weil – Clowns für die meisten hier ein Fremdwort sind.
Weiter zum örtlichen Krankenhaus. Im Wartebereich dürfen wir unsere schwarze Clowns-ohne-Grenzen-Fahne aufhängen. Schnell kommen auch Patient*innen aus den Stationen dazu. Manche wundern sich, dass wir keine medizinischen Lektionen im Gepäck haben. Eine Mitarbeiterin fragt, welche Spende wir denn dabei hätten.
Eine Frage, die hier häufig gestellt wird. Der Besuch von Weißen weckt Erwartungen. Geld und Ressourcen fehlen an vielen Stellen. Aber Francis erklärt den Leuten, dass wir schon alles dagelassen haben, wofür wir hier sind:
Freude, Lachen und Spaß, um den Alltag für einige Minuten zu vergessen.
Nach einer Pause mit Maniok, Spinat und Chapati wähnen wir uns bereits auf dem Nachhauseweg. Aber Francis stoppt den Wagen vor dem blau lackierten Tor zu einem staubigen Gelände. „Matuu Vision Center“ steht an der Wand. Hier bekommen seit den 90er Jahren Straßenkinder, Aids-Waisen und Missbrauchsopfer eine neue Heimat.
Im zur Aula umfunktionierten Speisesaal warten bereits 50 Kinder auf unsere Show. Die jüngsten sind im Vorschul-Alter, der Älteste 22. Schon als Pelle mit seiner Ukulele einzieht, können sie sich vor Lachen kaum auf den Sitzen halten.
Zum Abschied singen und tanzen sie uns ein Dankes-Ständchen. Die Gründerin erklärt uns, wie sehr sie mit ihrer Einrichtung von Spenden abhängt. Geld sei wichtig, sagt sie. Aber auch immaterielle Spenden wie unsere, sagt sie. Denn das bringe Respekt und Wertschätzung für die Kinder.
📸 Pictures by @klausheymach
Hunderte Schulkinder und ein Anflug von Massenpanik – unser achter Tag in Kenia
26.01.2026
Gestern durften wir unsere Gastgeber in den dreistündigen Sonntagsgottesdienst begleiten. Anschließend haben wir ihnen einen deutschen Apfelkuchen gebacken und das Essen gekocht, das jede Familie in Deutschland einmal die Woche auf dem Speiseplan haben dürfte: Nudeln mit Tomatensoße. Im Supermarkt haben wir sogar geriebenen Parmesan bekommen, der hier aber auf keine große Begeisterung stieß.
Heute besuchen wir die ACK Thika Memorial Church School im Muranga County. Unser Publikum sind zunächst die 361 Vorschulkinder. Unser Auftritt ist eine Überraschung für sie. Schon die Drei- bis Vierjährigen sind ziemlich aus dem Häuschen, als sie uns sehen. Bei den Fünfjährigen gibt es dann kein Halten mehr. Mehr als hundert Kinder schreien wie aus einer Kehle, als sie Didi als Löwin sehen, oder wie Pelle sich hinter Didi und Heleneken versteckt.
Wir spielen im Speisesaal, nebenan wird das Schulessen gekocht. In der Pause werden auch wir verköstigt. Linsen, Gemüse, Spaghetti – lecker! Die Tochter unseres Gastgebers geht hier auch zur Schule. Sie zeigt uns den Musikraum und gibt uns zusammen mit ihrer Blaskapelle ein spontanes Konzert. Wir revanchieren uns mit unserer Jodel-Nummer, und alle machen mit.
Außer Kontrolle gerät die Show, als wir schließlich vor mehr als 400 Sechs- bis Achtjährigen auftreten. Die Kinder stehen im Halbschatten hinter dem Schulhof, die Luft ist voller Staub, die Stimmung von Anfang an am Kochen. Alle wollen was sehen, alle wollen vorn dabei sein. Das Gedränge wird immer größer. Als es zu wild wird, brechen die Lehrerinnen die Veranstaltung ab. Die Kinder stellen sich in Reih und Glied hinter ihren Lehrerinnen auf und traben zurück in die Klassenzimmer. Die Show ist für heute zu Ende.
📸 Pictures by @klausheymach
1000 Kinder in drei Shows...
27.01.2026
…an unserem neunten Tag in Kenia haben wir die Tausendermarke geknackt.
Wir sitzen noch beim ausgiebigen Mango-, Papaya- und Omelette-Frühstück, als das Telefon unseres Gastgebers klingelt. Die Kinder der Moi Primary School sitzen schon bereit in der Dining Hall, sagt Francis. Dahin brauchen wir fast eine Stunde! Schnell in die Kostüme, schminken, Requisiten ins Auto und los geht’s.
Heute sind wir im Muranga County unterwegs, das für den Anbau von Bananen und Avocados bekannt ist. In dem riesigen Speisesaal ist kein einziger Platz mehr frei. Die Vorschule zählt 370 Kinder. Sie begrüßen uns mit einem ohrenbetäubenden Applaus. Die Seifenblasen setzen wir heute nur sehr sparsam ein, trotzdem stürmen die Kinder zum Finale auf die Bühne.
In der Pause empfängt uns die Schulleiterin in ihrem Büro. Es gibt gekochte Eier, Brot und kenianischen Tee mit Milch. Zum Händewaschen stellt sie uns kaltes Wasser und warnt uns, das sei heiß. Wirklich sehr heiß. Wir sollten bloß aufpassen … Und wir blödeln so lange mit ihr rum, bis sie uns irgendwann lachend fragt, ob wir auch ernst sein können.
Für unseren zweiten Auftritt im Speisesaal werden sogar noch weitere Plastikstühle aufgestellt. Jetzt sind die Sechs- bis Achtjähren dran. Begeistert stimmen sie ins Jodeln ein. Als Didi den Löwen mimt, geht ein gellender Schrei durch die Reihen. Große bunte Schüsseln stehen schon fürs Mittagessen bereit. Zum Abschied klatschen wir Hunderte Hände ab.
Und schließlich weiter zur Makongo-Grundschule. Auf einer Lichtung hinter dem Schulgebäude warten schon etwa 270 Kinder mit ihren Lehrerinnen. Sie rücken uns immer näher, gehen mit, wollen Ukulele und Kamera anfassen – und natürlich die Seifenblasenmaschine. Wieder verteilen wir Dutzende Faustgrüße, schütteln Kinderhände und überreichen unsere roten Nasen an die Lehrerinnen.
Mit den roten Nasen noch auf der Nase gehen sie lachend zurück auf den Schulhof. Und wir gehen mit dem guten Gefühl, dass tausend Kinder heute Abend eine ganz besondere Geschichte aus ihrem Schultag zu erzählen haben.
📸 Pictures by @klausheymach
Keine Angst vor Löwen und viel Mitgefühl für Pelle – unser zehnter Tag in Kenia
28.01.2026
Heute sind wir wieder im Muranga County unterwegs. Die Landschaft wird mit einem Mal richtig grün, wir fahren an Plantagen mit Kaffee, Mangos und Ananas vorbei. In der Navigations-App verlieren wir zwischendurch das GPS-Signal, doch eine unbefestigte Lehmpiste führt uns schließlich zu unserem ersten Auftrittsort. Auf dem Gelände der Muteria-Grundschule wachsen Bananen und Avocados. Die Kinder sitzen auf Bänken aus Holz, auf der Tafel steht ein Willkommensgruß in Kreide.
Wieder zeigt sich, wie unterschiedlich jeder Auftritt ist. Wir spielen vor 70 Kindern in einer äußerst konzentrierten und aufmerksamen Atmosphäre. Hier stimmen die Sechs- bis Achtjährigen kein gellendes Geschrei an, wenn Didi den Löwen gibt, dafür fühlen sie sichtlich mit, wenn Pelle von Heleneken mit einer Bürste, die ein Schwert darstellen soll, in die Seite gestochen wird. „Sorry, sorry“, flüstern sie.
In der nächsten Schule, die wir ansteuern, sind die Kinder kleiner, und der Raum platzt aus allen Nähten. In der Vorschulklasse quetschen sich 100 Kinder auf kleine bunte Plastikstühle. Die Wände sind vollgehängt mit Erklärtexten, Illustrationen, Zahlen und Buchstaben. Die Lehrerinnen freuen sich riesig über die roten Nasen, die wir ihnen aufstecken, und tanzen zusammen mit den Kindern für uns. Nach der Show umringen die Kinder unser Auto und wir dürfen wieder viele Hände schütteln.
Aber wir müssen weiter. In der Mabanda Primary & Junior School spielen wir im Freien. Hunderte Kinder stehen auf dem staubigen Boden in der Sonne, manche klettern auf Bäume und Wasserkanister, um besser zu sehen. Auf der offenen Galerie quetschen sich die höheren Jahrgänge. Die Kinder vor der Bühne werden immer weiter nach vorne gedrängt – gerät hier gleich wieder alles außer Kontrolle? Eine Lehrerin schwingt einen Stock, um für Disziplin zu sorgen. Alle weichen einen Schritt zurück. Die Show ist gerettet. Zum Abschluss dürfen wir auch hier der Direktorin die rote Clownsnase aufsetzen.
📸 Pictures by @klausheymach
Fast verhaftet – und dann muss die Polizei selber lachen - unser elfter Tag in Kenia
29.01.2026
„Ist euch gestern etwas aufgefallen?“, fragt uns Francis auf dem Weg zur Show. Wir überlegen. Tausend Dinge fallen uns hier jeden Tag auf, aber worauf will er hinaus? Schließlich rückt er mit der Sprache heraus: Die Kinder in der Vorschulklasse hätten unsere Sprache nicht verstanden. Sie sprechen Kikuyu und Kisuaheli – aber kein Englisch. Trotzdem hatten sie riesigen Spaß. Wir hatten das gar nicht gemerkt – der Beweis, dass die Show auch ohne Worte prima funktioniert.
Francis erzählt aus seiner Schulzeit. Wie er kilometerweit zur Schule laufen musste und kein Geld für Schuhe da war. Und er erzählt von abgelegenen Regionen im Norden, wo kaum Kinder zur Schule gehen. Statistiken zufolge arbeiten in Kenia 1,3 Millionen Kinder in der Landwirtschaft mit. Die Einschulungsquote liegt im Norden teils unter 50 Prozent. Viele Mädchen werden dort noch im Kindesalter verheiratet.
Die nördlichen Grenzregionen sollten wir bei einer künftigen Reise besuchen, sagt Francis. Er will Kontakte knüpfen. Heute spielen wir in den Christina Wangari Gardens im Zentrum von Thika. Hier treffen wir auf Straßenkinder, fliegende Händler, junge Männer ohne Arbeit. Im Großraum Nairobi leben Schätzungen zufolge 60.000 Kinder auf der Straße. Zwei von drei Jugendlichen sind arbeitslos. Über 80 Prozent der Erwerbstätigen bestreiten ihr Einkommen im informellen Sektor ohne soziale Absicherung.
Dann plötzlich Polizei. Zwei Beamtinnen und zwei Beamte des Bezirks sprechen den Fotografen an. Ob wir die Erlaubnis hätten, hier zu spielen? Die bräuchten wir unbedingt. Wer der Verantwortliche sei? Nur noch ein Song bitte. Ok, aber danach müssen wir sprechen. Schließlich mischt Francis sich ein. Er erklärt, dass wir kein Geld machen mit unserer Aktion, dass wir ehrenamtlich hier sind und einfach nur Lachen ins Land bringen wollen. Die Beamten zücken ihre Handys und filmen mit. Und müssen schließlich selber lachen. Die Show funktioniert.
📸 Pictures by @klausheymach
Bildung, Hunger und Klimawandel – unser 12. Tag in Kenia
30.01.2026
Planung à la Kenia – so nennt unser Gastgeber und Logistik-Chef Francis das Programm an unserem vorletzten Tag im Land. Wir haben noch gar nicht sein Heimatdorf besucht, fällt uns beim Frühstück ein. Francis telefoniert kurzerhand mit ein paar Leuten dort und schon machen wir uns auf den Weg.
Zwei Autostunden später kommen wir in Kithuia an, einer 600-Seelen-Gemeinde im County Machakos. Die meisten hier leben von ein paar Kühen, Hühnern, Obst- und Gemüseanbau – aber nur, wenn es genug Regen gibt, sagt Francis. Hier bekommen viele in der Region die direkten Auswirkungen des Klimawandels zu spüren.
Francis ist hier mit acht Geschwistern groß geworden. Nur vier von ihnen konnten bis zum Alter von 14 Jahren zur Schule gehen und haben einen Abschluss. Die Dorfschule gibt es seit gut 20 Jahren, vorher waren die Schulwege viele Kilometer lang.
Heute hätten die Kinder an seiner Schule höchstens zwei Kilometer Fußmarsch, erklärt uns der Vizedirektor. Etwa 150 Kinder im Alter von vier bis 14 sitzen im Schatten eines großen Baumes. Manche haben ihren eigenen Getreidebrei dabei – andere haben von zuhause nichts mitbekommen. Geld für Essen hat die Schule nicht.
Auch Francis saß als Kind oft hungrig in der Schule – nach einem Barfuß-Marsch von sieben Kilometern. Heute unterstützt er die neue Schule. Das bunte Tor und die Möbel im Lehrerzimmer hat er gespendet, immer wieder schickt er auch Nahrungsmittel. „Hier kennen mich 95 Prozent der Leute“, sagt er im Auto. Es ist ihm wichtig, etwas von dem zurückzugeben, was ihm das Leben in den letzten Jahrzehnten geschenkt hat.
Und die Show? Sie wird gebannt verfolgt. Ein Lehrer zeigt sich verwundert, wie konzentriert die Kinder bei der Sache sind. Großen Applaus gibt es immer wieder – vor allem zum Schluss, als sich das komplette Kollegium die roten Nasen aufsetzen lässt.
Wir sind dankbar für die Gelegenheit, auch diese abgelegene Region zu besuchen. Francis hat uns mit seinen Kontakten und seinem Engagement sehr besondere Türen geöffnet. Auch für uns war es eine sehr berührende Show in „seinem“ Dorf.
📸 Pictures by @klausheymach
Tanzen und Trommeln im Slum – unser letzter Tag in Kenia
31.01.2026
Krasser hätte der Kontrast nicht ausfallen können. Gestern das abgelegene Dorf mit Kindern aus einfachen Verhältnissen, heute ein Slum in Nairobi, von dessen Besuch das Auswärtige Amt Touristen abrät. Aber genau deshalb sind wir ja hier: Extreme und Gegensätze erfahren und aushalten. Unsere Botschaft der Freude zu all jenen bringen, denen Lachen helfen kann. Und Francis begleitet uns.
Gut 4.000 Kinder, Jugendliche und Erwachsene haben wir in knapp zwei Wochen erreicht. Heute also ein Besuch in Mathare, einem der ältesten Slums der Stadt. Rund 500.000 Menschen leben hier auf engstem Raum, mehr als die Hälfte davon unter 18. Die meisten ohne fließendes Wasser, Strom oder richtige Jobs.
Hilfe für 145 dieser Kinder bietet die Einrichtung The Good Samaritan. Es sind Kinder, die keine Eltern mehr haben, die vernachlässigt wurden oder häusliche Gewalt erfuhren. „Wir geben ihnen ein Zuhause, Sicherheit und eine Perspektive“, sagt die Leiterin des durch private Spenden finanzierten Hauses.
Vor 20 Jahren hat Francis selbst hier gearbeitet. Drei Jahre lang lebte er in einem einfachen, dunklen Zimmer im Slum. „Armut ist schrecklich“, sagt er und spricht damit aus eigener Erfahrung. Deshalb ist es ihm so wichtig, anderen zu helfen. Zwei Kindern finanzieren er und seine Frau hier die Ausbildung.
Unsere letzte Show auf dieser Reise wird ganz besonders. Ein einzigartiges Publikum, ein schwerer Abschied und auch eine Verneigung vor Francis. Für die letzte Nummer holen wir ihn auf die Bühne, Pelle legt ihm Glitzerkrawatte und Nase an, zusammen singen und tanzen wir das Finale.
Nahtlos schließt die Tanzformation der Bewohner*innen an. Zu kenianischen Popsongs und Trommeln bringen die Mädchen den Saal zum Kochen und holen dann auch die Clowns mit auf die Bühne. Ein fulminanter Abschied aus einem Land der Kontraste und der Gegensätze. Viel haben wir gelernt, viel nehmen wir mit. Danke, Francis. Danke, Kenia. Unsere Zeit ist vorüber. Morgen geht’s zum Flughafen. Wir kommen gerne wieder.
📸 Pictures by @klausheymach
















































































































































































































































